Vier Fragen an .... heute: Lukas Verlage, Geschäftsführer von Colt International GmbH in Kleve, Manager und Preisträger des Wirtschaftsforums Kleverland und Fußballfreund

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Lukas Verlage, Geschäftsführer Colt International GmbH Kleve (Foto: Dank an Herrn Verlage)
Kleve: Colt Int. GmbH | Lukas Verlage ist nicht nur ein erfolgreicher und umsichtiger Manager, er ist auch dem Sport, dem 1. FC Kleve, eng verbunden. Hier bringt er seine Qualitäten in die Vorstandsabteilung dieses wichtigen Klever Vereins ein.

Auch er war sofort bereit, an der Serie "Vier Fragen an ...." mitzuwirken. Hier meine Fragen und seine Antworten:


1. Herr Verlage, das Unternehmen Colt International ist, wie der Name bereits sagt, ein
Globalplayer, ein weltweit tätiges Unternehmen. Wo liegen weltweit die größten Aktivitäten des Unternehmens?

Geografisch gesehen ist es Europa mit 75%. Dies liegt daran, dass es hier die besten Arbeitsschutzregeln gibt, unter anderem auch der Brandschutz in Industriegebäuden. Brände wie der in einer Fabrik in Bangladesch 2012, wo Hunderte starben, kann man hier ausschließen, trotzdem haben wir ständig das Risiko eines Brandes.

Spartentechnisch hat der Bereich Energie das größte Wachstum und Auszeichnungen wie der Zumtobel Award, der bayrische Energiepreis oder der Preis für das innovativste Produkt auf der „Bau“, der größten Baumesse in Europa, bestätigen, dass wir richtig liegen.


2. Colt International GmbH bildet aus und bildet weiter. Können Sie kurz die Schwerpunkte einer hoch qualitativen Ausbildung und Weiterbildung in Ihrem Haus skizzieren?

Es fängt an bei Praktikumsplätzen, geht dann weiter zu den Ausbildungsberufen Industriekaufmann und Produktdesigner. Viele ehemalige Auszubildende haben dann ein Abendstudium gemacht und bis jetzt haben es auch alle durchgehalten und bestanden. Wir als Unternehmen haben monetär und zeitlich die Brücken geschaffen, um dieses Ziel zu erreichen.

Weiterhin bilden wir permanent in der Kommunikation aus und haben hierfür externe Trainer. Das Problem ist, dass 80% der Probleme in einem Betrieb unserer Art Kommunikation sind, als Schulfach gibt es dies leider noch nicht.

Individuelle Weiterbildungen sind selbstverständlich, wenn sie sinnvoll sind.


3. Unternehmen - Mittelstand/Industrie und Arbeitsplätze .... wo liegen hier landesweit noch brachliegende Kapazitäten, die man wecken und fördern sollte?

Die Frage sollte man etwas anders formulieren. Es wird brachliegende Kapazitäten geben, wenn wir nicht bald etwas ändern. Wir werden keine gut ausgebildeten Handwerker mehr haben, Facharbeiter werden bald fehlen. Dafür gibt es dann Akademiker mit einem Gehalt, das unter dem eines Junggesellen im Handwerksbetrieb liegt und die ein Fach studiert haben, was die Arbeitswelt nicht braucht.

Aktuell sehe ich die Bedarfe in der Industrie gedeckt und wir liegen in Europa nicht umsonst mit an der Spitze, wenn man etwas wecken möchte, dann ist der Bereich Service ein schlafender Riese. Wenn man zum Beispiel mit offenen Augen durch London geht, sieht man was da alles möglich ist.


4. Sehen Sie Deutschland als einen vorzüglichen oder weniger guten Standort für Unternehmen?

Noch ist Deutschland ein guter Standort. Ich sehe aber große Gefahren:
Deutschland ist das Land der Ingenieure und die jetzige Generation, auch „Best Ager“ genannt, ist auf dem Höhepunkt der Karriere. Man hat sehr viel Erfahrung gewonnen und weiß, was man macht. Mit der Umstellung im Zuge des Bologna Prozesses ist der Bachelor eingeführt worden. Dies war ein Riesenfehler.

Historisch muss man sich das „auf der Zunge zergehen lassen“. Um 1820 hat Deutschland den Bachelor abgeschafft, da das Abitur vergleichbar war. Amerika hat sich das deutsche System angeschaut und Horace Mann hat nach 1837 das sogenannte „prussian“ (preußisches) System eingeführt. Allerdings erkannte man auch, dass bei einem Studium der deutsche Wissensstand nicht erreicht werden konnte, also führte man den Bachelor ein. Und jetzt schafft man in Deutschland den Ingenieur ab und führt den Bachelor ein. Will man ein niedrigeres Niveau?
Sehen Sie, der Bachelor ist mit einem früheren Ingenieur (FH) nicht zu vergleichen. Es gibt DAX-Konzerne, die nur noch Master aufnehmen. Das bedeutet, dass man mindestens 10 Semester studieren muss, der frühere Ingenieur schaffte dies in 6 Semestern. Das sind 4 Semester mehr als früher. Gleichzeitig hat man beim Abitur den G9 Abschluss abgeschafft und den G8 Abschluss eingeführt. Insgesamt braucht man für seine Schullaufbahn 1 Jahr länger als früher, statt kürzer. Zudem kommt noch ein Aspekt: Die Kinder sind ein Jahr früher aus dem Haus und zwei Jahre länger im Studium, d.h. Fahrtkosten und eine Studentenbude liegen um circa 800,-- € -bis 1.000,-- € und das für zwei Jahre. Wenn Sie zwei Kinder haben, bedeutet dies 48.000,-- €, die ein Haushalt aufbringen muss, wenn die Kinder studieren.
Wenn Deutschland sich nicht in der Bildung differenziert und zum Glück haben wir noch das duale Ausbildungssystem, worum uns fast ganz Europa beneidet, bekommen wir es sehr schwer. Ich hoffe nicht, dass dieses System auch irgendwann wegen eines Modernisierungswahns in Frage gestellt wird.


Ich bedanke mich bei Herrn Verlage für die ausführlichen und hochwertigen Darstellungen, die auch für mich als Kapitalmarkt-Fachmann sehr interessant sind.
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2 Kommentare
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Elisabeth Jagusch aus Schermbeck | 28.04.2016 | 20:07  
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Willi Heuvens aus Kalkar | 28.04.2016 | 20:10  
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