Wenn der Kopf nicht angewachsen wäre...: Stadt versteigerte Fundstücke in der Kamener Stadthalle

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Auktionator Sven Niggemeier präsentiert den Besuchern der Versteigerung eine Taschenuhr.
 

Nicht das Fundstück der Woche, sondern die des Jahres wurden in der Kamener Stadthalle versteigert: Im Laufe des Jahres ist im Rathaus einiges vergessen worden. Wer noch nicht alle Weihnachtsgeschenke hat, konnte bei der Versteigerung durchaus fündig werden.

„Zum ersten, zum zweiten und zum dritten“ schallte es durch das Foyer der Stadthalle, wenn wieder etwas Vergessenes einen neuen Besitzer gefunden hatte. Zweimal, am Anfang und am Ende des Jahres, werden die Fundstücke versteigert. Die Versteigerungen werden von einem Vollziehungsbeamten der Stadt Kamen durchgeführt.
„Im Sommer werden hauptsächlich Fahrräder vergessen, im Herbst und Winter eher Regenschirme. Über das gesamte Jahr sind generell oft Schmuckgegenstände dabei“, beschreibt Pressesprecher Hanno Peppmeier das Gros der Fundstücke. Einen gepunkteten Regenschirm kommentierte eine Besucherin mit „Der ist schief“. Der Auktionator versuchte es mit „schief ist modern“, aber es half nichts: Der Schirm fand trotzdem keinen Abnehmer. Einen Harry-Potter-Regenschirm kommentierte ein weiterer Besucher mit den Worten: „Damit kannst Du fliegen.“

Die Summen, für die die Fundstücke den Besitzer wechselten, waren höchst unterschiedlich. Gardinen oder CDs von Pietro Lombardi wurden schon für einen Euro verkauft. Bei einer Digitalkamera stiegen die Gebote dagegen schnell von 10 auf 26 Euro Endsumme. Für eine relativ hohe Summe ging eine Holzbank weg: 56 Euro war sie ihrem neuen Besitzer wert.
Nicht immer war klar, worum es sich genau handelte. So kündigte Auktionator Sven Niggemeier ein Paar ungetragene Schuhe, Größe 5, an. Ein Besucher fragte daraufhin, ob es sich um Damen- oder Herrenschuhe handle. Der Auktionator hielt zur Antwort die reich verzierten Schuhe hoch. „Leute, ick hab‘s anne Füße und nicht hier oben“, war die flotte Antwort des Mannes.

Über zwei Dutzend Fahrräder warteten auf einen neuen Besitzer, nachdem sie von ihren alten vergessen worden waren. „Hier kann man gute Schnäppchen machen“, meinte ein 70-jähriger Kamener, der schon das zweite Mal dabei war. Ein 63-Jähriger war auf der Suche nach einem Fahrad für seinen Enkel und einem Trekkingrad für sich selbst: „Solange die Preise nicht jenseits von gut und böse sind.“ Ein 35-Jähriger hatte ein ähnliches Ziel: „Ich will ein Rad für meinen Sohn ersteigern, der bald Fahrrad fahren lernt. Da ist es besser, wenn er ein älteres Rad hat, bei dem neue Macken nicht so schlimm sind. Für mich selbst brauche ich ebenfalls ein neues, da mein altes Rad am Bahnhof geklaut wurde.“ Beide Wünsche konnte er sich erfüllen.

Auch andere CDs gefielen ihren Besitzern wohl nicht mehr oder wurden zumindest nicht vermisst. Bei einem Rhianna-Album outete sich der Auktionator als Experte: „Das ist nicht das aktuelle Album, sondern das vorherige." Nicht immer lief alles reibungslos. So wurden manche Gebote leider zu spät abgegeben oder erfolgten zu leise.

Zu den kuriosesten Artikeln gehörten vier Alufelgen nebst den dazugehörigen Reifen, die für 50 Euro weggingen. „Der skurrilste Gegenstand bisher war aber ein BH in Größe H“, erzählt Pressesprecher Hanno Peppmeier.
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