Gedicht, passend zur Jahreszeit

Wettrodeln

Weiss setzt sich der Schnee hinab auf die Natur.
Bedeckt Haus, Wald, Weid und Flur.
Läßt Kinderherzen höher schlagen
und erste Schneeballschlachten wagen.

Aus eines Kellers Rumpelecke,
holt Erwin seine Rodelschnecke.
Sie muss wieder hergerichtet werden,
um Sieger beim Wettbewerb zu werden.

Auf Holzblöcken hoch aufgerichtet,
er auf die Speckschwarte nicht verzichtet
die die Kufen pushen soll,
dann flitzt er wieder - richtig toll.

Um nicht ganz hart zu sitzen
und dabei kommt er fast ins schwitzen,
befestigt er mit grosser List ein Kissen,
warum, wird er wohl noch vom Vorjahr wissen.

Schon prima sieht sein Schmuckstück aus,
drum stellt er´s vor den Keller raus
und betrachtet es bei Tageslicht.
Nur die Farbe gefällt ihm noch nicht.

Also wieder in den Keller runter
Und hier sucht er dann noch munter
den buntesten, spektakulärsten Lack
für sein betagtes Rodelwrack.

Den Oldi flink auf die Böcke drauf,
hebelt die pinke Lackdose auf,
sucht Pinsel und das Schleifpapier
und findet noch ne Kiste Bier.

Au ja, das wird ein schöner Abend,
dabei sich noch am Bierchen labend,
denkt er und ruft Freund Paule an,
der auch immer gut anpacken kann.

Paule kommt sofort mit großem Eifer
und nach drei Bierchen schon was steifer,
um zu helfen seinem besten Freund,
der bereits jetzt schon vom Siege träumt.

Jetzt wieder runter mit dem Kissen,
nun war´s im Wege, müsst Ihr wissen
und los geht’s mit der Schleiferei –
das nächste Bierchen stets dabei.

Nun steht er da, in purem Ton,
der Paule rührt die Farbe schon,
während Erwin sich ans pinseln gibt,
was er im allgemeinen liebt.

Bald ist er spektakulär angetünscht,
so, wie sich´s Erwin hat gewünscht.
Dann kanns ja auf die Piste gehen,
die anderen werden dann schon sehen!

Es ist soweit, das Rennen startet,
nur auf Erwin hatte man noch gewartet,
weil der nicht in die Puschen kam,
mal wieder zu viel Zeit sich nahm.

Nun ist er da und es geht rund,
mit seinem Rodel Kunterbunt.
Oft mit der Stirne kräftig runzelnd,
wird er von vielen hier beschmunzelt.

Sein Outfit fand man oft empörend,
was für ihn partout nicht störend.
Nur auffallen, um jeden Preis,
das machte den Erwin erst richtig heiß.

Der Startschuss fiel, auch das Visier,
und unser Freund, bereits Platz vier,
ging wiedermal aufs Ganze
und flog gekonnt über die Schanze.

Gut, dass er das Kissen hatte,
denn es krachte eine Latte,
was ihm jedoch nicht imponiert,
weil er auf das Pistenende stiert.

Einen bereits wieder hinter sich gelassen,
musste er nur noch zwei sich fassen,
um den begehrten Pokal zu kriegen
und auch dieses Jahr zu siegen.

Gedacht, getan, ein Mann, ein Wort,
sein Eifer grenzte schon fast an Mord.
Jetzt hatte mit seinem alten Kasten,
auch die anderen hinter sich gelassen.

Belächelt, bejubelt und geschunden,
hat der Oldtimer die Piste bezwungen.
Auch sein Pilot – ein Held jetzt war,
denn Erwin zählte bereits 80 Jahr.

Im nächsten Jahr soll´s weiter geh´n,
er will wieder auf der Piste stehen.
Und schon jetzt freut er sich riesig drauf,
denn ein Erwin gibt niemals auf.

© Christiane Rühmann
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2 Kommentare zum Beitrag
3.019
Regina Tempel aus Mülheim an der Ruhr am 13.12.2010 um 22:15 Uhr  
1.048
Christiane Rühmann aus Langenfeld (Rheinland) am 13.12.2010 um 23:07 Uhr  
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