Kamen. Stadtverwaltung und der Begriff "ZEITNAH"

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  Kamen: Rathaus |

Was bedeutet eigentlich zeitnah?

(Ein gern benutzer Begriff der Stadtverwaltung)

Kurzvesion:
Hier die Definition im Duden:
aktuell, auf dem neuesten Stand, auf der Höhe der Zeit, gegenwartsnah, up to date, zeitgemäß; (emotional verstärkend) brandheiß, topaktuell
im Handumdrehen, prompt, rapide, rasch, schnell, sofort, sofortig, unverzüglich, zügig; (umgangssprachlich) fix, flottweg, in null Komma nichts; (süddeutsch, österreichisch) rapid

Quelle:Scherzbolde
Langversion:
Neulich hatte ich eine Anfrage in der juristischen Hotline, wo mich ein Betriebsrat fragte, was denn eigentlich gemeint sei, wenn in einer Betriebsvereinbarung stehe, eine bestimmte Sache müsse „zeitnah“ erledigt werden. Ich versuchte ihm das zu erklären mit dem Lieblingssatz der Juristen: „Es kommt darauf an!“
Aber das tut es wirklich, es kommt ganz auf die Situation und den Einzelfall an. Liegt ein Mensch nach einem Unfall verletzt im Graben, dann bedeutet zeitnahe Hilfe „möglichst sofort“. Ist bei dem Unfall jedoch nur ein leichter Sachschaden entstanden, dann kann die zeitnahe Hilfe auch schon einmal bis zu einer Stunde dauern. Mit solchen und ähnlichen Beispielen versuchte ich ihm den Begriff zu erklären. Der Betriebsrat bedankte sich, ließ mich aber irgendwie mit einem unbehaglichen Gefühl zurück und ich machte mich auf die Suche nach einer befriedigenden Definition für Zeitnähe. Ich fand keine.
Die Synonyme aktuell, gegenwartsnah, sofort, gleich, bald und demnächst sowie eine Zwiebelfisch-Kolumne halfen mir auch nicht weiter.
Ich war der Verzweiflung nahe: Ich, als Juristin und Meisterin der unbestimmten Rechtsbegriffe, war nicht in der Lage, eine anständige Definition für ein kleines gemeines und scheinbar so einfaches Wörtchen zu finden.

Inzwischen ging es mit wieder besser und ich hatte mich bereits schweren Herzens mit der Situation abgefunden.
Da schlage ich im April eine Wochenendausgabe der Süddeutschen Zeitung auf, da springt mich links unten auf der Seite unter der Rubrik „Übersetzer“ das kleine gemeine Wort zeitnah an.
Alte Erinnerungen drohten über mir zusammen zu schlagen. Andere hatten das geschafft, wozu ich nicht in der Lage gewesen war! Klar, dass die von der Süddeutschen jetzt eine einfache und tolle Erklärung haben würden. Und als ich mich wieder gefasst hatte las ich Folgendes:
Es gibt wohl für bestimmte Menschen eine Art Bürojargon. Um sich wichtig zu tun, solle man sich einfach an große Begriffe dranhängen, z.B. an die Zeit „als fundamentale, messbare Größe, die zusammen mit dem Raum das Kontinuum bildet, in das alles materielle Geschehen eingebettet ist.“ Aha! Und weiter: „Und was ist dann Zeitnah? Alles, was aus dem Bett, bzw. dem Geschehen herausgefallen ist? Kann es das geben, das Zeitnahe? Wo doch schon die Gleichzeitigkeit höchst problematisch ist, zumindest nach der speziellen Relativitätstheorie, die besagt, dass es eine universelle Gleichzeitigkeit nicht gibt. Da macht es fast gar nichts, dass der gemeine Büromensch eigentlich nur „bald“ meint, wenn er „zeitnah“ sagt?

Glücklich schloss ich die Zeitung. Ich weiß jetzt immer noch nicht, was zeitnah genau bedeutet. Aber andere, von denen man glaubt, dass die es wissen, wissen es eben auch nicht oder können es zumindest nicht verständlich erklären. Diese Erkenntnis war mir viel wichtiger als sich graue Haare wegen so einem gemeinen kleinen Wort wachsen zu lassen. Die wachsen auch sowieso, wahrscheinlich sogar ziemlich zeitnah.

Eure Ines
Quelle: ZEITNAH

Wie "ZEITNAH" die Stadtverwaltung auf Hinweise von Bürgern reagiert, folgt in weteren Berichten.

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