Dr. Hugo Zade Gedenktafel am Martinus Krankenhaus in Richrath

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Portraitzeichnung Felix Metzmacher von Frau Zade
Karl-Heinz König Rektor i.R.
Rolf D. Gassen, Dipl. Betriebswirt


Pressemitteilung zum Gedenken an Dr. Hugo Zade

Reichkristallnacht - Judenpogrome - Holcaust
Der bevorstehende Jahrestag der sogenannten Reichskristallnacht am 9. November 1938 gibt in diesem siebzigsten Jahr nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Naziherrschaft besonderen Anlass, des Mordes an ca. 6 Millionen europäischer Juden durch das NS-Regime zu gedenken.
Synagogenbrand in Langenfeld 1938
Auch in Langenfeld wurde im November 1938 die 69 Jahre zuvor erbaute Synagoge an der Hauptstrasse 101 in Brand gesetzt und zerstört. Auswärtige SA-Leute, aber auch ortsansässige Mitglieder der SA, der SS und der Hitlerjugend waren aktiv bzw. als abkommandierte Zeugen dieses Geschehens daran beteiligt.
Auswanderung Flucht Deportierung
Spätestens seit diesen Ereignissen der Reichskristallnacht wussten auch die jüdischen Mitbürger Langenfelds, welches Schicksal ihnen bevorstand. Etliche von ihnen hatten Langenfeld bereits vor diesem Tag verlassen, wie z. B. der Kinderarzt Dr. med. Hugo Zade. Ihm möchte der Felix-Metzmacher-Freundeskreis ein besonderes Andenken widmen.
Erste Kinderarztpraxis in Langenfeld
Der gebürtige Berliner Dr. Hugo Zade eröffnete 1905, also vor 110 Jahren, auf der Solinger Straße die erste Kinderarztpraxis Langenfelds. Durch seine menschenfreundliche Art gewann bald das Vertrauen und die Wertschätzung der Bevölkerung.
Freundschaft Dr. Zade und Bürgermeister
Nach seinem Amtsantritt als Bürgermeister im Herbst 1908 entwickelte sich zwischen Felix Metzmacher und Dr. Zade sowie deren Familien bald eine freundschaftliche Beziehung. Der frühe Soldatentod Metzmachers am 31. Oktober 1914 traf auch das Ehepaar Zade hart.
Kondolenzbrief an die Witwe Metzmacher
In seinem Kondolenzbrief vom 17. November 1914 an die Witwe Metzmacher schreibt Dr. Zade u. a.:
Sehr geehrte Frau Bürgermeister! Das Leid, das Sie getroffen, ist zu tief, der

Schmerz, der Ihnen vom Schicksal zugefügt wurde, zu frisch und groß, als dass es irgendein Mensch unternehmen dürfte, Sie trösten zu wollen. Nicht das ist meine Absicht.… Nur unsere Anteilnahme möchte ich Sie empfinden lassen. Auch wir, die wir ihn kannten, haben einen Verlust erlitten, der nicht leicht zu tragen ist…

Portraitskizze Felix Metzmacher
Zu dem Tuscheportrait des Bürgermeisters, das die künstlerisch begabte Arztgattin unmittelbar vor Metzmachers Einberufung angefertigt hatte, schrieb Frau Zade an die Witwe:
Liebe Frau Bürgermeister! Ich schreibe Ihnen heute, weil es mich drängt, meine Anteilnahme auszusprechen. In Worte lässt sich das kaum fassen, des herzlichsten Gefühles seien Sie versichert. Wir kannten seinen Wert und ermessen den Verlust. Sein Bild, das gezeichnet zu haben mir jetzt doppelt lieb ist, habe ich in Probedrucken gestern vom Drucker erhalten und ich bitte Sie, mich eine Zeit wissen zu lassen, in der ich Sie aufsuchen kann, um es Ihnen zu bringen! Ihre Maria Zade
Nazischikane in Langenfeld
Für die jüdische Arztfamilie wurde das friedliche Zusammenleben mit der Bevölkerung Langenfelds in den Jahren nach der Machtübernahme Hitlers zunehmend schwieriger. Bereits 1935 behinderten SA-Männer Mütter auf ihrem Weg zur Kinderarztpraxis und drängten sie, einen anderen Arzt aufzusuchen. Bald entzog man Dr. Zade auch die kassenärztliche Zulassung und das Belegungsrecht am Richrather Krankenhaus.
Flucht aus Langenfeld
Wirtschaftlich ruiniert versuchte Dr. Zade vergeblich 1936, mit seiner Familie zu emigrieren. Lediglich seinem Sohn, dem jungen Diplom-Ingenieur Hans Peter Zade, gelang es, sich rechtzeitig nach England abzusetzen. Nach dem Krieg blieb er in England und starb dort in den achtziger Jahren.
Von Köln nach Auschwitz in die Gaskammer
Dr. Zade flüchtete 1937 mit der restlichen Familie in die Großstadt Köln. Er und seine Tochter Ursula fanden eine Anstellung in dem angesehenen Jüdischen Kölner Krankenhaus in der Ottostrasse. Bei dessen Schließung durch die Nationalsozialisten wurde Dr. Zade als Mitglied einer Sanitätsabteilung mit Frau und Tochter am 22. Oktober 1941 in das KZ Lodz abkommandiert. 1944 fanden die drei gemeinsam im Vernichtungslager Auschwitz den Tod in der Gaskammer. 




Stolperstein und andere Erinnerungszeichen
Die Stadt Köln widmete 2001 Dr. Zade und seiner Familie drei Stolpersteine vor seiner Kölner Asylwohnung Salierring Nr 50. Die Stadt Langenfeld hat dankenswerterweise in dem neuen Siedlungsgebiet Berghausen einen Weg nach
Dr Zade benannt und seit einiger Zeit ist der Felix-Metzmacher-Freundeskreis mit dem Martinuskrankenhaus Richrath im Gespräch über ein angemessenes Zeichen des Gedenkens für Dr. Zade am Ort seiner langjährigen beruflichen Tätigkeit in Langenfeld.

Das Martinus Krankenhaus hat bereits eingewilligt, eine Gedenktafel für Dr. Hugo Zade innerhalb des Krankenhausgeländes anzubringen.
Einzelheiten werden in den nächsten Wochen zwischen dem Krankenhaus und dem Felix-Metzmacher-Freundeskreis besprochen.
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