Ausstellungseröffnung im Katharinenhof in Kranenburg „Zu Tisch mit Wilhelm Wagenfeld“

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Wilhelm Wagenfeld
Ich habe bis gestern nie daran gedacht, dass so viel Gedankenarbeit und Kreativität versteckt geht hinter den alltäglichen Gebrauchsartikeln, die wir von morgens früh bis abends spät gedankenlos benutzen.
Wenn man die Ausstellung „Zu Tisch mit Wilhelm Wagenfeld“ besucht und sich die ausgestellten Produkte genau anschaut, kommt dahinter, dass ein Künstler diese Sachen geschöpft hat.
Wir Essen von einem Teller, machen das mit Messer und Gabel, trinken aus einer Tasse oder einem Glas, streichen Butter oder Margarine aus einer Butterdose, kochen die Kartoffeln in einem Topf, backen das Ei in einer Pfanne, schalten die Lampe an, wenn es finster ist usw. usw. Hinter diesen Utensilien steckt manchmal viel Denkarbeit und Schöpfungskraft.
Wilhelm Wagenfeld (1900-1990) ist einer davon, der ganz oben steht. 1923 wurde er im Weimarer Bauhaus als Silberschmied Geselle angestellt. Das Bauhaus war wie eine moderne "Bauhütte", in der alle Künste zusammen eine Einheit bildeten unter dem Primat der Architektur. Da schuf er seine ersten Leuchten. 1925 wurde das Bauhaus nach Dessau verlegt. Wagenfeld blieb in Weimar und arbeitete in der Metallwerkstatt der dort neu gegründeten Bauhochschule. Später übernahm er die künstlerische Leitung der Vereinigten Lausitzer Glaswerke in Weißwasser. Die dort produzierten Produkte fanden Zugang zu Museen und Ausstellungen. Damit wurde Wagenfeld bekannt. 1954 gründete er seine eigene Werkstatt und bekam Aufträge von z.B. WMF, Braun, Rosenthal.
Der Realschullehrer Rüdiger Kroll aus Geldern war als Student fasziniert von einer Edelstahlschale. Er hat diese nach Kranenburg mitgebracht und zeigte sie bei seiner Eröffnungsrede. Er ahnte, dass viel Arbeit und mehr hinter dieser Schale steckte, bevor sie produziert wurde und informierte sich darüber. Hierdurch wurde er ein begeisterter Sammler der Wagenfeldkreationen. 1997 lernte er Wilhelm Wagenfelds Witwe Erika kennen. Dass diese Kroll schätzte, zeigt eine Zeichnung von Wilhelm Wagenfeld mit Widmung von Erika Wagenfeld.
Dezennien sammelte Kroll Wagenfeldkreationen.
Rüdiger Kroll hat so viele Produkte gesammelt, dass damit mehrere Zimmer und der lange Flur ausgestattet werden konnten. Nach der Auflösung der Wohnung Wagenfeld kaufte drei Sideboards von Florence Knoll (Knoll International) im Stuttgarter Kunsthandel. Diese sind mit Gläsern usw. in der Ausstellung aufgestellt.
Normalerweise darf man ausgestellte Produkte nicht berühren, aber im langen Flur dürfte das wohl.
Nachdem die Geladenen sich die ausgestellten Produkte angeschaut hatten, eröffnete der Vorsitzende des Heimatschutzvereins Kranenburg Hans-Walter Nebelung diese Ausstellung offiziell. Der zweite Redner war Bürgermeister Günter Steins. Als Dritter nahm Rüdiger Kroll das Wort. Er erklärte, dass die Ausstellungsprodukte in vier Bereiche aufgeteilt worden sind:
1. Leuchte, Tür- und Stoßgriffe;
2. Wohnen mit Wagenfelds Entwürfen und Frühstück und Abendessen bei
Wagenfeld;
3. Glasentwürfe, Gläser und Vasen;
4. Werkstattsituation mit WMF-Entwürfe ab 1949, Bestecke, Edelstahlentwürfe.
Nach der offiziellen Eröffnung wurden Getränke und Häppchen angeboten. Rüdiger Kroll hatte knapp 300 Wagenfeldgläser mit zur Ausstellung genommen. Darin wurden die Getränke präsentiert. Jeder sollte mal ein Wagenfeldglas mal in der Hand gehalten haben.
Weil es Mittagzeit geworden war, wurden die Gästen Kaffee und Kuchen im Gewölbenkeller angeboten.
Gerne empfehle ich diese Ausstellung. Sie ist wunderschön eingerichtet.

Die Publizierung der Fotos der Sammlung von Rüdiger Kroll wurde freundlicherweise von ihm gestattet.
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