„Prisma-Schule“ vor dem Umzug

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Schulleiter Raoul Schlösser packt die letzten Unterrichtsmaterialien vor dem Umzug in die neuen Räume ein. Foto:Michael de Clerque

Die Kisten sind am Fahlerweg gepackt, ein Großteil des Unterrichtsmaterials ist schon im neuen Gebäude an der Metzmacherstraße angekommen, der Stundenplan steht, am nächsten Donnerstag findet die erste Fortbildung für das 42köpfige Kollegium statt – und Schulleiter Raoul Schlösser freut sich schon auf den Start der „Prisma-Schule“ in den neuen Räumen.

Gespräch mit Schulleiter Raoul Schlösser


Langenfeld. Wir trafen der Chef des fünfköpfigen Leitungsgremiums der neuen städtischen Gesamtschule, den 43jährigen Leitenden Gesamtschul-Direktor, in seinen bisherigen Übergangsräumen in der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Hauptschule am Fahlerweg. Vor drei Jahren, als die Gesamtschule ihre ersten Gehversuche machte, war sie in freigewordenen Räumen der auslaufenden Hauptschule untergekommen. Nun hat die Gesamtschule hier schon mit ihren drei bestehenden Jahrgängen (die künftigen Klassen 6, 7 und 8) alle Räume gebraucht,weshalb die Hauptschule ihre letzten Monate in der leerstehenden Schule am Hang erlebt. Es ist kompliziert, zugegeben, aber das Schulwesen in Langenfeld ist derzeit auf dem Höhepunkt der Neuausrichtung angekommen. Danach wird alles anders sein.

Neue Räume "erobern"


Völlig neu orientieren müssen sich die Schüler und Lehrer der neuen Gesamtschule. Sie müssen nicht nur ihre funkelnagelneuen Räume „erobern“, sie müssen sich auch orientieren an einem völlig neuen Konzept, das bisher erst an einigen wenigen Schulen (übrigens erfolgreich) praktiziert wird. Die Langenfelder Schule mit dem Arbeitstitel „Prisma“ hält Kontakt zu vergleichbaren Einrichtungen in Hamburg, Wuppertal und Xanten. Drei Säulen setzen die Schwerpunkte der individuellen Förderung: Internationalität und Weltoffenheit, dann Kommunikation und Design sowie die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

"Prisma" - pädagogisches Konzept


Der Name „Prisma“ verrät schon viel über das pädagogische Konzept: Die unterschiedliche Blickwinkel und die ständig andere Lichtbrechung kommen in der Bezeichnung zum Ausdruck. Praktische Anwendung erfährt „Prisma“ am „Prisma-Tag“, den man mit einem Projekttag an herkömmlichen Schulen vergleichen könnte. Immer mittwochs wird projektorientiert gearbeitet. Schlösser nennt ein Beispiel aus Jahrgang 7 zum Thema Wasser, das über Wochen erarbeitet wurde, in jeder Arbeitsgruppe aber aus einem anderen Blickwinkel, in Theorie und Praxis, vom virtuellen Wasser über seine Bedeutung als Trinkwasser bis zum Thema Wassersport und Besichtigung des Wasserwerks. Jahrgang 8 war parallel mit dem Thema „Demokratie“ beschäftigt...

42 „bunt gemischte“ Pädagogen



Wo kommen die Lehrer her, die solche Unterrichtsthemen ausarbeiten? Schlösser, zuvor in der Schulleitung der Bettine-von-Arnim-Schule tätig, davon neun Jahre in der Schulleitung, erinnert an den Start vor drei Jahren mit zwölf Lehrern. Das neue Schuljahr startet mit 42 „bunt gemischten“ Pädagogen. Schlösser: „Etwa ein Dutzend Kollegen kommen aus den auslaufenden Haupt- und Realschulen der Stadt, sie haben sich freiwillig für das neue Projekt gemeldet. Andere sind erfahrene Pädagogen aus allen bisherigen Schulformen.“

Neue Techniken


Sie müssen sich an komplett neue Techniken gewöhnen, an digitale Tafeln („die Kreidezeit ist jetzt endgültig vorbei“), an den sinnvollen Einsatz der Laptops und vieles mehr. Gelernt wird in Gruppen, die Schüler sitzen an Einzeltischen, die je nach Bedarf mit anderen zusammengestellt werden können. Das Lehrerzimmer ist virtuell, ebenso das Klassenbuch. Schüler dürfen den Lehrer, aber auch ihre Sitznachbarn fragen, sie dürfen (und sollen!) sogar aufstehen. Bis einschließlich Klasse 8 wird übrigens jeder mitgenommen, er bleibt im Klassenverbund, auch mit dem gleichen Lehrer. Erst ab Klasse 8 wird differenziert nach Leistung, weil danach die ersten Abschlüsse erreicht werden. Letzter Abschluss ist das Abitur.
Die Lehrer müssen neben ihren pädagogischen Fähigkeiten und Möglichkeiten auch Bezugsperson für ihre Schüler sein, am besten sogar Vertrauensperson. Ein Beispiel: Die Schule beginnt um 8 Uhr, im offenen Klassenzimmer ist der Lehrer aber schon ab 7.45 Uhr. Mit den eintreffenden Schülern gibt es lockere Gespräche, vielleicht über das Wochenende (beim getrennt lebenden Elternteil?), über Freunde oder alle möglichen anderen Dinge, die den Schülern auf der Seele liegen. Nach dieser „Beziehungsarbeit“ beginnt der Unterricht, der bis 15.45 Uhr (dienstags und freitags bis 13.15 Uhr) dauert. Die Schulstunde (Unterrichtssequenz) erstreckt sich über 90 Minuten, um mehr Flexibilität in der Gestaltung zu erreichen.

Keinen Pausengong


Einen Pausengong gibt es übrigens nicht – darin war sich Schlösser mit den Leitungen der beiden anderen noch auf dem Gelände an Metzmacher- und Fröbelstraße ansässigen Schulen einig. Die Zeiten sind unterschiedlich, das Geläute hätte gestört. „Und so kann auch der letzte Satz noch zu Ende gesprochen werden“, schmunzelt Schlösser. Seine Devise lautet übrigens: „Der Mensch und das Fach sind wichtig!“ Elfie Steckel

^Wird fortgesetzt
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