Peuckmann macht sich stark für Can Dündar und Erdem Gül

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Bei der Preisverleihung des PEN meinte Heinrich Peuckmann, dass mit Dündar ein freundlicher und sehr sympathischer Mann mit dem Preis geehrt worden sei. Foto: privat
 
Can Dündar bedankte sich letzte Woche für den Ehrenpreis des PEN. Foto: privat

PEN-Präsidiumsmitglied Heinrich Peuckmann, Schriftsteller und ehemaliger Lehrer aus Kamen und Bergkamen, macht sich stark für die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül, die von Erdogan nicht nur um ihre Pressefreiheit, sondern auch um ihre Jobs und ihr Alltagsleben beraubt worden sind. "Es ist schlimm, dass solche Menschen aus ihrem Land vertrieben werden", erklärt Peuckmann bei einer Preisverleihung des PEN (einer der bekanntesten internationalen Autorenverbände).

Als das Präsidium des deutschen PEN im Frühjahr dieses Jahres beschloss, den diesjährigen "Hermann-Kesten Preis" an die türkischen Journalisten Can Dündar und Erdem Gül zu verleihen, war die Situation für die beiden schon kritisch.
Letzte Woche war nun die Preisverleihung: Can Dündar, ehemals Chefredakteur der unabhängigen „Cumhuriyet“, hatte nach Gefängnisaufenthalt und ersten Verurteilungen wegen Beleidigung von Erdogan das Land verlassen müssen und lebt seitdem im Exil in Deutschland. Erdem Gül dagegen lebt noch in der Türkei, er darf aber nicht ausreisen. Bei einem der Prozesse im Sommer gegen Dündar gab es einen Attentatsversuch auf ihn, seine Frau fiel dem Pistolenschützen jedoch im letzten Moment in den Arm und rettete ihrem Mann das Leben.

Attentatsversuch auf Dündar

Mit dem Kesten-Preis belohnt PEN den Einsatz für Meinungs- und Pressefreiheit in der Welt. Was hatten die beiden Journalisten getan, außer dass ihre Zeitung kritisch über Politik und Gesellschaft in der Türkei berichteten? - Sie hatten Belege vorgelegt, dass die türkische Armee den IS mit Waffen beliefert hat, in der Hoffnung offensichtlich, dass der IS damit die kurdische PKK bekämpft.
Can Dündar erzählte bei der PEN-Preisverleihung, dass er sogar im Gefängnis weitere Artikel geschrieben hätte, die an seine Freunde nach draußen gelangt seien.
Auch in Deutschland ist Dündar aktiv, um journalistisch auf die prekäre Situation in seinem Land aufmerksam zu machen: "144 Journalisten und Schriftsteller sitzen dort gegenwärtig im Gefängnis", erklärte er. Das seien mehr als in Russland, China und Iran zusammen.

Dündar sieht die Türkei gespalten

Etwa 50 Prozent der Bevölkerung, meint er, vertreten den islamischen Weg von Erdogan, die andere Hälfte sei laizistisch im Sinne der alten Atatürk-Verfassung.
Im politischen Handeln sprach er davon, den Waffenhandel mit der Türkei einzuschränken oder zu beenden und auch sonst bestimmt und mit klarem Ton gegen Erdogan aufzutreten. Der wiederum hätte durch das Flüchtlingsabkommen die EU so sehr in der Hand, dass sie bis jetzt äußerst zahm auftrete. Bestimmtheit sei aber gefordert.
Und nebenbei, meinte Heinrich Peuckmann sei mit Dündar, der Erdem Gül würdig vertrat, ein freundlicher und sehr sympathischer Mann mit dem Preis geehrt worden.

Hintergrund: Hernann-Kersten-Preis

Hermann Kesten, Schriftsteller und Namensgeber, hat während der Nazidiktatur vielen verfolgen Autoren zur Flucht ins rettende Ausland geholfen, in das er selbst als Deutscher jüdischen Glaubens fliehen musste.
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1 Kommentar
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Rolf Lepke aus Kamen | 21.11.2016 | 12:10  
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