Friedreich-Ataxie - die Kunst gibt Kai Kraft

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Kai nennt dieses Bild sein Meisterwerk - ein Jahr arbeitete er an dem Gemälde. (Foto: Magalski)
 
Kai arbeitet aktuell an einer Ansicht von Salzburg, das Bild wirkt wie ein Foto. (Foto: Magalski)
Besucher der Caritas-Werkstätten begegnen Kai Eickler schon auf den ersten Metern. Kai ist der Pförtner hier und wer das giftgrüne Gebäude betritt, sieht den jungen Lüner oft mit großer Konzentration über Pinsel und Farbe. Kai kann Kunst, das ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eigentlich ein kleines Wunder.

Neben Schreibtisch, Kopierer und Telefon steht in dem kleinen Pförtner-Büro am Eingang der Werkstätten im Gewerbegebiet an der Frydagstraße eine Staffelei und in einem Holzkasten daneben liegen Tuben mit Acrylfarbe. Wenn Zeit ist, arbeitet Kai Eickler hier an seinen Bildern. Kai ist neunundzwanzig Jahre alt, sitzt seit Jahren im Rollstuhl und kämpft gegen seinen persönlichen Feind. Friedreich-Ataxie heißt der und ist eine Erkrankung des zentralen Nervensystems. Störungen der Bewegungsabläufe gehören dazu, Spastiken und Probleme beim Schlucken. Zwei Mal hat der Lüner Anzeiger schon über Kai berichtet, fünf Jahre sind vergangenen seit dem ersten Artikel. Viel Zeit auch für die Krankheit, doch Kai zeigt mit aktuellen Bildern: "Ich lasse mich nicht unterkriegen, ich biete meiner Krankheit die Stirn." Schreiben kann er nicht mehr, doch wenn Kai den Pinsel in der Hand hält, dann passiert etwas Magisches. Zwei Bilder des Lüners hängen im Borusseum in Dortmund und sie zeigen das nach seiner Meinung schönste Stadion der Welt, denn Kai ist glühender Anhänger von Borussia Dortmund. "Die Liebe zum Verein ist aber nicht so groß wie die Liebe zur Familie", sagt Kai und mit diesem Gedanken ging er an sein neues Werk. Eine Fähre im Hafen von Travemünde, davor eine Familie mit ihren Wohnmobilen. Kais Familie.

Spiegelungen studierte er am Kanal

Ein Jahr saß der Ausnahmekünstler an dem Kunstwerk, es forderte volle Konzentration. Das Ergebnis nennt Kai sein absolutes Meisterwerk, "ich werde besser mit jedem Bild". Kai kann zurecht stolz sein auf sein Gemälde. Die Szenerie zeugt von großer Präzision. Für Spiegelungen der Fähre im Wasser studierte Kai auf dem Heimweg die Binnenschiffe auf dem Datteln-Hamm-Kanal. Die Fähre malte Kai der Vorlage zweier Fotos und die Familienszene davor ist eine Erinnerung an schöne Kindertage und die gemeinsamen Urlaube. Weihnachten schenkte Kai das Bild seiner Familie und sitzt seitdem schon am nächsten Projekt. Eine Ansicht von Salzburg für seinen Großvater. Kai sagt "zur Entspannung" nach dem aufwändigen Vorgänger-Bild. Fertig ist das neue Werk noch lange nicht, wirkt aber jetzt schon auf beeindruckende Art lebendig, wie eine Fotografie. Rückschritte haben eben keinen Platz in Kais Leben. Kai ist ein Kämpfer und muss es sein, denn die Friedreich-Ataxie wartet nur auf nachlässige Momente. "Zurücklehnen kann ich mich nicht, das führt zu einer Verschlechterung der Beschwerden", erklärt Kai. Viel Sport ist deshalb Pflicht, etwa bei Fahrten mit dem Handbike. Das Fahrrad wird mit der Kraft der Arme angetrieben und das weist die Krankheit ein wenig in die Schranken.

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