Erlebte Heimat - Zwischen Märchenschloss und Zechencharme

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Was bedeutet Heimat? Sind es die Menschen, die uns umgeben, die Familie, die Kollegen oder Mitschüler? Ist es der schöne Park, mit dem kleinen See, das Lächeln der Frau an der Supermarktkasse, die uns mit Namen grüßt, oder das schöne Schloss, das uns als Kinder inspirierte, uns die wunderbarsten Märchen auszudenken?

Wahrscheinlich ist es von allem etwas. Was passiert aber, wenn Kinder den schönen Park oder das verwunschene Schloss gar nicht mehr kennen? Was, wenn Abteiplatz oder Zeche nur ein großes Fragezeichen im Gesicht hervorrufen, anstatt ein buntes Bild von Erfahrung und Erinnerung?

Denn so gestaltet sich mancherorts die Wirklichkeit. Schloss Dieprahm? Nie gehört. Kloster Kamp? Nie gehört. Die Geschäfte der Innenstadt konnten hingegen fehlerfrei benannt werden.

Eine Wirklichkeit, die zu denken gibt - auch den Lehrern der Ernst-Reuter-Grundschule in Kamp-Lintfort. Problem erkannt - Lösung gefunden: So wurde der Sachkundeunterricht kurzerhand exkursiv gestaltet. Anstatt in den Büchern zu recherchieren, besuchte man Schloss Dieprahm, das Rathaus, den Golfplatz oder einen Bauernhof. Die gemachten Erfahrungen, die Begeisterung, die erlebte Welt wurden später dann in einem eigens dafür angelegtem Heft von den Kindern dokumentiert.

„Hinzu kam das große Engagement der Eltern, mit ihrem Kind ebenfalls Objekte der Stadt, wie zum Beisspiel eine Kirche oder die Zeche, zu besichtigen“, erklärt Lehrerin Susanne Hümbs. Und da die Idee so viel Anklang auf allen Seiten fand, entschied man sich dazu, „anderen Kindern dieses Wissen ebenfalls zu Gute kommen zu lassen“, so Hümbs weiter. So entstand der erste Stadtführer von Kindern für Kinder - „Kamp-Lintfort von A bis Z“.

„Denn von A wie Abtei bis Z wie Zeche gibt es so viel zu entdecken, über das Leben des Bergmanns und seine Arbeit, den Brandschutz bei der Feuerwehr, die Hochschule Rhein-Waal, aber auch über Sehenswürdigkeiten wie das Kloster, Kirchen und Moscheen“, führt Hümbs aus.

Die 60-seitige Broschüre ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie man aus Mangel Reichtum generieren kann, anstatt zu debattieren und über das Bildungsnieveau zu jammern, konstruktiv Probleme anzugehen und auch für andere nutzbar zu machen. Denn das hat der Stadtführer für Kinder bereits geschafft. Auch andere Schulen arbeiten mit ihm und bringen so den Kindern ein Stück Heimat näher. Denn letztendlich sind es die Erfahrungen und Erinnerungen, die uns binden, die uns in dieses große Ganze namens „Heimat“ verweben.

Ein kluger Mensch hat mir einmal gesagt: „Nur was man kennt, kann man lieben, und nur was man liebt, kann man schützen.“ Eine Mentalität der Wertschätzung und der Pflege, die die Schätze, die wir besitzen, auch an die nächste Generation weitergibt.
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 26.02.2016 | 12:48  
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