Hochwassergefahr in der Lippe-Region: Pegel stark gestiegen

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Das Hochwasserrückehaltebecken des Lippeverbandes in Bönen. Foto: Lippeverband

Von „Hochwasser“ ist offiziell bisher nicht die Rede, doch sind die Pegelstände der Lippe und zahlreicher Nebenläufe über das Wochenende stark gestiegen. Während die Abflüsse in den kleineren Gewässern in der Nacht auf Sonntag ihren Höhepunkt erreicht haben und danach meist schon wieder gefallen sind, „kratzt“ die Lippe in Haltern und Dorsten an der Hochwassermarke, auch in Lünen und Wesel sind die Wasserstände hoch.

Die Niederschläge allein von Samstag, dem 30. Januar, sind beeindruckend: 16,5 Liter pro Quadratmeter in Dorsten (Regenschreiber Kläranlage Dorsten), 18,7 Liter in Datteln (Schleuse), 20 Liter in Reken (Bahnhof) und 23 Kubikmeter in Hamm (Kläranlage Mattenbecke).
An der mittleren Lippe in Lünen ist der Fluss von Mittelwasser (2,70 m Donnerstag) auf über 4,00 m angeschwollen. Noch markanter entwickelten sich der Wasserstand in der Seseke, der am Pegel Lünen-Preußenstraße im selben Zeitraum von rund 1,20 m auf einen Spitzenwert von knapp über 3,00 m in der Nacht zu Sonntag gestiegen war. In Kamen (Ostenallee) stiegen die Wasserstände parallel, jedoch war der Ausschlag nach oben nicht so stark: Auf 95 cm folgten in der Spitze 2,15 m. Wesentlicher Faktor dabei war das Hochwasserrückehaltebecken des Lippeverbandes in Bönen, das seit Samstag große Wassermengen einstaut und so zur „Seenplatte“ geworden ist. Auch die Körne, die bei Kamen in die Seseke mündet, hat viel Wasser mitgebracht: Das Hochwasserrückhaltebecken Dortmund-Scharnhorst des Lippeverbandes ist zum Teil eingestaut, so dass die „Wellen“ in der Körne (vor einer Woche 70 cm) gedämpft wurden. Dennoch wurden Spitzenwasserstände von 1,20 m (Donnerstag), 1,85 m (Samstag) und 1,60 m (Sonntag) erreicht, die Tendenz ist wie in der Seseke jetzt wieder fallend.

In Hamm veränderten sich die Wasserstände der Lippe nur geringfügig und schwankten am Pegel Mattenbecke zwischen 3,50 und 3,70 m. In Lippborg, am östlichsten Pegel des Lippeverbandes, ging die Lippe von 2,70 m am Donnerstag auf 3,70 m heute Morgen hoch. Hier deutet sich ein weiterer Anstieg an. In Kesseler an der oberen Lippe lag der Pegel am Donnerstag bei 1,90 m, seit Samstagnacht ist hier die 3-Meter-Marke erreicht.

Aufgrund der Gesamtsituation hat der Lippeverband bisher darauf verzichtet, seine Bauhöfe an der Lippe in Dorsten, Haltern, Lünen und Hamm förmlich in Hochwasserbereitschaft zu versetzen. Dennoch halten die Mitarbeiter vor Ort die Augen auf: Kritische Punkte wie Rechen und Einläufe werden kontrolliert, ebenso der Zustand der Deiche. Ein internes „Hochwasserinformationssystem“ zeigt nicht nur die Entwicklung von Niederschlägen, Abflüssen und Wasserständen an, sondern berechnet über ein Niederschlag-Abfluss-Modell auch Hochwasserprognosen.

Ob aus den hohen Wasserständen noch richtiges Hochwasser wird, hängt von den Niederschlägen der nächsten Tage ab. Regen ist überall angesagt, doch entscheidend sind die Mengen. Doch auch wenn die Niederschläge an der unteren Grenze bleiben, wird die Lippe mindestens in dieser Woche noch hoch stehen. Bis die Wasserabflüsse aus dem ausgedehnten Lippegebiet (Einzugsgebiet 4.890 Quadratkilometer) die Mündung in den Rhein erreichen, vergehen regelmäßig mehrere Tage.
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 01.02.2016 | 12:15  
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