Denkpause - über die folgenschwere Fehlentscheidung auf dem Minoritenplatz

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(Foto: Annette Henseler)
Zum Thema Minoritenplatzbebauung erreichte das Klever Wochenblatt der nachfolgende Leserbrief:

"Seit Wochen erhitzen sich die Gemüter der Klever Bürgerinnen und Bürger zum Thema Minoritenplatz. Zu Recht, wie ich finde, denn hier geschieht gerade Erstaunliches!

Nach dem phantastischen Werkstattverfahren im Jahr 2009 war es still geworden um die Unterstadtplanung und mit dem Verweis auf „laufende Verfahren“ wurde der Informationsstopp zum Thema Minoritenplatz- und Rathausbebauung gerechtfertigt.

Und plötzlich war alles entschieden. Fertige Entwürfe, neu aufgeteilte Straßenblöcke und neue Grundstückseigentümer wurden präsentiert und die Entwürfe der beteiligten hochkarätigen Architekten und Stadtplaner aus dem Wettbewerb wurden weitestgehend negiert. Da waren Entscheidungen getroffen worden, die für den interessierten Beobachter nicht nachvollziehbar sind und unter denen der gesamte weiter Planungsprozess für die Klever Innenstadt vielleicht für immer leiden wird.

Wie die allermeisten Mitbürgerinnen und Mitbürger frage ich mich, wer diese Entscheidungen getroffen haben mag und zu welchem Zweck.
Der Verdacht liegt nah, dass hier rein wirtschaftliche Interessen von Bedeutung waren. Das wäre fatal, denn das Verschachern von innerstädtischen Filetstücken ist langfristig für eine Stadt und seine Entwicklung wohl kaum förderlich.

Folgende Fragen drängen sich auf:
1.Mit welcher Legitimation wird im beschlossenen städtebaulichen Entwurf einer der Blöcke (Lose) geteilt, sodass ein kleiner Block entsteht, ganz nach dem Gusto einer Bank, die hier (schon wieder) eine Hauptgeschäftsstelle realisieren möchte? Mit diesem Bankgebäude am Spoykanal wird leider auch der Zugang und die Belebung der Uferzone an dieser Stelle verhindert! Dies steht im Widerspruch zu allen Architektenentwürfen und ist genau das, was auch der Bürger nicht möchte. Außerdem sollten die archäologischen Funde der mittelalterlichen Rundfundamente des Stadtturms nicht zwischen Bankgebäude und Sontowski-Bau eingeklemmt werden, sondern in einer Grünanlage öffentlich präsentiert werden.

2. Aus dieser Teilung der Blöcke resultiert die Größe des Sontowski-Blocks, mit dem daraus entstandenen Haupt-Problem, dass das Gebäude viel zu groß ist. Die historische und als wertvoll empfundene Maßstäblichkeit Kleves wird hier krass missachtet. Eine 120 m lange Fassade verhindert die Durchwegung in die Innenstadt und es wird sich eine unschöne Rückseite an diesem Block ausbilden! Auch wenn sich das Architekturbüro RKW aus Düsseldorf redlich Mühe gegeben hat die unsägliche Steinwand des Ursprungsentwurfs zu verbessern, bleibt die Grundproblematik bestehen.

3. Der Neubau des Hotels war ebenfalls schnell präsentiert und realisiert. Die Form, die Materialen, die Höhen (!), - stoßen bei der Bevölkerung auf wenig Gegenliebe. Aber auch in der Fachwelt ruft das Ergebnis die Notwendigkeit ins Gedächtnis, endlich einen Gestaltungsbeirat oder Vergleichbares für Kleve zu etablieren. Oder zumindest die oft formulierte Idee umzusetzen, bei städtebaulich relevanten Bauten ein Model des geplanten Neubaus in das bereits vorhandene Stadtmodell einsetzen zu lassen. Hier wäre mit relativ wenig Aufwand sehr viel erreicht. Man (der Bürger, sowie die Verantwortlichen) könnten sich ein Bild von dem Vorhaben machen und eventuell eine Idee korrigieren um sie zu verbessern. Sind die Bauten erst einmal betoniert, ist es zu spät.

4. Als absoluter Schildbürgerstreich entpuppt sich der Rathaus-Umbau.
2009 hat der Bürger im Anschluss an das Werkstattverfahren eine Variante für die Rathaus-Sanierung gewählt, die mit 6,9 Millionen Euro Baukosten die mit Abstand preiswerteste war. Trotz seinerzeit konkreter Hinweise darauf, dass die Kosten unrealistisch waren, wurden diese offensichtlich nicht weiter geprüft.
Nun, laut der neusten Kostenschätzung, wird die Rathaus-Sanierung so teuer, wie die Neubau-Varianten von 2009. Aber das Irrwitzige ist, dass das Gebäude wegen seines schlechten Zustandes zum größten Teil abgerissen werden muss und nun mit dem fast selben Grundriss, also Mittelgang (nur in Zukunft schmaler) mit abgehenden Zimmern, neu gebaut wird! Dies war einst ein Krankenhaus! Der Verweis auf den Bürgerwillen von 2009, der die Sanierung gewählt hatte, ist hier lächerlich, denn der Bürger möchte nicht die dümmste nun teure Lösung, sondern die Sinnvollste!

Zudem soll der Bau mit einem Wärmedämmverbundsystem eingepackt werden. Ja, genau jenes Material, das schon für den normalen Einfamilienhausbedarf große Schwächen aufweist, vor allem in der Stabilität der Oberfläche, (mechanische Einwirkungen hinterlassen schnell Beschädigungen) und das an einem öffentlichen Gebäude mit viel Publikumsverkehr entsprechend schnell altern wird! Zudem sind diese Fassaden extrem anfällig für Veralgung. Das ist einfach nicht das richtige Material für einen öffentlichen Bau und auch nicht für das niederrheinische Klima.

Der Aufwand dieser „Sanierung“ entspricht nun dem eines Rathaus-Neubaus. Allein der doppelte Umzug und die Kosten für die angemieteten Räume müssen hier benannt werden. Aber vor allem wird hier die ganz große und für Kleve historische Chance vertan, endlich und zum ersten Mal ein wahres neues Rathaus zu erbauen, welches für diesen Zweck und am richtigen Ort entworfen werden kann.

Ein modernes Rathaus muss doch eine ganz andere Sprache sprechen als ein klösterlicher Krankenhausbau aus den vergangenen Jahrhunderten!
Ein Rathaus darf und muss seinen Bezug zur Stadt und zum Bürger präsentieren. Hier ist Transparenz, Offenheit und Modernität als Ausdruck von Demokratie angebracht. Vorausgesetzt, diese Werte sollen für die Arbeit und die Menschen, die dieses Rathaus nutzen werden, Geltung finden!

Das gesamte Areal des Minoritenplatzes müsste jetzt noch einmal ganzheitlich z.B. mit einem städtebaulichen Rahmenplan, betrachtet werden. So, wie schon einmal beim Werkstattverfahren. Es darf jetzt einfach nicht jeder sein Süppchen kochen, wo doch die einmalige Chance eines großen (Ent-) Wurfs besteht.
Nun ist zwar zu hören, dass die Verträge (für Rathaussanierung, Volksbankgrundstück…) bereits unterzeichnet sind und es damit eh zu spät sei.
Aber ab wann ist es denn wirklich zu spät?

Nun können sich Bankdirektoren, Bürgermeister, Ratsmitglieder, Bauunternehmer entweder für immer ein mahnendes Negativ-Denkmal setzten oder eben noch einmal in eine sinnhafte, zukunftsweisende und beispielhafte Richtung lenken!
Der Verzicht auf sein juristisches Recht der Vertragserfüllung zu pochen könnte hier wie eine mäzenhafte Großtat wirken und den Weg frei machen für die Vernunft.

Kleve und seine Unterstadt braucht jetzt eine Zusammenführung der Ideen, eine federführende Lenkung mit Hilfe von qualifizierten Akteuren und zwar um der momentanen Entwicklung, in der die architektonische und städtebauliche Prinzipien, sowie der Bürgerwille aufs schlimmste ignoriert werden, entgegen zu stehen."

Dipl.-Ing. Julia Blanck
Bleichenberg 6
47533 Kleve
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2 Kommentare
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Wolfgang Paterok aus Kleve | 30.05.2013 | 08:48  
13
Peter Brückner aus Kleve | 30.05.2013 | 12:17  
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