Nicht unbeliebt bei Parkplatzsuchenden ist das Hertie-Parkdeck, denn hier kann man zeitlich unbegrenzt parken. Doch den Weg durch das immer schmuddeliger werdende Treppenhaus scheuen besonders Frauen.
Ein Tag, an dem sicher keine Sektkorken knallen werden: Am 5. Mai steht das Hertie-Kaufhaus seit genau 1.000 Tagen leer - abgesehen von der kurzen Unterbrechung, als ein Ramschmarkt dort seine Waren feil bot. Und eine Änderung ist nicht in Sicht, stattdessen macht sich bei Stadt und Eigentümer wohl eher so etwas wie Resignation breit.
Eine kurze Geschichte des Niedergangs
Einstmals war das Kaufhaus der Ort, der die kaufkräftige Kundschaft erst in die Innenstadt lockte. „Erstmal zu Karstadt“ hieß es, wenn man zum Einkaufen in die Stadt fuhr. Aus Karstadt wurde 2007 Hertie; Stadtverwaltung und Bürger hofften inständig auf einen Verbleib des Kaufhauses. Doch die Hoffnung wurde enttäuscht. Am 31. Juli 2008 meldete Hertie Insolvenz an, die Immobilie wurde zum Spekulationsobjekt des Haupteigentümers Dawnay Day. Im Mai 2009 beschloss die Gläubigerversammlung, die 54 noch unter dem Namen Hertie betriebenen Kaufhäuser - wie das in Kamen - endgültig zu schließen. Der letzte Verkaufstag war der 8.8. 2009.
Wer will schon eine nach Urin stinkende Baracke?
Wie an allen anderen Hertie-Standorten ruhte auch in Kamen die Hoffnung darauf, dass sich schnell ein Käufer mit einem guten Konzept finden würde. Doch leider traf dies nicht zu - wie auch an vielen anderen Standorten. Gute Konzepte für das Kamener Haus gab es, doch keinen Investor, der tatsächlich nicht nur die Kaufsumme zahlen, sondern auch noch die kostenintensive Kernsanierung tragen wollte. Zumindest konnte die Nutzung des Parkdecks durchgesetzt werden. Die Stadt Kamen sprang hier quasi auf Drängen der Bürger in die Bresche und übernahm die Verkehrssicherungspflicht. Doch am Zustand des Hauses kann diese Verkehrssicherungspflicht auch nicht viel ändern. Bröckelnde Fassaden, ein undichtes Dach und zunehmend aufquellender Teer auf dem Deck sind Zeichen eines fortschreitenden Verfalls. Das Treppenhaus riecht trotz regelmäßiger Reinigung nach altem Urin und die Sperrholzwände vermitteln ein ungutes Gefühl von Enge und Eingesperrtsein.
Haben die Verantwortlichen resigniert?
1.000 Tage nach Schließung ist für das Hertie-Haus weder Käufer noch Konzept in Sicht. „Am Stand der Dinge hat sich nichts geändert“ konnte Pressesprecher Hanno Peppmeier nur verkünden, aber schließlich habe man auch „wenig Möglichkeiten der Einflussnahme“. Und auch Jessica Lukas von der zuständigen Maklerfirma BNP teilte lapidar mit: „Wir haben zum Hertie-Gebäude leider keine Informationen.“ Die Ende 2010 vorgestellten Pläne für die Weiternutzung sind offensichtlich Makulatur, angeblich „unterschriftsreife Verträge“ verschwanden wohl in irgendwelchen Schubladen. Was bleibt, ist ein langsam verfallendes Gebäude, das über kurz oder lang - wahrscheinlich eher kurz - nicht einmal mehr als Parkraum dienen kann. Dabei leidet die gesamte Innenstadt unter dem Fehlen des einstigen Magneten, eine schnelle Lösung tut Not.
Stellen Sie sich vor, das Hertie-Haus würde Ihnen gehören! Was würden Sie damit anstellen?
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