Ist eben so: Tobi Katze überzeugt mit seinem Buch „Morgen ist leider auch noch ein Tag“ im Radhaus Kleve

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Kleve: Radhaus | Schon als ich vor einiger Zeit dieses „humorvolle Buch über Depressionen“ gelesen habe, wollte ich eine Rezension darüber schreiben. Hat leider nicht gepasst - bis heute :-) Vor kurzem erfuhr ich nämlich, dass der Autor und Slammer Tobi Katze am 23. Januar hier im Radhaus liest - jawoll, wird passend gemacht!

Cooles Ambiente - wo früher die legendären Abifeten stattgefunden haben, startet heute eine Lesung. Die Location ist gut gefüllt, alle Altersgruppen sind vertreten. Völlig unvermutet springt der Autor auf die Bühne - und erklärt uns erstmal, wie wir ihn denn bitte empfangen sollten. Mit frenetischem Applaus! Und diesen hat er sich im Lauf des Abends redlich verdient...

Manch einer wird sich fragen - Depressionen und Humor, wie geht denn das zusammen? Wie ich nicht nur aus dem Buche weiß, das funktioniert sogar ganz wunderbar. Und als Betroffener hat Tobi Katze jedes Recht, das Thema auf seine Weise anzugehen. Es wird viel gelacht heute Abend, aber nicht nur zwischen den Zeilen prallt die ganze Bandbreite dieser Krankheit auf einen ein.

Er trägt ausgewählte Kapitel vor, wie er seinen Hausarzt mit „Mir geht es nicht gut - psychisch“ konfrontiert. Er vergleicht dessen Aufforderung, sich doch bitte selbst einen Therapeuten zu suchen, mit dem ähnlich sinnlosen Unterfangen, einen Menschen mit Beinbruch zu Fuß die Straße zum Facharzt runterzuschicken, weil das Wetter doch so schön ist. Nur - bei dieser Diagnose leuchtet es den lieben Mitmenschen ein, dass das so nicht geht.

Dass bei einer Depression schon das morgendliche Aufstehen eine Qual oder schlicht unmöglich ist, mag sich Unbeteiligten nicht erschließen. Dass man am liebsten Pudding nicht nur im Bett essen, sondern sogar auch zubereiten möchte. Dass man mit dem Wäschehaufen neben dem Bett und mit seinen Medis quatscht. Dass eine ganze Jahreszeit fast unbemerkt hinter geschlossenen Gardinen an einem vorbeirauscht.

Großartig das Coming-Out bei seiner Familie. Die hilflosen Versuche der Elterngeneration, die Situation zu begreifen, sie dabei aber erst einmal gnadenlos runterzuspielen. „Junge, ich bin auch mal traurig“, so der Vater. „Aber dann raffe ich mich auf und gehe raus in den Wald. Oder ich sehe mir Katzenbilder an. Danach sieht die Welt schon ganz anders aus!“ Und die Mutter: „Junge, du warst doch immer so ein glückliches Kind!“

Tobi Katze nimmt seine Leser und Zuhörer mit durch die ganze Achterbahnfahrt Depression - die Diagnose, die eigene Akzeptanz, der Kampf, der Umgang, die Reaktion der Außenwelt. Und letztendlich - die Fortschritte und das damit leben können. Ist eben so! Ein Buch für alle, die selbst betroffen sind oder wo die Krankheit in der Familie oder Freundeskreis vorkommt. Und ich behaupte, da kennt fast jeder jemanden. Gerade dass Tobi Katze Fachchinesisch und die ganz große Tragik außen vorlässt, macht dieses Buch so lesenswert.
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 23.01.2016 | 22:57  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 23.01.2016 | 23:03  
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