Stadtgeburtstag: Flüchtlingssituation beherschte die Feierstunde

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Frank Schneider, Langenfelder Bürgermeister. Foto: Gerd Schweitzer
Langenfeld: Stadthalle |

Die Stadtväter haben bei der Verleihung der Stadtrechte am 3. Oktober 1948 nicht ahnen können, dass dieser Tag einmal ein Feiertag sein würde. Diesmal wurde er sogar zusammen mit dem Jubiläum der Deutschen Einheit begangen. In der Feierstunde der Stadt rückte aber durch die Rede des Bürgermeisters Frank Schneider und die emotionale Schilderung der Beigeordneten Marion Prell über die Improvisations-Arbeit in den Erstaufnahmen das Thema Flüchtlinge in den Mittelpunkt.

Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte der vergangenen 100 Jahre, die Kriege und Vertreibungen und die damit verbundene Flüchtlingsproblematik, aber auch den Neuanfang für das deutsche Volk vor 25 Jahren dienten Schneider als Einstieg in die aktuelle Thematik. Schneider: „Ohne ein pessimistisches Zukunftsszenario zeichnen zu wollen, sehe ich die aktuelle überwältigende Hilfsbereitschaft in unserem Leider leider auch ein wenig gefährdet durch die Angst vieler Menschen, durch die Flüchtlingsproblematik und die Prognosen für die Zuströme in den kommenden Jahren Teile des eigenen Lebensstandards einbüßen zu müssen“.
Diese Angst, so Schneider bei seiner Ansprache in der Stadthalle, müsse man in konstruktives Mitwirken an der Gemeinschaft umwandeln. Bei aller Problematik dürfe man nicht übersehen, dass wir wieder einmal auf allerhöchstem Niveau klagten. Allerdings stimme er mit dem Bundespräsidenten in dessen Aussage überein, dass „unsere Herzen weit, aber unsere Möglichkeiten endlich“ seien. Diese Kapazitätsgrenzen müssten schnell gesetzt werden, weil nicht nur die Aufnahmemöglichkeiten räumlich begrenzt seien, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz irgendwann erschöpft sei.
Bürgermeister sparte nicht mit Kritik an Land und Bund
Der Bürgermeister sparte auch nicht mit Kritik an Land und Bund. Die Politik habe viel zu lange tatenlos zugesehen und den Bezug zur Realität verloren. Am Ende der Kette stünden die Kommunen, an denen die personelle und finanzielle Last hängen bleibe. Womit er bei der Situation in Langenfeld angekommen war.
Sein ausdrücklicher Dank galt den Maltesern und den Rotkreuzler, die die beiden Notunterkünfte betreuen und dort unentwegt im Einsatz sind. Die Festversammlung bedankte sich auf ihre Weise: Mit lebhaftem Beifall. Der Einsatz für Flüchtlinge durch unterschiedliche Organisationen wurde im Foyer der Stadthalle an Infoständen deutlich gemacht. Der Dank des Bürgermeisters aber richtete sich darüber hinaus auch an alle anderen Ehrenamtler, die alle zu dem „Langenfelder Spirit“ beitragen.

Dankeschön an die vielen Helfer

Premiere feierte Beigeordnete Marion Prell, die noch nie bei einem früheren Stadtgeburtstag geredet hat. Diesmal aber ergriff sie das Wort. Sie berichtete über ihr Protestschreiben (siehe rechts) und dankte allen Betreuern der Flüchtlinge, namentlich den Verantwortlichen Christian Nitz (Malteser) und Kurt Uellendahl (DRK), mit ihren Ehrenamtlern ebenso wie bei ihrem Team in der Stadtverwaltung, das seit 4. August Tag und Nacht für die beiden Erstaufnahmen in Wiescheid und am Gymnasium in Einsatz ist. Sie hielt nicht hinterm Berg mit ihrem Zorn über das Land, dessen Aufgabe die Kommune stemmten. Prell: „Wir schaffen es, obwohl es eigentlich nicht zu schaffen ist. Wir erfahren erst im letzten Moment, dass und wie viele Menschen kommen. Wir sind froh, dass wir ihnen allen ein Dach über dem Kopf geben können, aber dann noch nach Ethnien oder Religionszugehörigkeiten zu sortieren, ist in all dem Chaos schier unmöglich...“ Sie ließ ihre Zuhörer aber auch lachen, als sie das Organisationstalent ihrer Mitarbeiter lobte: „Sie glauben gar nicht, wie verdammt schnell Beamte kaufen können!“

Gesellschaftsfonds: 44 510 Euro für 14 Vereine

Aus dem Gesellschaftsfonds wurden während der Feier 44 510 Euro an 14 Vereine und Organisationen aufgeteilt (siehe nebenstehenden Bericht).
Mit der deutschen Nationalhymne, gespielt vom Blechbläserensemble der Musikschule, das für den musikalischen Part der Feierstunde zuständig war, endete der offizielle 67. Stadtgeburtstag. Elfie Steckel
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