Kreisdekanatsversammlung: Keine weiteren Fusionen mehr in den Pfarrgemeinden

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Weibischof Wilfried Theising diskutierte mit den Gemeindevertretern im Kreisdekanat Kleve den Ist-Zustand und die Zukunft der Pfarreien.

Wie geht es in unseren Pfarrgemeinden weiter? Darüber haben sich die Vertreter des Kreisdekanats Kleve am 22. Oktober bei der Kreisdekanatsversammlung ausgetauscht.

Mehr als 60 Vertreter, die Vorsitzenden der Pfarreiräte und Räte der Seelsorgeeinheit, die Dechanten und weitere Seelsorgerinnen und Seelsorger aus den Dekanaten Emmerich, Geldern, Goch und Kleve trafen sich im Priesterhaus in Kevelaer.
In Weihbischof Wilfried Theising hatten sie einen kompetenten Ansprechpartner. Nach der Begrüßung durch den Klever Propst und Kreisdechanten Johannes Mecking hielt er ein Impulsreferat zum Thema ,Zur Situation und Zukunft der Pfarreien im Kreisdekanat Kleve – Zwischenbericht und Perspektiven 2015 – 2020 – 2025‘. „Wenn wir zu den Anfängen des Strukturprozesses in unserem Bistum im Jahr 2010 schauen und den Stand von heute betrachten, wird deutlich, dass wir damals mit einer guten Einschätzung und einem realistischen Zahlenwerk unterwegs waren“, machte Theising deutlich.
Entscheidend sei für die künftige Entwicklung der Gemeinden das gute Zusammenwirken von haupt- und ehrenamtlichen Kräften. Deshalb formulierte der Weihbischof auch seine große Sorge wegen des starken Rückgangs der Berufungen zum priesterlichen Dienst, aber auch bei den Ausbildungen zu Pastoralreferenten: „Wir sind 2010 davon ausgegangen, dass wir pro Jahr etwa fünf Priesterweihen im Bistum haben werden. Diese Zahl müssen wir nach unten korrigieren.“ Trotz des Rückgangs des kirchlichen Lebens sei es beeindruckend, wie viele Menschen sich weiter in der Kirche engagieren. Das zeige sich im Moment besonders in der Hilfe für Flüchtlinge. „Hier müssen wir als christliche Gemeinde Vorreiter sein in unserem Engagement für Menschen in Not“, sagte Theising. Deshalb sei es wichtig, diejenigen, die sich dort einbringen, zu ermutigen und zu stärken, insbesondere auch in der Auseinandersetzung mit denen, die sich negativ gegen Flüchtlinge positionieren.
Dass sich viele Pfarrgemeinden mitten in einer Umbruchsituation befänden, mache die Lage nicht leichter. Eine Prognose für das Jahr 2025 zu stellen, sei daher schwierig. „Wenn wir jetzt die letzten Fusionen des Strukturprozesses von 2010 durchführen, bedeutet das aber schon, dass zumindest bis 2020 vieles so bleiben kann“, meinte Theising. Weitere Strukturveränderungen im großen Maße werde es in den kommenden zehn Jahren wohl nicht geben. Bischof Dr. Felix Genn habe zuletzt geäußert, dass er in den noch vor ihm liegenden zehn Jahren seiner Amtszeit keine weiteren Strukturprozesse durchführen möchte. Schließlich seien die Veränderungen vor Ort oft schmerzlich. So ende mit einer der noch bevorstehenden Fusionen im Gocher Land zum Teil eine mehr als 1000-jährige Gemeindegeschichte.
Kurz vor den Wahlen zu den Kirchenvorständen im Bistum Münster denkt Weihbischof Wilfried Theising auch über Veränderungen in diesen Strukturen nach. Die immer niedriger werdenden Wahlbeteiligungen und die zurückgehende Bereitschaft, sich in den Gremien zu engagieren, bereiteten Sorgen. „Auch hier müssen wir vielleicht irgendwann neue Wege einschlagen“, stellte der Weihbischof fest. Wahlen seien zwar wichtige Elemente demokratischer Meinungsfindung, machten aber nur Sinn, „wenn das aktive und passive Wahlrecht so wahrgenommen wird, dass sich die Gewählten getragen und legitimiert fühlen“.
Neben dem Blick auf die Strukturen müsse man auf die Inhalte schauen. Eine Hilfe könnten die lokalen Pastoralpläne sein, die vielerorts bereits entwickelt würden. Nicht jede Pfarrei könne noch alles anbieten. „Man muss auch mal Dinge lassen oder sich von Immobilien trennen, wenn man feststellt, das können wir nicht mehr leisten oder das benötigen wir nicht mehr“, sagte der Weihbischof.
In der Diskussion wurde deutlich, wo der Schuh in den Gemeinden drückt. Der Klage, viele Pastöre seien mit Verwaltungsaufgaben zu stark belastet, hielt der Weihbischof entgegen, dass das Bistum sich hier sehr für Entlastung engagiere.
Besorgt zeigten sich die Teilnehmer, dass es zunehmend weniger gelinge, junge Menschen zu gewinnen. Hier hatte der Weihbischof kein Patentrezept. Es müssten attraktive Angebote geschaffen werden, das gelte aber für alle Altersgruppen. Darüber hinaus müsse man den jungen Menschen vermitteln, „es ist schön, dass ihr da seid“, ohne ihnen gleich Aufgaben zuzuschieben. Oft sei aber ein Einbinden in den Bereichen möglich, in denen sich junge Menschen wohlfühlten, beispielsweise bei der Nutzung der modernen Kommunikationsmittel. Ein weiteres Problem in der Jugendarbeit seien der Ganztagsschulbetrieb und die Verkürzung der gymnasialen Ausbildung auf acht Jahre. „Hier fällt es, auch bei Firmkatechese, oft schwer, Nachmittagstermine zu finden“, beklagte der Weihbischof.
Auch das Glaubenswissen der Menschen könne man verbessern, waren die Teilnehmer überzeugt. Dazu seien aber vielerorts bessere Predigten erforderlich. „Natürlich gehört Predigen zur Priesterausbildung“, stellte der Weihbischof fest, „gut zu predigen ist allerdings auch eine Gabe, die der eine oder andere unterschiedlich beherrscht.“
Mit einer kleinen Anekdote machte er zum Schluss deutlich, dass man manchmal nur überraschen müsse, um die Menschen im Kirchenschiff aufzuwecken. Nach der Fußwallfahrt der Gaesdonck im Sommer nach Kevelaer hätten bei große Hitze mehrere hundert Schüler und Lehrer total übermüdet in den Kirchenbänken gesessen. Der Beginn seiner Predigt habe sie wachgerüttelt. Er habe gesagt: „Keine Sorge, ich werde nur eine halbe Stunde predigen.“
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