"Schlimmer wohnen": Mieter der Blumenstraße gehen auf die Straße

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Die Mieter der Blumenstraße gingen mal wieder auf die Straße, um gegen die Missstände zu demonstrieren. Diesmal filmte sogar der WDR.

Es ist erst ein paar Monate her, dass die Mieter in der Blumenstraße auf die Barrikaden gingen: Aufzüge kaputt, Schimmel in den Wohnungen, zu hohe Jahresabrechnungen und ein verkommenes Außengelände lauteten die Vorwürfe gegen die verantwortliche Wohnungsgesellschaft.

Es folgte ein Schlichtungsgespräch gemeinsam mit dem Bürgermeister im Kamener Rathaus. "Doch dabei ist es dann auch geblieben", erklärt Horst Dinter, Vorsitzender der Initiative "Flowerstreet". Er macht sich seit Jahren stark für die Bewohner in den Hochhäusern der Blumenstraße. Mal mit mehr und meist mit weniger Erfolg: "Der Vermieter kümmert sich nicht, kassiert aber gerne die Miete."
Gestern war nun auch der WDR da, um über die Missstände zu berichten. „Wir gehen in die Öffentlichkeit, weil wir uns sonst nicht mehr zu helfen wissen“, erklärt eine verzweifelte Mieterin, die nach ermüdenden Briefwechseln mit dem Vermieter nun endlich einen Anwalt eingeschaltet hat.

Zeit, Geld und Nerven

All das kostet nicht nur Zeit und Nerven sondern auch Geld. Geld, das viele Mieter nicht haben. Manche leben von "Hartz-IV" und haben aus diesem Grund noch nicht einmal die Möglichkeit, einfach zu kündigen und auszuziehen. Das Jobcenter bezahlt die Miete, und vergleichbar kostengünstiger Wohraum in Kamen und Umgebung ist rar.

Heuschrecken-Vermieter

Finanzexperten warnten im Übrigen schon 2013 vor "Heuschrecken-Vermietern": In Deutschland etabliere sich ein sogenanntes Hartz-IV-Geschäftsmodell. Das zähle „auf die gesicherte Mietzahlung (gegebenenfalls direkt durch die Jobcenter bzw.
Sozialämter) und die Hinnahme von Mängeln durch diese Mietergruppe“ hieß es in einem Beitrag von "Frontal 21" am 3. Juli im ZDF.
Derweil warten die Mieter in der Blumenstraße immer noch darauf, dass sich etwas bewegt - zumindest die Aufzüge sollten endlich wieder fahren. Denn besonders alte und kranke Menschen, die in den oberen Etagen wohnen, fühlen sich nahezu eingesperrt in diesem Wohnkomplex.

Hintergrund

Die niedersächsische Wohnungsgesellschaft hatte die "Flowerstreet-Hochhäuser" vor ein paar Jahren übernommen. Seitdem warten die Mieter auf die versprochene Komplettsanierung.
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