Wenn Wände erzählen könnten: Haus Bögge

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So sah das Haus Bögge in früheren Jahren aus. (Foto: Stadtarchiv Bönen)
 
Das Tor ist der älteste Teil des Gebäudes. (Foto: Stadtarchiv Bönen)
Kamen: Stadtspiegel |

Wenn Wände reden könnten, was hätte das Haus Bögge in Bönen zu erzählen? Mehrfacher Abriss, Umbau, Zwangsversteigerungen - das Gebäude hat eine bewegte Geschichte.

Welche Schicksale hat das Haus miterlebt? Fröhliches Kinderlachen, zärtliches Liebesgeflüster oder auch Verzweiflung? Und wenn es sprechen könnte: Wäre es sich seiner langen Tradition bewusst?

Auf jeden Fall kann es auch eine lange Geschichte zurückblicken: „Das Haus Bögge ist eine der Wurzeln von Bönen“, erklärt Stadtarchivarin Barbara Börste. Vermutlich im 13. Jh. erfolgte der Ausbau des Sattel- und Oberhofs Bögge zur Wasserburg, wohl eher zu einem befestigten Haus. Im 17. Jh. ließen die damaligen Besitzer auf der zu einer Insel ungestalteten Motte in deren Westteil ein Renaissance-Schloss errichten.

Zahlreiche Besitzerwechsel

Meist werden Herren- und Gutshäuser, Schlösser und Burgen eher unter den „Blaublütigen“ vererbt als verkauft. Doch Haus Bögge wurde im Laufe seiner Geschichte mehrfach veräußert. Nicht immer freiwillig: Der damalige Hausherr Wennemar Georg hatte während des 30-jährigen Krieges seine Lehenspflichten gegenüber dem Kloster Werden durch Untreue und Schulden so verletzt, dass die Lehensgüter entweder verpfändet, verhypotesiert oder veräußert waren, und zwar ohne Zustimmung oder auch nur das Wissen des Abtes. Wennemar wurde das Lehen entzogen und Bögge gelangte an die Familie von Dombrock.

Zwangsversteigerung des Hauses

„Beim wohl spektakulärsten Verkauf handelte es sich um eine Zwangsversteigerung im Jahre 1785“, verrät Heimatforscher Dr. Josef Cornelissen, der sich mit der Geschichte von Haus Bögge beschäftigt hat. Nachdem es zuvor schon jahrelang zu Zwistigkeiten zwischen den Familien der Hugenpoth und von Dombrock kam, entspann sich mit dem Tod Carl Joseph von Dombrock 1756 erneut ein Streit zwischen den Erben. Der folgende lange und kostspielige Rechtsstreit endete 1785 mit der Zwangsversteigerung Bögges und des Nordhofes. Für 40.950 Reichstaler ersteigerte Freiherr Gisbert Heinrich Ludwig von Plettenberg zur Heyden die mittlerweile vom Lehen befreiten Güter. Ob sich das Schloss, könnte es reden, über diesen Wechsel gefreut hatte?

Bereits gegen Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jh. wurden die auf Bögge vorhandenen Gebäude, ausgenommen das Tor, abgebrochen. Haus Bögge wechselte im Laufe der Zeit mehrfach die Besitzer, bis es 1965 durch Heirat in den Besitz des Landwirt Wilhelm Bockholt kam, der das Schloss 1969 an Dr. Friedemar Lorenz verkaufte. Das Gutshaus war noch bis nach 1980 bewohnt, verfiel dann jedoch immer mehr und wurde 1985 abgerissen. Nach dem Tod von Dr. Lorenz im März 1994 übernahmen seine beiden Neffen, Johannes und Christian Kahl, Haus Bögge und renovierten es zum größten Teil. 2011 erwarb der Unternehmer Schaumann das Gebäude.

Das Tor steht heute vor dem Schloss Heeren (da im Besitz der Familie Plettenberg). Es ist das älteste noch erhaltene Teil der langen Geschichte, auf die das Haus Bögge zurückblicken kann.

Wenn Wände doch reden könnten...

Infos zum Haus Bögge gibt es auch hier.
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