§ 175: "Aidshilfe Kreis Unna" bietet Unterstützung für betroffene Männer

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Am heutigen Samstag tritt das Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach Paragraf 175 verurteilten schwulen Männer in Kraft. Damit werden alle Urteile aus der Vergangenheit pauschal aufgehoben. Foto: Archiv
Am heutigen Samstag tritt das Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach Paragraf 175 verurteilten schwulen Männer in Kraft. Damit werden alle Urteile aus der
Vergangenheit pauschal aufgehoben.
Der berüchtigte „Schwulen-Paragraf“ galt bis 1994 in der Bundesrepublik. Betroffene haben außerdem Anspruch auf eine finanzielle Entschädigung. Die Aidshilfe im Kreis Unna weist darauf hin, dass möglicherweise auch im Kreisgebiet Männer leben,
die jetzt von dem Gesetz profitieren können. „In der Bundesrepublik hat es bis zur Abschaffung des Paragrafen 175 mehr als 50.000 Verurteilungen gegeben. Gut möglich, dass auch Männer aus dem Kreis Unna strafrechtlich verfolgt wurden“, so Manuel Izdebski, Geschäftsführer der Aidshilfe.
Das Entschädigungsverfahren sieht vor, dass anspruchsberechtigte Personen für jedes Urteil pauschal 3.000 Euro erhalten sowie 1.500 Euro für jedes angefangene Haftjahr.
Die finanzielle Wiedergutmachung ist steuerfrei und darf nicht auf Sozialleistungen angerechnet werden. Auch wer heute nicht mehr im Besitz seiner Urteilsunterlagen ist, kann die Entschädigung erhalten.
Zuständig ist das Bundesamt für Justiz. „Die Beantragung der Entschädigungsleistung ist relativ unkompliziert, aber die meisten Verurteilten dürften heute betagte Männer sein, deshalb bieten wir Unterstützung an, wenn jemand Hilfe benötigen sollte“, erklärt Izdebski. In vielen Fällen dürften die Strafprozesse einige Jahrzehnte zurückliegen. Die Aidshilfe im Kreis Unna bietet betroffenen Männern Informationen zum Verfahren und gewährt praktische Hilfe bei der Beantragung der Entschädigung. „Wenn jemand so alt ist, dass er nicht mehr mobil ist, machen wir notfalls auch einen Hausbesuch“, versichert der Geschäftsführer der Aidshilfe. Die Einrichtung ist montags bis donnerstags von 9 Uhr bis 16 Uhr und freitags von 9 Uhr bis 13 Uhr unter der Rufnummer 02303-89605 erreichbar. Alle Anrufe werden vertraulich behandelt.
Zugleich macht Izdebski darauf aufmerksam, dass auch die Bundesinteressenvertretung schwuler Senioren (BISS) eine Hotline eingerichtet hat, an die sich verurteilte Männer wenden können.
Die kostenlose Telefonberatung ist unter der Nummer 0800 - 175 2017 zu erreichen. (MO – FR von 9 Uhr bis 11 Uhr und zusätzlich MI und DO von 16 Uhr bis 18 Uhr)
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