Haus Graven: Mit Radar auf der Suche nach der Hauptburg

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Details über die neuen Untersuchungen auf und rund um Haus Graven berichteten Vorsitzender Lothar Marienhagen, UVL-Vorsitzender und Mitglied Peter Speldrich sowie die Mitglieder Ulrike Vogel, Ilse Mundt und Juliane Kreutzmann (von links). Foto: Michael de Clerque
 
Das Bild zeigt die heutige Geländesitutation der Wasserburg Haus Graven. Rechts (rot umrandet) sieht man das von der Bonner Fachfirma untersuchte Gelände, auf dem vor dem 30jährigen Krieg die Hauptburg gestanden haben muss. Und auch in späterer Zeit gab es hier zumindest noch Gebäudeteile. Das wird durch Urkunden belegt. Foto: GeoFact
Langenfeld (Rheinland): Haus Graven |

Grundmauern der Hauptburg von Haus Graven sind geortet. Davon geht der Förderverein nach den geophysikalischen Erkundungen auf dem Gelände neben der einstigen Vorburg aus, wie engagierte Mitglieder gestern der Presse berichteten.

Haus Graven in zwei Teilen erbaut

Wie jede mittelalterliche Burganlage war Haus Graven in zwei Teilen erbaut worden; sie bestand aus einer Haupt- und einer Vorburg. Davon ist – so berichtete Juliane Kreutzmann, Vorstandmitglied des Fördervereins und Mitarbeiterin in dessen Arbeitskreis Geschichte – in einer Urkunde von 1326 nachzulesen. Vor der Errichtung des Herrenhauses und der vorgelagerten Gesindeunterkünfte, Scheunen und Stallungen (die zusammen die Vorburg bildeten) stand hier eine Motte (ein vorwiegend in Holzbauweise errichteter Burgtyp), wie sie auch von der Schwanenmühle bekannt ist.

Zerstörung der Burg im 30-jährigen Krieg

Mit dem 30jährigen Krieg kam die Zerstörung auch über jene Burg, über die es keinerlei Zeichnungen (Kupferstiche oder ähnliches) gibt. Die Vorburg ist 1656 wieder aufgebaut worden, vermutlich auf den alten Grundmauern.
Vom Herrenhaus oder der Hauptburg war seither wenig bekannt, lediglich dass Conrad Gumprecht von Velbrück hier mit seiner Frau und acht Kindern nach der Kriegszeit gelebt haben soll. Vielleicht im Gesindehaus oder doch in einem wieder aufgebauten oder gar nicht zerstörten Teil des Haupthauses? In jedem Fall wurde eine Urkunde entdeckt, nach der im Jahr 1790 Tapeten. Vorhänge und ähnliches aus dem Haupthaus abtransportiert wurde. Also stand es noch, selbst 1898 war noch von den Grundmauern berichtet worden. Aber wo war das?

Georadar- und Magnetikmessungen

Nachdem das gesamte Areal 1994 zum Bodendenkmal erhoben worden war, hat die untere Denkmalbehörde beim Landschaftsverband Rheinland um Unterstützung nachgefragt und mit finanzieller Unterstützung des Umwelt- und Verschönerungsvereins Langenfeld (UVL) eine Fachfirma aus Bonn mit Georadar- und Magnetikmessungen beauftragt.

Grundelemente eines Turms

Die Fachleute haben einen Tag lang mit Spezialgeräten Schichtaufnahmen vom Gelände hinter der Vorburg gemacht, auf dem die frühere Hauptburg vermutet wird. „Dabei hat man festgestellt, dass in einem Meter Tiefe deutlich gradlinige Elemente im Boden verlaufen“, erklärte Stefan Anhalt, Leiter der städtischen Denkmalbehörde. Diese „Elemente“ können nichts anderes als Mauern sein, die sich durch das Areal ziehen. Gemessen wurde auch ein Quadrat mit einer besonders dicken Mauer, bei dem es sich um die Grundelemente eines Turms handeln könnte...

Grabungen an "repräsentativen Stellen"

Inzwischen wurden Fachleute vom Amt für Bodendenkmalpflege mit den Unterlagen vertraut gemacht. Sie werden um eine fachliche Interpretation gebeten, wie Anhalt sagte. Dazu werden sie auch andere mittelalterliche Burganlagen mit den Untersuchungen vergleichen und nach Ähnlichkeiten suchen.
Sowohl für Anhalt als auch für den Fördervereins-Vorsitzenden Lothar Marienhagen steht fest, dass es an „repräsentativen Stellen“ Grabungen geben, um die Mauern zu finden. Ausgrabungen in größerem Umfang würden aber aus finanziellen Gründen nicht vorgenommen.

Kreutzmann: "Vermutungen bestätigt"

Juliane Kreutzmann freut sich dennoch riesig: „Unsere Vermutungen wurden bestätigt, dass es ein Herrenhaus gab, und es ist spannend, weiterzuforschen...“
Elfie Steckel
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