Kamen Open: Belgier Christopher Heyman gewinnt Finale - Bürgermeister Hupe:" Eine gute Entscheidung, dieses Turnier in Kamen durchzuführen"

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Die Internationalen Westfälischen Tennismeisterschaften der Herren, die mit 10.000 US-Dollar Preisgeld dotierten 1. Kamen Open, gewann der für den Solinger TC spielende Belgier Christopher Heymann. (Foto: Westfälischer Tennis-Verband (Christoph Volkmer))
 
Siegerehrung der Einzelkonkurrenz der 1. Kamen Open (v. l.): Nils Klagge (NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport), Rainer Hartleb (1. Vorsitzender VfL Tennis Kamen), Turniersieger Christopher Heymann (Solinger TC/Belgien), Finalist Antoine Hoang (Frankreich), Bürgermeister Hermann Hupe und Präsident Robert Hampe (Westfälischer Tennis-Verband) (Foto: Westfälischer Tennis-Verband (Christoph Volkmer))
Kamen: Kamen | Am Finaltag (Sonntag 3. Juli) der 1. Kamen Open, den Internationalen Westfälischen Tennismeisterschaften der Herren, war nur ein einziges Match auf dem Spielplan, und zwar das Endspiel der Herren. Aber das hatte es spielerisch in sich: Die nackten Zahlen lassen die Dramatik, das sich zwischen den beiden Finalisten Antoine Hoang (ATP 580) aus Frankreich und Christopher Heyman (ATP 328/Solinger TC) aus Belgien abspielte, erahnen. Wer live dabei, brauchte starke Nerven und hatte das Gefühl, ein Deja-vú zu erleben. Denn der entscheidende Tiebreak und eigentlich das ganze Spiel hatten große Ähnlichkeit mit dem Elfmeterschießen der Deutschen und den Italienern am EM-Vorabend. Immer, wenn man das Gefühl hatte, nun steht ein Spieler kurz vor der Entscheidung, wendete sich das Match und das immer und immer wieder.

Aber von vorn: Beide Spieler starteten gut. Während der Franzose die Bälle immer sehr früh nahm, den Belgier damit sehr stark unter Druck setzte und sehr häufig den Abschluss am Netz mit brillanten Volleys suchte, spielte der Belgier passiver und war der Gejagte. Allerdings: Je aussichtsloser die Situation für Heyman erschien, desto besser konterte er. Nicht selten überraschte er Hoang mit einem Schuss die Linie entlang, als dieser dachte, den Punkt schon in der Tasche zu haben. Doch auf der anderen Seite erlaubte sich der Belgier zwischendurch ein paar leichte Fehler – wie beim Stand von 2:2, als er die ersten Breakbälle gegen sich hat. Er wehrte zwei mit Bravour ab, beim dritten aber eine leichte Vorhand ins Aus schlägt und damit seinen Aufschlag abgibt.

Kurze Zeit später erhöht der 20-jährige Franzose, der im Halbfinale bereits den topgesetzten Marc Sieber (ATP 317/Bremerhavener TV) ausgeschaltet hatte, vor 200 Zuschauern auf 4:2 und wenig später auf 5:3. Heyman kann mit eigenem Aufschlag noch mal nachziehen, doch dann hat Hoang bei eigenem Service und 40:15 zwei Sätzbälle. Einen kann der Belgier bravourös abwehren, den anderen „schenkt“ ihm sein Kontrahent durch einen unerzwungenen Rückhandfehler. Kurze Zeit später hat Heyman die Chance zum Rebreak, die er mit Return-Winner auch nutzt. „Come on“, hallt es daraufhin über den Platz – die erste Gefühlsregung und eine der wenigen des Belgiers an diesem Tag.

Nach Heymans Ausgleich zum 5:5 scheint es so, als sei der 22-Jährige nun am Drücker, Hoang macht mehrere leichte Fehler in Folge und gewinnt seinen Aufschlag zu Null. Doch danach ist der Franzose wieder da, gibt bei seinem Aufschlag nur einen Punkt ab und rettet sich damit in den Tiebreak. Dort macht sich die kurze Auszeit Hoangs positiv bemerkbar, er ging wieder früher auf die Bälle drauf und setzte den Belgier damit unter Drück – der Lohn war eine schnelle 5:1-Führung im Tiebreak, den er kurze Zeit später mit 7:3 für sich entschied.

Wer jetzt auf einen schnellen Sieg des Franzosen getippt hat, sollte eines Besseren belehrt werden. Auch der zweite Satz ist zu Beginn sehr ausgeglichen bis zum 2:2, als der Belgier beim Stand von 15:40 zu seinen ersten beiden Breakbällen im gesamten Match kommt und direkt den ersten auch nutzt. Nun ist es Heyman, der sein Gegenüber unter Druck setzt, vor allem mit sehr starken ersten Aufschlägen. Dies macht sich auch im Ergebnis bemerkbar: Der Belgier führt schnell mit 5:2, legt dann noch ein zweites Break zum 6:2-Satzgewinn nach und liegt damit nun auch im Zuschauervotum beim Siegertipp vorn.

Doch Hoang gibt nicht auf, bringt zu Beginn des dritten Satzes seinen Aufschlag sicher durch, bevor der Regen die Spieler für ein paar Minuten stoppt. Bis zum 3:2 ist alles in der Reihe. Als sich der Franzose nach länger Zeit mal wieder einen Breakball holt und diesen auch verwandelt, baut er seine Führung danach mit eigenem Aufschlag auf 5:2 aus. Heyman – der nur noch einen Schläger in Reserve hat – kann noch mal auf 3:5 verkürzen, doch dann serviert der Franzose zum Matchgewinn. Allerdings hat sich der Belgier nicht geschlagen geben. Im Gegenteil. Er überlässt Hoang nur einen Punkt, holt sich das Break zurück und verkürzt dann auf 5:5. Es passt perfekt ins Bild, dass dieses dramatische Spiel voller Wendungen am Ende im Tiebreak entschieden wird.

In diesem zweiten Tiebreak erwischt der Belgier den besseren Start, führt schnell 3:0 und holt sich wenig später beim Stand von 6:3 seine ersten beiden Matchbälle. Aber: Hoang kann alle abwehren und kämpft sich noch einmal auf 6:6 heran. Unter anderem, weil Heyman den ersten Matchball vergibt, als er eine Vorhand ins Netz schiebt, die er unter normalen Umständen immer ins Feld gespielt hätte. Sicher hätte der Belgier auch am Sonntagnacht von genau dieser Vorhand geträumt, hätte er nicht wenig später beim Stand von 7:6 einen vierten Matchball gehabt und diesen dann schlussendlich auch verwandelt.

Nach knapp drei Stunden durfte dann also doch noch Christopher Heyman jubeln und ließ sich rücklings auf die rote Asche fallen. So richtig geglaubt hatte das beim Stand von 2:5 im dritten Satz wohl kaum noch jemand, vor allem er selbst nicht. Nachdem er den Matchball verwandelt hatte, schlug er fast ungläubig, die Hände vor dem Kopf zusammen und ließ sich auf den Platz fallen. Mit dem Sieg bei den 1. Kamen Open hat der Belgier seinen vierten Titel in diesem Jahr auf der ITF Tour gewonnen und in der internen Bilanz gegen seinen Kontrahenten auf 1:2 verkürzt. Die beiden ersten Partien hatte der Franzose für sich entscheiden können, diesmal zog er den Kürzeren und war danach natürlich geknickt, aber trotzdem zufrieden, weil auch er eine sehr gute Turnierwoche gespielt hat. Beide Spieler hätten jeweils dem anderem auch den Sieg gegönnt, zumal sie sich am Sonntagmorgen noch gemeinsam eingespielt haben. Aber im Tennis kann nur einer gewinnen.

Für den Turniersieg erhält der Belgier 1.440 US-Dollar Preisgeld und 18 Punkte für die ATP-Weltrangliste, der Finalist bekommt immerhin noch 848 US-Dollar und zehn Punkte. Eine harte Kalkulation für die Spieler, wenn man bedenkt, dass diese auch noch Anreise und die Übernachtung selbst zahlen müssen. Antoine Hoang verzichtete in der Woche der Kamen Open darauf, im Spielerhotel zu übernachten, sondern schlief stattdessen in seinem Auto. In Kenntnis dieser Sache verdient seine Leistung im Finale noch mehr Respekt. Auch wenn das Leben eines Tennisprofis nicht immer ein Zuckerschlecken ist, träumen viele Jugendliche davon, einmal diesen Weg zu gehen, darunter auch Louisa Völz (TC Blau-Weiß Werne, U12 Westfalenmeisterin und Norddeutsche Meisterin) und Konstantin Bennemann (TC Hansa Dortmund, U12 Westfalenmeister). Die beiden westfälischen Nachwuchstalente absolvierten vor dem Finale zur Unterhaltung der Zuschauer ein kurzes Showmatch.



Stimmen zu den Internationalen Westfälischen Tennismeisterschaften der Herren


Sieger Christopher Heyman: „Antoine ist ein Gegner, der mir nicht so gut liegt. Es war heute nicht leicht für mich. Umso glücklicher bin ich, dass ich letzten Endes doch noch gewonnen habe. Ich möchte mich bei dem ganzen Team hier vor Ort bedanken. Es war alles sehr gut organisiert und ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt.“

Finalist Antoine Hoang: „So ist Tennis. Natürlich bin ich enttäuscht, aber ich habe mir nichts vorzuwerfen und alles gegeben. Insgesamt habe ich aber eine gute Woche gespielt.“

Nils Klagge (NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport): „Das ist toll, was der Verein VfL Kamen und der Westfälische Tennis-Verband hier gemeinsam auf die Beine gestellt haben. Breitensportveranstaltungen gibt es viele, es ist aber auch wichtig, den Spitzenleistungssport zu fördern, auch um dem eigenen Nachwuchs einen Ansporn zu geben. Und wann bekommt man schon einmal so tolles Tennis direkt vor der eigenen Haustür in solch einer herrlichen Atmosphäre zu sehen?“

Hermann Hupe (Bürgermeister Stadt Kamen): „Der VfL Kamen hat hier einen Rahmen für diese Veranstaltung geschaffen, der sich sehen lassen kann. Auch die Zuschauer haben dies sehr positiv angenommen. Es war eine gute Entscheidung, ein 10.000er Turnier in Kamen durchzuführen. Ich finde, dass das der Stadt sehr gut zu Gesicht steht. Daher finde ich, man sollte das Ganze wiederholen. Ich war an drei Tagen hier und auch das Spielniveau hat mich persönlich sehr beeindruckt.“

Robert Hampe (Präsident Westfälischer Tennis-Verband): „Das war ein hervorragendes Turnier für eine erste Auflage. Ich freue mich natürlich besonders, dass wir die Internationalen Westfälischen Tennismeisterschaften nach zwei Jahren Pause wieder austragen konnten. Gerade für unseren eigenen, aber auch den deutschen Nachwuchs sind solche Turniere von enormer Bedeutung, um die ersten Schritte auf internationalem Parkett machen zu können.“

Rainer Hartleb (1. Vorsitzender VfL Tennis Kamen): „Wir als Verein sind sehr zufrieden mit der Premiere. Es hat alles reibungslos funktioniert – vom Fahrdienst bis zur Platzpflege. Das war eine runde Sache, daher würden wir die Kamen Open auch im kommenden Jahr gerne auf unserer Anlage austragen, auch wenn das Ganze für unseren Verein natürlich eine große Herausforderung war.“
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