Behörden sprechen über Flüchtlingsstadt

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Die Zeltstadt für Flüchtlinge in Bork ist am Abend Thema einer Bürgerversammlung in der Mensa der Polizeischule. (Foto: Magalski)
 
Helmut Wälter vertritt am Podium Direktor Michael Frücht. (Foto: Magalski)
Menschen aus über dreißig Nationen leben seit einigen Wochen in der Notunterkunft in der Nachbarschaft der Polizeischule in Bork. Mario Löhr, Bürgermeister von Selm, versprach vor dem Start der Zeltstadt eine weitere Bürgerversammlung nach einer kurzen Anlaufphase - heute Abend ist dieser Termin. Der Lüner Anzeiger berichtet von der Veranstaltung im Ticker.

Das Podium hat fast die gleiche Besetzung wie zu den ersten beiden Abenden. Mario Löhr für die Stadt Selm, der Leitende Polizeidirektor Hans Dieter Volkmann für die Kreispolizeibehörde Unna und Hans-Jürgen Hecker vom Landesverband Westfalen Lippe des Deutschen Roten Kreuzes. Der Vertreter der Bezirksregierung sagte den Termin in Bork am Montag noch kurzfristig ab, er musste zu einem Termin ins Innenministerium. Michael Frücht, den Direktor des Landesamtes für Ausbildung, Fortbildung und Personal der Polizei Nordrhein-Westfalen, wird vertritt sein Stellvertreter Helmut Wälter.

TICKER:

20.56 Uhr: Die Veranstaltung ist nun beendet, wir danken für Ihr Interesse und wünschen Ihnen einen schönen Rest-Abend.

20.47 Uhr: Die Veranstaltung neigt sich dem Ende zu, die Redner sprechen nun die Schlussworte. "Die Städte sind bereit, viele Leistungen durchzuführen, das sage ich auch stellvertretend für Kolleginnen und Kollegen", so Bürgermeister Mario Löhr. Bund und Land stellten zwar finanzielle Mittel zur Verfügung, das löse aber nicht alle Probleme. Selm und alle anderen Städte stünden in den nächsten Jahren vor Herausforderungen und wenn die Entwicklung der Flüchtlinge so anhalte, müsse man prüfen - will man weitere Zuweisungen mit Kosten, die von den Kommunen zu tragen sind, oder entscheidet man sich im Fall der Fälle für eine weitere Notunterkunft? Die Stadt suche für diese Eventualität mögliche Standorte in Selm.

20.44 Uhr: Das Willkommensfest vom Montagvormittag ist Thema. "Das Willkommensfest habe ich mir ganz anders vorgestellt, auch für die Bürger. War die Veranstaltung am Montag schon alles", fragt der Mann. Ein Willkommensfest wird für Flüchtlinge und Bürger werde es wohl im März oder April des nächsten Jahres geben, antwortet Mario Löhr.

20.42 Uhr: Im Winter solle man den Ausgang zum Haupteingang der Polizeischule verlegen um die Anwohner zu entlasten, sagt ein Mann.

20.39 Uhr: "Beim Sonntagsspaziergang habe ich mehrere Menschen ansgeprochen und ihnen auf Englisch gesagt, dass sie bitte auf die Sauberkeit achten sollen und habe nur positive Reaktionen erhalten", erzählt eine Frau. Jeder Selmer könne das tun und dem Ordnungsamt so einen Teil der Arbeit abnehmen, appelliert die Anwohnerin.

20.28 Uhr: "Sozialhilfeempfängerin muss Wohnung für Flüchtlinge räumen" - Facebookmeldungen dieser Art bringt ein weiterer Fragesteller auf den Tisch. Der Mann macht sich Sorgen, dass Menschen zugunsten der Asylbewerber aus ihren Wohnungen ausziehen müssen und bittet um eine Stellungnahme. "Dieser Fall wird in Selm nicht vorkommen", gibt Mario Löhr eine klare Antwort.

20.24 Uhr: Ein Anwohner aus Bork habe sich in den vergangenen Wochen zwei Mal beim Ordnungsamt über Flüchtlinge beschwert, die im Bereich der Grünanlage am Sportplatz in Bork ihr Geschäft verrichten und dort Alkohol konsumieren. Löhr: "Das Ordnungsamt führe bereits Kontrollen durch, es gebe aber kein Personal für Überwachung rund um die Uhr."

20.15 Uhr: Ein Anwohner des Tannenwegs fragt nach der Beleuchtung im Bereich des Wanderwegs. "Der Auftrag zur Stromversorgung ist erteilt, in etwa zwei bis drei Wochen soll er ausgeführt werden", erklärt Hecker. Zweiter Kritikpunkt des Mannes ist eine Lautsprecherdurchsage aus dem Bereich der Zeltstadt, diese störe insbesondere am frühen Morgen. Bürgermeister Mario Löhr verspricht Gespräche über eine mögliche Lösung.

20.03 Uhr: "Uns Helfern platzt bald die Hutschnur", sagt ein Mann von den "Schicksalshelfern". Jeden Tag müsse man an der Kleiderkammer Menschen abweisen, diese bitten dort mit nackten Füßen und frierend um warme Kleidung bitten, schildert der Helfer. Der Ehrenamtliche beklagt mangelnde Gesprächsbereitschaft seitens des Roten Kreuzes. Hans-Jürgen Hecker spricht von Anlaufschwierigkeiten: "Die Menschen müssen gleich behandelt werden, deshalb mache man gleich beim Aufnahmeverfahren eine erste Bedarfsanalyse." Die Stadt will keine Ausgabe der Kleider im Dorf in Bork, um keine unnötigen unkontrollierbaren Situationen zu risikieren, erklärt nun Mario Löhr und erinnert an den ersten Tag der Ausgabe. Im Dorf vor dem alten Supermarkt kam es damals zu kleineren Tumulten bei der Ausgabe. Als Bürgermeister habe er auch eine Verantwortung gegenüber den Bürgern.

19.59 Uhr: Die Herkunft der Flüchtlinge in Bork interessiert einen Besucher. Der Großteil komme im Moment aus Syrien, gefolgt vom Irak und Nordafrika, es gebe aber auch eine starke Zuwanderung vom Balkan. Der Rest der Bewohner verteile sich auf weitere Nationen.

19.50 Uhr: Eine Besucherin schildert ein Erlebnis aus dem Zug. Der Schaffner habe ihre Fahrkarte kontrolliert und bemerkte nach Aussage der Frau: "Oh, Sie steigen in Bork aus, da passen Sie aber bloß gut auf ihre Sachen auf." Die Frau ärgert sich über die Aussage. des Schaffners. Hans-Jürgen Hecker: "Der Satz ist natürlich Quatsch und ich denke, die Statistik von Herrn Volkmann (Vertreter der Kreispolizeibehörde Unna, Anmerkung der Redaktion) stützt meine Aussage." Hans Dieter Volkmann nennt die Aussage des Schaffners in seinem Statement "dummes Zeug". In Situationen wie dieser müsse man schlagfertig sein und ihn fragen, "welches schlechte Kraut er geraucht habe", so der Leitende Polizeidirektor. Die Zahlen sprechen laut Volkmann eine deutliche Sprache. Im Zeitraum vom 31. August bis 16. Oktober des letzten Jahres gab es in Selm insgesamt 228, in diesem Jahr lag die Zahl im gleichen Zeitraum bei 186 Fällen. "Flüchtlingsunterkünfte sind kein Hort des Verbrechens."

19.45 Uhr: Hans-Jürgen Hecker nimmt noch einmal zur ersten Frage Stellung. Die Verweildauer der Menschen in Bork werde sich nach dem Aufbau neuer Registriertstellen im Land Nordrhein-Westfalen - eine Stelle gibt es unter anderem am Flughafen Münster-Osnabrück - vermutlich von mehreren Wochen auf wenige Tage reduzieren, erklärt der Vertreter des Roten Kreuzes.

19.43 Uhr: Ein Bürger bemängelt den Eingangsfilm, im fehle es an Eindrücken aus dem täglichen Leben der Flüchtlinge. Der Mann regt noch mehr ehrenamtlichen Einsatz an, denn in Bork gebe es diese Hilfsangebote.

19.39 Uhr: Viktor Ocansey eröffnet die Fragerunde für die anwesenden Bürger. Eine Bürgerin fragt, wieviele Flüchtlinge seit ihrer Ankunft in Kommunen weiter vermittelt werden konnten und die Folge ist Schweigen. Am Podium kann keiner der Anwesenden diese Frage adhoc beantworten, dies sei eher eine Frage für den Vertreter der Bezirksregierung. Bürgermeister Mario Löhr verspricht die Zahlen nachzuliefern und widerspricht - so wörtlich - "Scheißhausparolen" über dreitausend Menschen in der Zeltstadt.

19.33 Uhr: Leitender Polizeidirektor Hans Dieter Volkmann von der Kreispolizeibehörde Unna hat das Wort. Der Plan des zusätzlichen Streifenwagens für Selm habe man mit Unterstützung der Kollegen aus der Zuständigkeit der Polizeipräsidien Dortmund und Recklinghausen umsetzen können, diese übernehmen an zwei Tagen in der Woche den verstärkten Streifendienst für Selm. Die Mehrfachbelastung falle der Polizei nicht leicht und koste eine Menge Kraft, bestimmte Aufgaben musste man zurück schrauben, etwa im Verkehrsbereich.

19.28 Uhr: Hans-Jürgen Hecker, der Vertreter des Deutschen Roten Kreuz, dankt den Bürgern und freut sich auf die Veranstaltung. Hecker kündigt an, dass man gemeinsam im Dialog bleiben wolle, etwa bei weiteren Treffen dieser Art. Sein Resümee nach mehreren Wochen Betrieb der Zeltstadt fällt positiv aus, abgesehen von kleineren Störungen. Die Außenwände der Zelte werde man in den nächsten Tagen zur besseren Wärmeisolierung noch austauschen, außerdem geht ein "Kinderzelt" in den Betrieb. Mängelmeldungen aus der Ecke der Bürger wolle man weiter direkt nachgehen, so Hecker.

19.27 Uhr: Der Kontakt zu den Bürgern, auf ganz persönlicher Ebene wie etwa bei einem ersten Anwohnertreffen, habe viele Probleme lösen können und Löhr verspricht weiter Hilfe auf kurzen Wegen bei Schwierigkeiten.

19.20 Uhr: Mario Löhr kommt als erster Redner zu Wort. Der Bürgermeister äußert seine Enttäuschung, dass nicht noch mehr Bürger in die Mensa gekommen sind und gibt einen persönlichen Rückblick. Löhr dankt den Ehrenamtlichen, die sich Tag für Tag rund um die Unterkunft engagieren, immer wieder gebe es Anrufe neuer Helfer bei der Hotline der Stadt Selm. Viele Dinge seien in den letzten Wochen passiert und nicht alles sei optimal verlaufen, auch nicht in der Verwaltung. Selm habe in der Verwaltung umorganisieren müssen, das hatte laut Löhr auch Auswirkungen auf manche Leistungen in der Verwaltung und der Bürgermeister bittet für Einschränkungen um Entschuldigung.

19.14 Uhr: Viktor Ocansey spricht nun über das Willkommensfest für die die Flüchtlingskinder am Montagvormittag in Bork und wieder gibt es Bilder zu sehen - online finden Sie einen Bericht auch bei uns im Lokalkompass: Link.

19.09 Uhr: Die Leichtbauhallen, die Wohneinheiten der Zeltsatdt sind zuerst im Bild. Die Zelte werden in der kalten Jahreszeit beheizt, also auch schon im Moment. Der Blick geht vom Gelände nun ins Innere der Zelte. Die Gäste der Infoveranstaltung sehen die Schlafräume, die sanitären Anlagen und die Ankunft der ersten Flüchtlinge. Sevinc Coskuneren führt für die Polizei durch den Film und erklärt die einzelnen Bilder.

19.04 Uhr: Die Mensa ist gut gefüllt, nach Schätzungen der Polizei sind es etwa 350 Menschen, und Viktor Ocansey, der Pressesprecher des Landesamtes, eröffnet den Abend. Zum Start in die Infoveranstaltung gibt es gleich zunächst einen Film über die Zeltstadt.

Thema "Flüchtlinge" im Kreis Unna:
> Puppen erklären Flüchtlingen den Verkehr
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