Neujahresempfang: Flüchtlinge, Zwangsabgabe und Start ins Finnlandjahr

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Bürgermeister Frank Schneider bei seiner 50minütigen Rede, die in der ersten Hälfte vom Thema Flüchtlinge dominiert war, bevor er sich weiteren lokalen Themen und dem Start ins Finnland-Jahr zuwandte.Foto: Michael de Clerque
Langenfeld: Stadthalle |

Seit etwa einem halben Jahr sind die Flüchtlinge und alles, was damit zusammenhängt, das dominierende Thema – und auch die Hälfte seiner Rede widmete Bürgermeister Frank Schneider beim Neujahrsempfang der Stadt diesem Thema. Ein weiterer wesentlicher Punkt der Veranstaltung war die offizielle Eröffnung des Finnland-Jahres mit Musik und einer Schilderung von Land und Leuten.

40 Jahre Langenfelder Frauenchor

Langenfeld. Die örtlich Prominenz – die sogenannten „Vertreter des öffentlichen Lebens“ - und einige Ehrengäste füllten die Stadthalle, als der Meisterchor, der Langenfelder Frauenchor von 1976, zum Auftakt seines 40jährigen Jubiläumsjahres auch die Feier einläutete. Die Damen hatten noch einen weiteren Auftritt, bevor sie musikalisch abgelöst wurden von der finnischen Combo „Uusikuu“, die unter anderem den schleichenden finnischen Tango (!) vorstellte.
Seit dem Fall der Mauer und dem Balkankrieg habe kein weltpolitisches Geschehen uns so direkt beeinflusst wie die Krisen und Kriege im Nahen Osten, sagte Bürgermeister Frank Schneider zu Beginn seiner Rede – womit der ernste Teil der Feier startete. Als Kommunalpolitiker könne er sich erneut des Eindrucks nicht erwehren, dass die Städte – wieder einmal - die Leidtragenden verfehlter Politik und organisatorischer und kommunikativer Unfähigkeit auf Bundes- und Landesebene geworden seien. „Als großartiger Gegenpol und leuchtendes Beispiel für eine gelungene Willkommenskultur erscheint glücklicherweise das enorme und immer noch ungebrochene Engagement der Langenfelder, die sich in größtenteils privat organisierten Projekten in die Flüchtlingshilfe einbringen“, so der Bürgermeister, der seinen Dank an alle Helfer – ob haupt- oder ehrenamtlich – mit viel Beifall aus dem Publikum anreichern konnte.

Integrationskonzept

Er kündigte an, dass die in Langenfeld agierenden Kräfte weiter gebündelt und vernetzt würden und in Kürze ein Integrationskonzept von der Stadtverwaltung vorgestellt werde. Zustimmung und Beifall erhielt Schneider auch für seine Politik-Schelte über den Umgang mit der Polizei. Ängste in der Bevölkerung seien berechtigt, vor allem auch dann, wenn der Rechtsstaat zu versagen drohe, wie es nicht nur in der Silvesternacht geschah. Rechtsfreie Räume seien nicht neu, sie seien seit Jahren Beispiele für die Hilflosigkeit der Polizei, die man durch stetige Personalreduzierung nachhaltig geschwächt und damit dem Rechtsstaat immensen Schaden zugefügt habe. „Ein von der Kanzlerin geleisteter Offenbarungseid mit dem Eingeständnis, dass der deutsche Staat seine Grenzen nicht mehr schützen kann, dient für mich nicht dazu, Ängste abzubauen, sondern dokumentiert im Gegenteil eher das Versagen des Staates“, so Schneider.
Doch der Bürgermeister behandelte auch noch weitere Themen, so die sechs Millionen Euro große Lücke im Haushalt, die durch die massive Erhöhung der Kreisumlage und die „komplett sinnfreie Zwangsabgabe“ des Landes entstanden sei. Die Werbung um den Wirtschaftsstandort Langenfeld, das dank finanzstarker Unternehmen doch noch erreichte Haushalts-Plus von rund einer Million im alten Jahr, die neuen Standortbotschafter und nicht zuletzt das Projekt „Future City Langenfeld“ seien Belege für gute Geschäfte in Langenfeld, ebenso wie die bundesweite Vorreiterrolle als „Ort des Fortschritts“, das neue Großprojekt in Berghausen ebenso wie die neue Gesamtschule, die Kitas in Berghausen und Langfort, der Erhalt der Notfallpraxis in Richrath – und natürlich seine Lieblingsthemen: Klima- und Umweltschutz.

„Hei Suomi“

Der Bürgermeister dankte allen Mitbürgern, die sich auf zahlreichen Gebieten in das Gemeinwesen einbringen und forderte alle auf, unter dem Motto „Hei Suomi“ das diesjährige Mottoland und das dazu erstellt Programm näher zu betrachten.
Damit war das Stichwort gefallen für den Auftritt von Werner Partner, Vorsitzender der Deutsch-Finnischen Gesellschaft NRW, der nach einem Exkurs in die Geschichte des Landes zwischen den historischen nördlichen Großmächten Schweden und Russland das heutige Finnland beschrieb als ein Land, das seinen Weg gefunden habe und seit 100 Jahren in staatlicher Eigenständigkeit vom Rande Europas in dessen Mitte gerückt sei. Und übrigens sei finnisch überhaupt nicht so schwer wie immer behauptet: Man spreche alles so aus, wie es geschrieben werde, und die erste Silbe werde immer betont, wie lang das Wort auch sei....
Elfie Steckel
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