Lektionen aus der Langenfelder Kommunalwahl

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Zum Ende des Wahlsonntags am 25. Mai wurden die politischen Karten neu gemischt. Aufgrund der fortbestehenden absoluten Mehrheit der CDU im Stadtrat ist zwar weiterhin abzusehen, daß SPD, B/G/L, Grüne und FDP es weiterhin schwer haben werden, die Anliegen ihrer Wählerschaft durchzusetzen.

Doch spurlos vorbeigegangen ist diese Kommunalwahl an der Langenfelder CDU sicherlich nicht. Es besteht die kleine Hoffnung, daß die Politiker der schwarzen Mehrheit ihre Überheblichkeit gegen eine gesunde Portion Demut eintauschen.

Erreichte die CDU bei der Kommunalwahl 2009 noch 55,6% der Stimmen, schrumpfte ihr Anteil 2014 auf 50,9% zusammen. Nüchtern betrachtet muss aus Sicht der CDU von Glück im Unglück die Rede sein, denn sowohl B/G/L als auch Grüne hatten mit Postwurfsendungen zu tun, die aus bislang ungeklärten Gründen bei Ihren Empfängern niemals angekommen sind - Informationsmaterial, das für die verbleibenden 0,9% wahrscheinlich ausreichend gewesen wäre.

Glück im Unglück auch deshalb, weil der parteilose Bürgermeisterkandidat Ingo Wenicker es aus dem Stand heraus und ohne nennenswerte Eigenwerbung auf beachtliche 5,8% brachte. Man stelle sich vor, welchen Einfluss es gehabt hätte, wäre Wenicker als Kandidat für die B/G/L angetreten.

Dieter Braschoß, Reusrather CDU-Politiker und Vize-Bürgermeister äußerte sich gegenüber RP-Online bereits mit den Worten "Wir kennen jetzt unsere Baustellen, an denen wir arbeiten müssen". Eine Erkenntnis, die reichlich spät kam, denn daß die von der CDU unterstützte Bebauung der Locher Wiesen sowie die Schaffung eines Hubschrauberlandeplatzes für den Unternehmer Gerhard Witte in der Reusrather Bürgerschaft äußerst unbeliebt sind, war lange vor der Kommunalwahl abzusehen.

Doch daß die CDU am Ende sogar einen Wahlbezirk an den für die B/G/L angetretenen Andreas Menzel abtreten musste, hat augenscheinlich gesessen, das war bereits am Sonntagabend im Bürgersaal zu spüren: Als aufseiten der B/G/L mit großer Freude ausgerufen wurde, daß Menzel den Bezirk gewonnen hatte, wurden aufseiten der CDU mit einem Schlag für einen Moment lang einige Gesichter kreidebleich. Und schon Minuten davor, als erst etwa 50 Wahlbezirke ausgezählt waren, war zu beobachten, wie einige CDU-Ratsherren nur mit Unbehagen auf jene Prozentzahl schauten, die über Wohl und Wehe einer absoluten Mehrheit entscheiden sollte.

Wenn der alte und zugleich neue Bürgermeister Frank Schneider auf seiner Internetseite im Rahmen einer Danksagung für "das Vertrauen in seine Person" sagt, es gäbe "viele begonnene Projekte, die wir in den kommenden sechs Jahren als städtische Gemeinschaft fortführen werden", so bleibt zu hoffen, daß die Bebauung der Locher Wiesen nicht dazu gehört.

Eine Erkenntnis aus dem Wahltriumph in Reusrath für Andreas Menzel und die B/G/L ist jedenfalls, daß Lokalpolitik den Bürgern eben doch nicht so egal ist, wie es den Anschein hat. Reusrath hat gezeigt, daß wenn Politik die Bürger direkt und spürbar betrifft, selbst eine traditionelle schwarze Hochburg wie Reusrath auf sechs Jahre einen Pakt mit der politischen Konkurrenz abzuschließen bereit ist.

Die kommenden sechs Jahre werden zeigen, wer aus dieser Erkenntnis tatsächlich etwas lernt.
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