Kein Gift in der Leucht - Jäger statt „Hundehasser“

Tierarzt Davy Wertz erklärt, was im Fall einer Vergiftung zu tun ist.

„Bitte führen Sie Ihre Hunde nah an der Leine!“ warnte die Stadt Kamp-Lintfort alle Hundehalter. Hintergrund: Wieder einmal wurden ausgelegte Giftköder gefunden, diesmal entlang eines Weges in der Leucht. Nun hat sich herausgestellt, dass es sich um gar kein Gift handelte. Jäger hatten völlig ungiftige Köder ausgelegt, um Füchse anzulocken und zu erlegen.

„Es ist das Allerletzte“ empört sich Eva Frieberg, Hundehalterin, die gerne in der Leucht mit ihren zwei Boxern spazieren geht. „Für mich sind das Mörder. Ohne Gewissen und Moral.“

Die Frage nach dem Warum beschäftigte vergangene Woche viele Spaziergänger, die die Leucht auch gerne als Auslaufmöglichkeit für ihre Vierbeiner nutzen.
„Wen stören wir denn hier?“ fragte Gudrun Erdmann, die sich mit ihrem Labrador „Stella“ unter Beschnupperung der zwei Boxer dazugesellte. Die Beiden sind sich einig, dass hier „Hundehasser“ unterwegs waren.
Und tatsächlich: Die Professionalität der Verteilung schien beängstigend. In circa 30 Zentimeter Tiefe waren die Köder in die Erde eingelassen. Aufmerksame Spaziergänger hatten sie entdeckt und gemeldet. Das verdächtige Material wurde entfernt, doch die Verunsicherung war groß.

Untersuchung war zu teuer

Bis zum vergangenen Wochenende wurde in der Öffentlichkeit von Gift gesprochen, ohne allerdings Proben des Köders auszuwerten. Die Kosten für solch eine Untersuchung waren der Stadt schlichtweg zu hoch. Der Bund deutscher Tierfreunde setzte bereits eine Belohnung von 1.000 Euro auf die Ergreifung des Täters aus.

Die Füchse sollten dran glauben

Nun stellte sich heraus, dass es sich bei den angeblichen Giftködern um wahre Leckerbissen handelte. Sie waren von Jägern ausgelegt worden, um Füchse anzulocken, die dann erlegt werden sollten. Die natürliche Population sollte wieder hergestellt werden, da sowohl die heimischen Fasane als auch die Hasen von den viele Füchsen in ihrer Artenvielfalt bedroht sind. Ein weiteres heikles Thema, das nun die Jagdgegner wahrscheinlich wieder auf den Plan rufen wird. Was die Informationspolitik der Stadt und deren Umgang mit den Ängsten der Bürger angeht, dürfte auch noch diskutiert werden. Schließlich ist das Thema „Giftköder“ ein sehr sensibles. Bereits an anderen Stellen wurden in diesem Jahr schon solche gefunden.

Unabhängig von dem „glücklichen Ende“ für alle Hundebesitzer sprach das Wochen-Magazin mit Tierarzt Davy Wertz, der erklärt, was im Notfall zu tun ist.

Wochen-Magazin: Wie erkenne ich erste Anzeichen einer Vergiftung?
Davy Wertz: Die ersten Anzeichen einer Vergiftung sind Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe, Durchfall und Bauchschmerzen. Am besten ist es dann, sofort einen Tierarzt aufzusuchen.

Wochen-Magazin: Was kann ich tun?
Davy Wertz: Das Erbrechen ist nur innerhalb der ersten zwei Stunden nach einer Vergiftung sinnvoll. Wenn es möglich ist, sollte man dem Hund vor dem Erbrechen noch etwas Futter geben, damit sich das Gift mit dem Futter vermengt und er mit einem gefüllten Magen besser erbrechen kann. Das Erbrechen führt man am besten herbei, indem man dem Hund etwas Küchensalz in den Mund gibt. Aber auch hier ist Vorsicht geboten, da bei zuviel Salz auch eine Salzvergiftung auftreten kann.
Wenn Hunde Säure genommen haben, ist es ratsam, Milch zu geben, da diese die Säure neutralisiert. Frisches Trinkwasser sollte selbstverständlich immer zur Verfügung stehen.

Wochen-Magazin: Gibt es so etwas wie eine Erste Hilfe bei einem Hund?
Davy Wertz: Ja, es gibt auch für Hunde eine Erste Hilfe, die seine Besitzer erlernen können. Dabei kann man beispielsweise lernen, wie man den Vierbeiner beatmet, eine Herzmassage durchführt oder Frakturen stabilisiert.
Über einen solchen Kurs kann man sich beim Tierarzt informieren.

Autor:

Regina Katharina Schmitz aus Dinslaken

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