Autobahn-Unfall: Gaffer, ihr bekommt Post!

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Das Führerhaus riss beim Unfall von der Zugmaschine, die grüne Wand schützt die Helfer vor Gaffer-Blicken. (Foto: Magalski)
Ärzte kümmern sich im Krankenhaus noch um zwei Verletzten, da gibt es auf der Autobahn schon die nächsten gefährlichen Szenen! Gaffer greifen zum Handy, bremsen in Höhe der Unfallstelle, filmen die Wracks. 

Im Baustellen-Rückstau kurz hinter der Brücke an der Niederadener Straße passierte es am Donnerstagmorgen: Zwei Lastwagenfahrer stoppen ihre Maschinen, doch der dritte Brummi kracht in Richtung Hannover auf das Stau-Ende! Eine Stahlrolle, sechzehn Tonnen schwer, kommt auf der Ladefläche ins Rutschen, durchschlägt die Bordwand. Das Fahrerhaus kippt samt Fahrer nach vorne auf die Fahrbahn. Diesel läuft aus einem beschädigten Tank. Zur Versorgung der Verletzten gibt es eine Vollsperrung. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst und Hubschrauber Christoph 8 - alle sind vor Ort. Zwei Lastwagen-Fahrer kommen ins Krankenhaus, zur Schwere ihrer Verletzungen gibt es bisher noch keine Informationen. Kurze Zeit später, als die Polizei den linken Fahrstreifen wieder freigibt, schlägt die Stunde der Gaffer. Im "Schneckentempo" geht es am Unfallort vorbei, eine Hand im besten Falle am Lenkrad, die andere richtet das Smartphone auf die Wracks. Mitarbeiter der Autobahnmeisterei stellen zwar Sichtschutzwände auf, aber der grüne Folien-Zaun hindert nicht alle am Griff zum Handy. Erschreckend: Viele Berufskraftfahrer sind dabei, bannen das Unglück ihrer Kollegen auf die Speicherkarte! 

Hohe Geldstrafen für Berufskraftfahrer

"Neugier ist ein Stück weit menschlich, aber was macht man mit solchen Fotos", fragt Manfred Blunk, Leiter der Wache der Autobahnpolizei in Kamen. Das Verhalten der Gaffer hat nun Folgen. Der Polizei liegen Fotos vor, diese werden im Verkehrskommissariat erfasst und nehmen von dort den Weg zur Bußgeldstelle. "Gaffer-Fotos" sind zunächst einmal in aller Regel eine "Handynutzung am Steuer", die kostet im Normalfall hundert Euro Bußgeld und einen Punkt in Flensburg. Im Falle von Vorsatz - wie etwa dem Filmen einer Unfallstelle - hat die Bußgeldstelle die Möglichkeit zur Verdopplung der Geldstrafe auf dann satte zweihundert Euro! Wer Fotos oder Filme macht, statt auf den Verkehr zu achten, bei dem steht unter Umständen außerdem schnell die Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs in Frage. Für Berufskraftfahrer, von denen ein professionelles Verhalten ohnehin erwartet wird, drohen Konsequenzen seitens der Berufsgenossenschaft von Fahrerunterweisungen bis hin zu hohen Geldstrafen auch für den Arbeitgeber.

Thema "Gaffer" im Lokalkompass:
Handy-Gaffer machen Ärger auf der Autobahn
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1 Kommentar
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Renate Croissier aus Lünen | 13.07.2018 | 20:25  
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