Von Fluten und Katastrophen - wie die Medien über die Flüchtlingsthematik berichten

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Prof. Dr. Alexander Brand hielt den ersten von drei Vorträgen an der Hochschule Rhein-Waal, in denen es um die Auseinandersetzung mit dem Thema "Flüchtlinge" geht.
Kleve: Hochschule Rhein-Waal |

Kleve.„Von Fluten vollen Booten und strapazierter Solidarität: Wie Medien über Flüchtlinge berichten“, war am Montagabend einer von drei zusätzlichen Vorträgen im Rahmen des Studium Generale an der Hochschule Rhein-Waal überschrieben, mit dem die aktuelle Debatte um die Flüchtlinge thematisiert wurde.



Es waren nicht allzu viele Sitze im Hörsaal belegt, als Prof. Dr. Alexander Brand, Professor für Politikwissenschaft mit dem Schwerpunkt Internationale Beziehungen an der Hochschule Rhein-Waal, in die Thematik einstieg. Zunächst stellte er Fragen: Wie wird über Flüchtlinge berichtet? Welche Metaphern werden benutzt und warum? Gibt es bestimmte Wirkungen, wenn bestimmte Bilder wie die von Flut, Katastrophe oder vollen Booten benutzt werden?

Diskussion in deutschen Medien ist ausbalanciert

Dabei ging es im Vortrag nicht darum, Medien im Allgemeinen als Sündenböcke hinzustellen. Brand billigte den Medien zu, in einer schwierigen Situation zu sein - unter anderem wegen des Drucks, der in sozialen Medien ausgeübt werde.
„In deutschen Medien wird vergleichsweise ausbalanciert diskutiert - in manchen Nachbarländern geht es anders zu.“ Als Beispiel präsentierte Brand einen in England erschienen Cartoon. Dargestellt Flüchtlingsströme, Männer mit langen Bärten, einer dazwischen mit Gewehr, auf dem Boden Ratten. „Das erinnert fatal an schlimme Zeiten, die wir in Deutschland erlebt haben“, so Brand.

Kontakt zu Flüchtlingen führt nicht unbedingt zu mehr Verständnis

Und dennoch: Die Art und Weise, wie in den Medien über Flüchtlinge geredet und geschrieben werde, würde die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit in entscheidendem Maße beeinflussen. Die Vorstellung, dass persönliche Kontakte zu Flüchtlingen Einstellung und Vorstellung in entscheidendem Maße beeinflussen würde, zerpflückte Brand gegen Ende seines Vortrages. Er zitierte eine Studie der Robert Bosch Stiftung: Rund 30 Prozent von 1000 Befragten hatten Kontakt zu Flüchtlingen, zwei Drittel nicht. „Der Kontakt hat aber nicht dazu geführt, dass sich ein positiveres Bild entwickelt hat“, räumte Brand mit einer landläufigen Vorstellung auf.

"Überlassen Sie die Debatte nicht anderen"

Flut und Katastrophe, Lawinen und volle Boote - all‘ diese Metaphern würden die Vorstellung einer Katastrophe bedienen - und die habe nun niemand gern. Brand empfahl, die Debatte nicht anderen zu überlassen, eigene Gedanken in die Öffentlichkeit zu tragen, Politiker daran zu erinnern, dass Asyl nicht zum Nulltarif zu haben sei. „Ich finde es nicht gut, dass Ressourcen nicht freigesetzt werden - dass auf Bundesebene an der schwarzen Null festgehalten wird“, so Brand. Und: Die Diskussion solle zum Nachdenken über sich selbst anregen.
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