Katholizismus - eine universale Religion

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Die Erinnerung an seine Kindheit, die immer wieder aufflackernden Bilder von Flucht und Vertreibung schilderte Rupert Neudeck, Gründer von Cap Anamur, am Aschermittwoch im Kranenburger Bürgerhaus als die Momente, die ihn in seiner Arbeit für Gerechtigkeit und Freiheit antrieben.

Wie seit vielen Jahren hatte die CDU-Kranenburg nicht nur zum Fischessen geladen, sondern sich auch einem gesellschaftlich relevanten Thema zugewandt. Referent des Abends war Rupert Neudeck, der sich mit dem Thema „Neue Kirche und ihre Rolle in der Gesellschaft“ auseinandersetzte.
1939 in Danzig geboren war Neudeck eines der Kinder, die im Januar 1940 gen Westen flüchteten. Die Gustloff war das Ziel, mit diesem Schiff wollten Mutter und Großmutter die vier Kinder in Sicherheit bringen. Aber: Man kam zu spät, die Gustloff legte ohne Familie Neudeck ab. Nachts hörte die Familie vom Beschuss des Schiffs und seinem Untergang. „9700 erfroren, ertranken. Deshalb bin ich heute Abend hier bei Ihnen“, so Neudeck.

Diese Erfahrung habe ihn verfolgt und verfolge ihn bis heute, wenn er Elend sehe, wenn er hilfsbedürftige Menschen sehe, kehrten diese Bilder zurück.
Neudeck, studierter Theologe und mehrfach ausgezeichneter Journalist, bezeichnete den Katholizismus nach einem Bischof-Kamphaus-Zitat als eine universale Religion - Religion und Nationalität müssten nicht zwingend identisch sein. Die Offenheit für Alle und das Aufeinanderzugehen zeichneten diesen Glauben aus.

Ganz konkret sprach sich Neudeck für unorthodoxe Hilfe aus. „Es ist nicht einfach, uns klarzumachen, dass wir wohlhabender sind, das wir ‚wertvoller‘ sind, dass wir einen Pass haben und in einem Staat geboren sind, der uns als deutsche Staatsangehörige überall, egal wo auf der Welt, hilft. Das ist etwas Großartiges, aber wenn es nur uns gilt, dann ist das ein menschenrechtlicher Skandal.“ Er forderte, den Gleichheitsgrundsatz vor Gott politische Realität werden zu lassen.

Am Beispiel der Samariter-Geschichte machte Neudeck klar, dass zwei, die dort vorbeikamen, „nicht zuständig“ gewesen seien. „Wenn man nicht zuständig ist, ist man auch nicht verantwortlich“, so Neudeck. Er habe immer wieder erlebt, dass niemand zuständig sei. „Es gibt Situationen, in denen jeder in seinem Leben gefragt ist, etwas zu tun.“ In Europa könne man sogar Dinge gegen den Willen der Regierung tun - und das sei großartig. Weder von den „Zuständigen“ noch von den „Experten“ solle man sich aufhalten lassen. Hier sieht er auch die Chancen der Kirche: „Wir haben gewaltige Aufgaben vor uns - da sind die Kirchen gefragt, Kirchen, die nicht nur den Kultus, sondern auch Aufgaben haben.“

Beispiele dafür gäbe es. Eines davon ging so: In einer Gemeinde im niedersächsischen Hoya hatte sich eine vietnamesische Familie ins Kirchenasyl geflüchtet. Die Gemeinde setzte ein Härtefallverfahren in Gang, die Familie verließ das Kirchenasyl, nachts um drei kamen doch die Abschiebbeamten. „Dann haben die Bürger soviel Terror gemacht, dass nach drei Monaten der Landesinnenminister den Bundesinneminister bat, dieser Familie die Einreise zu ermöglichen.“ Der Fall habe starke Kräfte mobilisiert - habe die Menschen zusammengeschweißt. „Das gibt es in Gemeinden, aber auch in Parteien.“
„Es gibt immer Möglichkeiten, Menschen in ausweglosesten Situationen Ermutigung und Zuversicht zu bringen. Das ist unsere Aufgabe als Mensch, als Bürger eines freien Landes“, schloss Rupert Neudeck.
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