Schwere Vorwürfe gegen Rinderner Ehrenbürger Bischof Heinrich Maria Janssen

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Wie das Bistum Hildesheim heute (06. November 2015) mitteilte, soll der ehemalige Hildesheimer Bischof Heinrich Maria Janssen Ehrenbürger der Städte Kleve und Kevelaer, Ende der 1950er-Jahre bis Anfang der 1960er-Jahre einen Jungen sexuell missbraucht haben.

Das Bistum schreibt: "Diesen Vorwurf erhebt der Betroffene, der sich vor einem halben Jahr an das Bistum Hildesheim gewandt hat. Der Beraterstab des Bischofs zu Fragen des sexuellen Missbrauchs hält dessen Schilderungen für plausibel. Der Mann hat einen Antrag auf Anerkennung des Leids gestellt, der vom Bistum an die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) weitergeleitet worden ist.
Auf Empfehlung der zuständigen Zentralen Koordinierungsstelle der DBK, die über die Anträge entscheidet, ist vom Bistum eine Anerkennungszahlung geleistet worden. Der Mann hat daraufhin weitere Geldforderungen gestellt, denen das Bistum nicht entsprochen hat.
Bischof Norbert Trelle ist bestürzt darüber, dass durch einen seiner Amtsvorgänger nach Aussage des Mannes diesem schweres Leid zugefügt worden sein soll. Der Vorgang, der im Frühjahr 2015 an das Bistum Hildesheim herangetragen wurde, war mit dem Wunsch des Mannes verbunden, den Missbrauch strikt vertraulich zu behandeln. Diesem Wunsch ist das Bistum aus Gründen des Opferschutzes zunächst gefolgt. Aufgrund einer konkreten Presse-Anfrage zu den erhobenen Vorwürfen sieht sich das Bistum nun jedoch in der Pflicht, die Öffentlichkeit über die Missbrauchs-Anzeige zu informieren."

Anerkennungszahlung von 10.000 Euro

Laut domradio.de soll dass Opfer nach Angaben der Diözese eine Anerkennungszahlung von 10.000 Euro erhalten haben. Weiter heißt es in dem Bericht von domradio.de: "Der Betroffene kritisiere die ihm gewährte Summe als billige Ablasszahlung und verlange die Entfernung der sterblichen Überreste Janssens aus der Bischofsgruft im Hildesheimer Dom. Auch das Bistum berichtete, dass der Mann weitere Geldforderungen gestellt habe; diesen habe das Bistum aber nicht entsprochen."

Der neue Bürgermeister der Stadt Kevelaer, Dr. Dominik Pichler - er war vor seiner Wahl Strafverteidiger - äußerte sich am Samstag (07.November 2015) in der facebook-Gruppe"Kevelaer und Umgebung" so:

"Das ist eine schwierige Sache. Es werden Vorwürfe erhoben über 50 Jahre nach den angeblichen Übergriffen, und der, der beschuldigt wird, kann nichts mehr dazu sagen, weil er seit vielen Jahren tot ist. Jetzt kann man das glauben oder nicht. Wenn ich die Pressemitteilung des Bistums richtig verstehe, dann war die Geschichte plausibel. Aber das bedeutet nicht, dass es auch so gewesen ist. Ich habe mich zehn Jahre beruflich auch mit solchen Fällen befassen dürfen (auch wenn der dazwischen liegende Zeitraum jeweils kürzer war) und weiß, wovon ich rede. Wer die Geschichte auf Plausibilität überprüft hat, weiß ich auch nicht. Ist der Anspruchsteller von einer entsprechend geschulten und in Sexualstrafsachen erfahrenen Person (auch kritisch) befragt worden? Wie großzügig werden Abschlagszahlungen gewährt, wenn sich die Dinge nicht mehr aufklären lassen? Für mich geben die Berichte keinen Grund, mein Kreuz über ihn zu brechen. Ich weiß nicht, was vor vielen Jahren passiert ist oder nicht. Auch das Bistum weiß es nicht, Anerkennung hin oder her."

Pichler hat inzwischen auch die Frage eines Users beantwortet, ob der damalige Messdiener möglicherweise die Unwahrheit sagt: "Genau das weiß man nicht. Es gibt in Fällen, die derart lang zurückliegen, idR keine weiteren Zeugen oder sonstigen Beweismittel. Fraglich ist, ob es ausreicht, dass eine Geschichte "plausibel" ist, was immer das konkret heißt. Wäre das der Ausgangspunkt eines Strafverfahrens, würde ich als Staatsanwalt oder auch als Verteidiger ein aussagepsychologisches Sachverständigengutachten in Auftrag geben. Zum Einen liegt die Tatzeit viele Jahre zurück, zum Anderen war der Belastungszeuge damals noch ein Kind. Selbst wenn sich eine bewusste Falschbelastung ausschließen ließe, bleibt noch häufig das Problem einer unbewussten Falschbelastung aufgrund fehlerhafter Erinnerung. Zur sogenannten Pseudoerinnerung ("false memory syndrom") gibt es mittlerweile diverse wissenschaftliche Abhandlungen und auch konkrete Fälle, die entsprechend von Strafgerichten ausgeurteilt worden sind. Wie schwer manchmal schon die bewusste Lüge von der Wahrheit zu unterscheiden ist, hat zB das Kachelmann-Verfahren gezeigt. Dass eine Zahlung vorgenommen worden ist zu einem Zeitpunkt, als die Vorwürfe noch nicht-öffentlich waren, kann dies auch von dem Bestreben getragen gewesen sein, die Sache nicht-öffentlich zu lassen. Denn die Erfahrung lehrt: Vorwürfe können gar nicht absurd genug sein, semper aliquid haeret, wie schon die alten Römer sagten: Irgendwas bleibt halt immer hängen."

Bischof Heinrich Maria Janssen ist auch Ehrenbürger der Stadt Kevelaer

Heinrich Maria Janssen, geboren am 28. Dezember 1907 in Rindern, war von 1957 bis 1982 Bischof von Hildesheim. Janssen wurde 1934 durch Bischof Clemens August von Galen zum Priester geweiht. Im Jahr 1949 wurde er zum Pastor von St. Antonius Kevelaer berufen. 1956 bekleidete Heinrich Maria Janssen als Wallfahrtsrektor auch das Amt des Pastors von St. Marien in Kevelaer. 1968 wurde Janssen Ehrenbürger seines Geburtsortes Rindern. Auch in der Stadt Kevelaer ist er Ehrenbürger. Er starb am 7. Oktober 1988.
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