Vier Fragen an .... heute: Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe

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Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (Foto: Copyright: BMG/Jochen Zick (action press))
Kleve: CDU-Geschäftsstelle | Eigentlich ist unser Bundesgesundheitsminister ein Niederrheiner, in Uedem im Jahre 1961 geboren, ist er auch noch heute oft Gast am Niederrhein. Viele politische und ehrenamtliche Ämter bekleidet(e) Hermann Gröhe, beispielsweise Kreis- und Bundesvorsitzender der Jungen Union, Mitglied im Kreistag und im Bundesparlament, Justitiar der Fraktion der CDU/CSU im Bundestag und vieles mehr. Er engagiert sich in der Synode der EKD, im Diakonischen Werk und ist Mitherausgeber des "Crismon"-Magazins, außerdem arbeitet er effektiv mit in der Konrad-Adenauer-Stiftung. Seit Dezember 2013 ist er verantwortlicher Bundesgesundheitsminister.

Hermann Gröhe war auch gerne bereit, sich den vier Fragen zu stellen.


1. Wo gilt es in den nächsten Jahren das Gesundheitssystem zu verbessern bzw. einen hohen Standard in der Pflege zu erhalten und zu verbessern?

Wir wollen das erhalten und weiterentwickeln, worauf wir stolz sein können: Umfassende und bestmögliche medizinische Versorgung, unabhängig von Alter, Wohnort und Geldbeutel. Mit einer Vielzahl von Gesetzen machen wir das Gesundheitswesen zukunftsfest und stärken die einzelnen Versorgungsbereiche und deren Vernetzung, um den Bedürfnissen gerade älterer, häufig chronisch und mehrfach erkrankter Patientinnen und Patienten besser gerecht werden zu können. Die Menschen in unserem Land sollen sich weiterhin auf eine hochwertige Versorgung verlassen können - in Stadt und Land.

Einen echten Kraftakt haben wir uns in dieser Wahlperiode in der Pflege vorgenommen. Wir haben die Hilfe für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige spürbar ausgeweitet und stärken die Pflegekräfte. Zudem führen wir endlich den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ein, über den schon so lange gesprochen wurde. Damit erhalten Menschen mit Demenz erstmals einen gleichberechtigten Zugang zu den Leistungen der Pflegeversicherung. Und vor allem: Die Pflege wird sich stärker am ganz persönlichen Unterstützungsbedarf ausrichten. Denn gute Pflege gibt es nicht von der Stange. Sie muss wie ein Maßanzug auf die persönliche Situation zugeschnitten sein.


2. Was spricht für und gegen die Zweigleisigkeit bei den Krankenversicherungen. Ist die Private Krankenversicherung nicht deutlich weniger sozial wie die gesetzliche?

Das Nebeneinander von gesetzlicher und privater Krankenversicherung schafft Wettbewerb um eine gute Versorgung - und das nützt allen. Klar ist aber auch, dass die private Krankenversicherung sicherstellen muss, dass es gerade im Alter nicht zur Überforderung kommt. Häufig hilft hier schon ein Tarifwechsel. Und es stimmt auch nicht, dass nur die Besserverdienenden in der Privatkasse sind. In meinem Ministerium ist ein privat versicherter Beamter in der Poststelle keineswegs reich und zugleich gibt es den Minister, der keineswegs arm und gesetzlich versichert ist. Ich warne vor dem Zerrbild, nach dem der Privatversicherte alles und der gesetzlich Versicherte nichts bekommt. Die beitragsfreie Mitversicherung der Kinder gibt es etwa nur in der gesetzlichen Krankenversicherung.


3. Immer mehr Menschen in Deutschland werden in der Zukunft der Pflege bedürfen. Ist dies auch für kommende Generationen finanzierbar?

In einer älter werdenden Gesellschaft werden wir uns darauf einstellen müssen, dass wir eher mehr als weniger für die eigene Gesundheit und Pflege ausgeben müssen. Die Pflegeversicherung ist eine Teilversicherung - man muss also in aller Regel selbst etwas zu den Kosten der Pflege beitragen. Menschen, die sich das nicht leisten können, bekommen im Rahmen der Sozialhilfe die notwendige Unterstützung zur Pflege. Für viele Menschen kann eine ergänzende private Pflegeversicherung sinnvoll sein - zumal diese vom Staat finanziell gefördert wird. Mit dem Pflegevorsorgefonds, den es seit dem 1. Januar 2015 gibt, sparen wir Geld für die Zeit an, in der die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen, um den Anstieg des Beitragssatzes zur Pflegeversicherung in dieser Zeit abzumildern.


4. Es gibt viele Möglichkeiten, ältere Menschen gesund zu erhalten. In Japan werden die Menschen älter und sind im Alter durchweg gesünder. Gibt es Pläne hinsichtlich dieser Erkenntnis?

Die steigende Lebenserwartung schenkt uns viele gute Jahre - diese wollen wir möglichst gesund genießen. Das ist erfreulich, es bedeutet aber auch, dass Gesundheitsförderung und Prävention immer wichtiger werden, um im Alter möglichst lang gesund zu bleiben und ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Es geht darum, Krankheiten zu verhindern, bevor sie entstehen. Wir wollen die Bürgerinnen und Bürger in allen Lebensbereichen und in jedem Alter dabei unterstützen, gesund zu leben. Wir wollen dafür sorgen, dass gesundheitsbewusstes Verhalten in den Alltag miteinbezogen wird. Deshalb setzt unser Präventionsgesetz auch da an, wo wir uns tagtäglich aufhalten - in der Kita, den Schulen, am Arbeitsplatz oder im Pflegeheim. Ende September habe ich gerade zusammen mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ein neues Programm vorgestellt, in dem es darum geht, ältere Menschen zu mehr Bewegung anzuregen. Dieses "AlltagsTrainingsProgramm" zeigt, dass körperliche Bewegung leichter ist, als viele denken, und dazu noch Spaß macht!


Ich sage Danke für die ausführlichen Antworten und wünsche dem Bnndesminister alles Gute für sein zukünftiges Wirken.
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1 Kommentar
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Gudrun Wirbitzky aus Bochum | 06.10.2016 | 13:59  
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