Infoabend: Neue Unterkünfte für Asylsuchende

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Auf großes Interesse stieß die Info-Veranstaltung zum Thema: „Unterkünfte für Asylsuchende an der Theodor-Heuss-Straße“. Die Richrather Schützenhalle war rappelvoll. Foto: Michael de Clerque

Die Stimmung in der Schützenhalle war durchweg zustimmend, sogar emotional, wenn es auch einige ablehnende Meinungen, besonders zum Standort, gab. Aber mehrfach sprachen Bürger auch ihren Dank an die Verwaltung aus für ihren Einsatz zum Wohl der „Neubürger“ im Verlauf dieses Abends, bei dem über die neue Unterkunft für rund 300 Flüchtlinge hinter dem Freibad informiert wurde.

Langenfeld. Die Parkplätze rund um die Schützenhalle waren alle belegt, in der Halle standen schon 350 Stühle, doch das waren noch zu wenige – so groß war das Interesse der Bevölkerung an der von der Verwaltung angebotenen Information über die neue Unterkunft, mit deren Bau an der Theodor-Heuss-Straße gerade begonnen wurde. In zwei zweigeschossigen Modulbauten sollen hier rund 300 Flüchtlinge ein vorübergehendes Zuhause finden – 150 weniger als zunächst geplant, weil ein drittes Gebäude nicht genehmigt wurde.

"Der Druck auf die Stadt wächst"

Die Lage ist schwierig, der Druck auf die Stadt wächst, wie die 1. Beigeordnete, die Sozialdezernentin Marion Prell, mehrfach deutlich machte, und auch Bürgermeister Frank Schneider sagte einleitend, die Welt sei aktuell in einer Unordnung wie seit dem 2. Weltkrieg nicht mehr. Dennoch: „Diese Menschen möchte ich hier aufnehmen, versorgen und möglichst schnell integrieren“, und: „Sie gehören nicht an den Standrand, sondern in der ganzen Stadt verteilt“. Erfreulicherweise gebe es in Langenfeld kaum Konflikte, was er dem dankenswerten Einsatz der Betreuer und Ehrenamtler zurechne. Er sehe aber auch die Verunsicherung in der Bevölkerung, der man durch Information begegnen müsse.

Zu wenig Plätze

Marion Prell, die mit dem gesamten Verwaltungsvorstand den Bürgermeister auf der Bühne unterstützte, schilderte die aktuelle Situation. Danach werden 822 Flüchtlinge, deren Asylantrag läuft, von der Stadt betreut (für die Menschen in der Notunterkunft am KAG ist Land zuständig). Für dieses Jahr könne man logischerweise die Zahlen nur schätzen. Sie kalkuliere im schlimmsten Fall mit weiteren 1 300 Menschen, die Langenfeld vom Land zugewiesen werden. Selbst wenn alle geplanten Leichtbauhallen und Massiv- oder Modulbauten realisiert seien, fehlten noch rund 500 Plätze.
"Es muss gebaut werden"
Prell wurde deutlich: „Wenn wir nicht bauen, sind die Leute obdachlos. Das Land lädt sie hier ab, und dann irren sie durch die Stadt, schlafen vor Ihrer Tür oder in der Stadtgalerie...“ Also müsse gebaut werden. Man habe sich für das städtische Grundstück entschieden, weil es erschlossen und nach dem Planungsrecht ohne Verzögerung bebaut werden dürfe. Zum Bach und zum Freibad werde das Grundstück durch Zäune und Sichtschutz abgesichert. Die Gebäude seien wegen ihrer Abtrennung in Räume für Familien geeignet, aber auch Alleinreisende könnten hier eine Unterkunft finden. Sowie das erste Gebäude fertig sei, werde man interessierte Bürger zu einer Besichtigung einladen.
"Kleinere Einheit wären uns auch lieber"
Während der Vorträge gab es immer wieder Beifall, aber ebenso auch für die erste Wortmeldung, in der ein Mann die Befürchtung äußerte, hier entstehe ein „Asylantenghetto“ und ein sozialer Brennpunkt. „Natürlich wären uns kleinere Einheiten auch lieber, aber wir stehen unter gewaltigem Druck“, entgegnete – ebenfalls beifall-begleitet – Marion Prell. Eine Anwohnerin sprang ihr bei und betonte, sie fühle sich in keiner Weise benachteiligt, das gehe durchaus in Ordnung. Abgenickt wurde der gewählte Standort noch von mehreren Anwohnern.
Die sehr ausgiebige Diskussion geriet allerdings immer mehr zu einem allgemeinen Meinungsaustausch über die Flüchtlingsfrage und die Betreuungs-, Integrations- und Unterbringungsmöglichkeiten. Ein früherer Flüchtling schilderte sehr bewegt die Geschichte einer gelungenen Integration seiner achtköpfigen Familie. Es ging dann auch um die Frage der Sozialkarte ebenso wie um das Ersatz-Quartier des Wiescheider Karnevals in einer Scheune, um die Chance mit neuen Nachbarn und schließlich die Feststellung eines Bürgers, dass die Bevölkerung nie gefragt worden sei und seiner Forderung nach einem Einwanderungsgesetz. Der Bürgermeister dazu: „Ich stimme ihnen voll und ganz zu. Helfen ist ja gut und schön, aber wir sind an der Grenze angekommen.“. Die Frage: „Wieviel kostet das eigentlich?“ beantwortete Prell so: „Sehr, sehr, sehr, sehr viel. Trotz Zuschüssen fehlen uns schon jetzt zwei Millionen.“ Und dann wurde sie ganz emotional: „Wir tun alles, um zu verhindern, dass die Menschen obdachlos werden. Doch so kann das nicht weitergehen. Und ich sage es jetzt mal so, wie ich es meine: Wir Kommunen sind der Arsch der Nation!“ Kurz darauf ergänzte sie, etwas gefasster: „Ich sehe keine andere Möglichkeit, als die 300 Leute an diesem Standort unterzubringen; ihre Zahl wird in diesem Jahr in unserer Stadt die 2000er Grenze erreichen“. Elfie Steckel
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