Tante Roosje - die Tänzerin aus Auschwitz

Wann? 30.09.2015 12:00 Uhr

Wo? Stadthalle Kleve, Lohstätte 7, 47533 Kleve DE
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Roosje mit Freundinnen aus Kleve in iImwegen (Foto: Glaser)
 
(Foto: Stadtarchiv)
Kleve: Stadthalle Kleve |

Kleve. Sie ist weltberühmt. Sie verbrachte ihre Kindheit in Kleve und lernte die ersten Tanzschritte im Café Bollinger. Bis vor kurzem wusste das in Kleve niemand mehr. Die Washington Times fasste die von ihrem Neffen erforschte und aufgeschriebene Biographie so zusammen: “Eines der außergewöhnlichsten Leben des 20. Jahrhunderts.“

Am Mittwoch, 30. September, erzählt Paul Glaser in zwei Lesungen mit Foto- und Filmdokumenten die Geschichte seiner "Tante Roosje" und zugleich die Geschichte seiner Nachforschungen zur Aufdeckung eines großen Familiengeheimnisses. Die erste Veranstaltung beginnt um 12 Uhr in der Stadthalle Kleve. Der zweite Lesetermin ist um 19 Uhr im Kolpinghaus Kleve. Der Eintritt beträgt fünf, beziehungsweise 2,50 Euro. Karten gibt es in ausreichender Zahl nur an der Tages- bzw. Abendkasse.


Lange Zeit war die Biographie dieser so bemerkenswerten Frau nur auf Niederländisch erschienen und bald ins Englische übersetzt. Noch vor dem Erscheinen der deutschen Übersetzung entdeckte die Geschichts-AG im Klevischen Verein für Kultur und Geschichte das Buch und nahm Kontakt mit dem Autor auf, unterstützt von der VHS und dem Haus der Begegnung - Beth HaMifgash. Paul Glaser akzeptierte die Einladung in die Stadt, an die sich seine Tante Roosje mit so viel Liebe und Verbundenheit erinnerte, sofort und gerne. Fast wie im Roman beginnt seine eigene Geschichte, die zur Aufdeckung des Kriegsgeheimnisses seiner Familie führte: Während eines Besuchs im Vernichtungslager Auschwitz entdeckt Paul Glaser einen Koffer - beschriftet mit seinem Familiennamen.

Verdrängte jüdische Wurzeln

Bei seinen Nachforschungen entdeckt er die verdrängten jüdischen Wurzeln seiner Familie und die unglaubliche Überlebensgeschichte seiner Tante Roosje. Roosje Glaser hatte ihre Kindheit in Kleve verbracht - der Vater war Geschäftsführer bei der Margarine Union. Im Café Bollinger bekam sie ihren großen Wunsch erfüllt: Tanzen zu lernen. Die Familie zog in den 30er Jahren nach Nijmegen, in Amsterdam ist sie eine temperamentvolle und emanzipierte Tanzlehrerin, die ihren Lebensmut gegen den nationalsozialistischen Terror verteidigt.

Hochintelligente, junge Frau

Roosje Glaser hatte zeitlebens eine starke Ausstrahlung - optimistisch, überschwänglich und hochintelligent. Sie war eine junge Frau, die sich nicht um Konventionen kümmerte. Als vielgefragte Tanzlehrerin tourte sie vor dem Krieg durch ganz Westeuropa, verliebte sich heftig und oft. Im Alter von 25 verlor sie ihre große Liebe bei einem Flugzeugunglück, heiratete den falschen Mann und suchte Trost bei einem anderen. Dann besetzten die Nationalsozialisten die Niederlande. Für Roosje, eine nicht-praktizierende Jüdin, wurde es gefährlich.

Illegale Tanzschule

Sie betrieb eine illegale Tanzschule im Anbau des Elternhauses, wurde sowohl von ihrem Ex-Ehemann als auch von ihrem Geliebten verraten und schließlich von der SS gefangen genommen. Ihr Weg durch die Lager endete in Auschwitz. Sie überlebte, weil sie ihren SS-Bewachern Tanz- und Benimm-Unterricht gab. Roosje war die geborene Entertainerin. Ihr wacher Geist und ihr unwiderstehlicher Charme sowie ihre unglaubliche Lebensenergie halfen ihr, in der Hölle von Auschwitz zu überleben. Von den 1200 Menschen, die mit ihrem Transport ankamen, überlebten nur acht.

Neue Existenz in Schweden

Paul Glaser hat sich auf die Suche nach den Spuren seiner Tante begeben. Er hat sie in Schweden besucht, wo sie sich nach dem Krieg eine neue Existenz aufbauen konnte, nachdem auch der niederländische Staat sie wie eine Aussätzige behandelt hatte. Aus Roosjes Tagebüchern und Briefen hat ihr Neffe ihre Biographie zusammengesetzt - ein authentischer und emotionaler Überlebensbericht, der zugleich vom Kampf zwischen Erinnern und Vergessen in einer Familie erzählt.
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