Balsam für die Seele: Gesprächskreise für pflegende Angehörige

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Damit die pflegenden Angehörigen auch mal auf andere Gedanken kommen, steht gelegentlich Eis-Essen auf dem Programm.
 
Fachkraft Margret Graf begleitet, neben Jutta Heisterkamp, den Gesprächskreis des Caritasverbandes Kleve.

Der Caritasverband Kleve bietet moderierte Gesprächskreise für Angehörige an, die immer mehr an Bedeutung gewinnen.


Kranke Menschen zu betreuen oder zu begleiten ist eine große Herausforderung und hinterlässt neben zeitlichen und körperlichen Belastungen auch seelische Spuren. Oftmals fühlen sich Angehörige isoliert und allein gelassen.
Genau an dieser Stelle setzt das Angebot des Gesprächskreises für pflegende Angehörige des Caritasverbandes Kleve an. Die gelernte Krankenschwester Margret Graf (52) ist seit 1993 beim Bereich Mobile Pflege als Fachkraft beschäftigt und begleitet seit sechs Jahren Gesprächskreise für pflegende Angehörige. Sie gibt Hilfestellungen für den oftmals anstrengenden Alltag und hat ein offenes Ohr für sämtliche Fragen, unter anderem: Wie unterhalte ich mich mit demenziell erkrankten Menschen und wie gehe ich mit ihnen um?
Die Teilnehmerzahl liegt im Schnitt bei sieben bis 15 Personen. „Die Angehörigen bringen häufig ihre Erkrankten mit, sodass wir immer zu zweit im Einsatz sind“, sagt Margret Graf. Ihre Kollegin Jutta Heisterkamp, ebenfalls Fachkraft, kümmert sich währenddessen um die Angehörigen, liest ihnen aus einem Buch vor, hört mit ihnen Musik oder macht ein Spiel. „Für die Angehörigen ist es sehr wichtig, dass sie über Themen, aber auch über ihre Gefühle, sprechen können. Der Austausch unter Gleichgesinnten gibt ihnen sehr viel“, weiß Graf. Bei den meisten Angehörigen handelt es sich um Ehepaare, die rund um die Uhr zusammen sind. Selbst nachts wird von ihnen so einiges abverlangt. Da ist es nicht selten, dass man an seine Grenzen stößt und dankbar für Meinungen oder Erfahrungen anderer betroffener Menschen ist.

Für das nötige Wohlfühlambiente sorgen unter anderem die passend zur Jahreszeit dekorierten Räumlichkeiten der Caritas-Tagespflege in Bedburg-Hau. In lockerer Atmosphäre sitzt man zusammen, trinkt gemeinsam einen Tee und erzählt sich vom Alltagsgeschehen. „Manche der Teilnehmer sind bereits fünf Jahre dabei. Der Zusammenhalt ist so eng geworden, dass man sich sogar gegenseitig bei Krankenhausaufenthalten besucht“, freut sich Graf. Das ist gerade für die ohnehin isolierten Ehepartner von großer Bedeutung.
Für gelungene Abwechslung innerhalb des Kreises sorgen zusätzliche Angebote, wie zum Beispiel drei bis viermal jährlich eine Klangschalentherapie, durchgeführt von Entspannungstherapeutin Margret Dhost. Diese Form der Entspannung wird nicht nur für pflegende Angehörige angeboten, sondern auch für deren erkrankten Partner. „Wir unternehmen so einiges. Einmal im Jahr gehen wir gemeinsam Eis essen. Um weiterführende Fragen zu beantworten, bieten wir auch Fachvorträge zu Themen wie Inkontinenz, Sturzprophylaxe und Pflegegesetze an“, erklärt Graf. Außerdem werden Besichtigungen in der Apotheke oder im Sanitätshaus Mönks & Scheer organisiert, sodass unter anderem gezielte Nachfragen zu Hilfsmitteln im Alltag gestellt werden können und praxisnah beantwortet werden. Margret Graf weiß: „Für unsere pflegenden Angehörigen bedeutet der Gesprächskreis mehr, als nur der Austausch und das Einholen von Informationen. Gerade andere Themen sind für ihre Psyche von großer Bedeutung. Sie wollen auch mal lachen und Spaß haben und die Gedanken des Alltags für einen Moment ablegen. Das ist Balsam für ihre Seele.“
Als Ritual zum Abschluss der jeweiligen Kreise dient eine kleine, meist lustige Geschichte, die von Margret Graf vorgetragen wird. So weiß jeder, dass sich der Gesprächskreis dem Ende zuneigt. „Wenn die Teilnehmer mit einem Lächeln im Gesicht das Haus verlassen, dann wissen wir, dass wir alles richtig gemacht haben“, sagt Margret Graf zufrieden.

Der kostenlose Gesprächskreis findet jeden letzten Mittwoch im Monat in der Zeit von 19 - 20:30 Uhr in den Räumlichkeiten der Tagespflege, An der Kirche 8 in Bedburg-Hau, statt. Kontakt: über die Mobile Pflege Kleve, Tel.: 02821 7209-270.
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Christiane Bienemann aus Kleve | 12.05.2017 | 17:57  
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