E-Mobilität: Löwe, Blitz und Co. unter Strom

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Der Renault Zoe erzeugt unter dreißig Stundenkilometern ein elektronisches Motorgeräusch zur Warnung für Fußgänger und Radfahrer. (Foto: Peter Meißner / moment-fotografie.de)
 
"Klein aber oho" passt auf den kleinsten Wagen unserer Testreihe. Gestatten: Smart Fortwo Electric Drive aus dem Hause Daimler. (Foto: Peter Meißner / moment-fotografie.de)
 
Im Test zeigt sich der der Peugeot iOn als bodenständiger Begleiter für kürzere Wege,mit Kind(ern) und Einkauf, gerne im Stadtverkehr. (Foto: Peter Meißner / moment-fotografie.de)
Ist Elektro-Mobilität die Technologie der Zukunft? Der Lüner Anzeiger sucht in seiner aktuellen Serie Antworten auf diese Frage. Ladestationen und die Versorgung mit frischer Energie nahm unsere Redaktion schon unter die Lupe, im dritten Teil ging es auf die Piste. Vom Löwen bis zum Blitz, vom Peugeot bis zum Opel gingen für uns sechs "Elektriker" an den Start.

Fuchs und Hase sagen sich hier nach Feierabend gute Nacht, doch am Tag gibt es auf dem alten Bundeswehrgelände zwischen Lünen und Bork ordentlich Action. Das Forschungs- und Technologiezentrum Ladungssicherung Selm (F&T LaSiSe) hat hier seit einigen Jahren inmitten von Wäldern und Feldern und in direkter Nachbarschaft zur Polizeischule Bork seinen Sitz. Das Team arbeitet ständig an der Verbesserung der Sicherheit auf den Straßen, unter anderem im riesigen Freiluft-Labor mit Hightech-Fahrstrecken. Ideale Bedingungen für den Test der sechs Elektro-Autos und LaSiSe-Geschäftsführer André Bubenzer dem Lüner Anzeiger das Gelände gerne zur Verfügung. Einen Auto-Experten nahmen wir auch für die bildliche Umsetzung mit ins Boot. Fotograf Peter Meißner aus Lünen arbeitet für bekannte Namen der Automobil-Industrie und nahm für unseren Test die E-Fahrzeuge mit der Kamera ins Visier. Im Test sind Zahlen, Daten und Fakten weniger unser Ziel - das ist ganz klar Sache der Auto-Magazine - uns geht es um den ersten Eindruck, das Fahrverhalten und das Abschneiden in Alltags-Situationen. Ist E-Mobilität eine echte Alternative? Zur Test-Ausstattung gehören Einkaufskisten und Wasserkästen. Viele E-Modelle sind aufgrund ihrer Reichweite zwar (noch) nicht die ideale Lösung für die Fahrt in den Familienurlaub, zum Beispiel als Cityflitzer oder für die kürzere Strecke zur Arbeit aber eine interessante Variante. Ein Kindersitz steht ebenfalls für den Test bereit, in unserem Fall ein Reboarder und das hat einen guten Grund. Reboarder werden rückwärts im Auto verbaut und gelten als besonders sichere Variante, brauchen allerdings auch deutlich mehr Platz als ihre "normalen" Kollegen. Zuviel Platz für die E-Flitzer? Fragen, die wir im Test beantworten wollen, natürlich aber nicht ohne eine kurze Probefahrt über das Gelände. Vorweg: Spaß machen uns die sechs E-Fahrzeuge im Test alle - wieviel Spaß sie dem individuellen Nutzer auf der Straße machen, ist wohl auch eine Sache der persönlichen Ansprüche.

Doppelherz, Akrobatik und Zwergenpower

Renault Zoe: Renault macht den Anfang. Zoe heißt das E-Fahrzeug aus dem Stall der Franzosen und ist eine Mischung aus Kleinwagen und Mittelklasse. Vierhundert Kilometer Reichweite schafft der Flitzer; jedenfalls nach Herstellerangaben. Ob die Werte passen oder wie sehr sie von der Realität abweichen können wir nicht prüfen - so lang ist die Strecke doch nicht auf dem LaSiSe-Gelände. Was wir prüfen können, ist das Fassungsvermögen des Kofferraums. Zwei Einkaufskisten passen übereinander, dazu eine Wasserkiste und dann bleibt noch immer Platz. Für Kindersitze bietet Renault Zoedrei Mal Isofix auf Rückbank und Beifahrersitz, das sind mit der Karosserie fest verbaute Befestigungspunkte. Der Reboarder passt ohne Probleme auf die Rückbank und der Beifahrer hat noch genug Beinfreiheit. Weniger Komfort bleibt mit dem Reboarder hinter dem Fahrersitz. Knie stößt an Lenksäule. Für Kurzstrecken vielleicht noch so gerade okay, für längere Fahrten ein absolutes No-Go. Sicherheitsplus: Der Wagen erzeugt unter dreißig Stundenkilometern ein elektronisches Motorgeräusch zur Warnung für Fußgänger und Radfahrer.

Smart Fortwo Electric Drive: "Klein aber oho" passt auf den zweiten Wagen. Gestatten: Smart Fortwo Electric Driveaus dem Hause Daimler. Der Kleinste der Testreihe bringt es laut Hersteller auf eine Reichweite von 160 Kilometern und ist - es steckt schon im Namen - ein Zweisitzer. Der Beifahrer darf durchaus ein Kleinkind im Reboarder sein, denn der Sitz bietet Isofix und genug Platz für die Montage. Freundinnen auf Shoppingtour haben Flitzer aber sicher auch ihren Spaß und das liegt nicht nur am stylischen Inneren. Im Test überrascht der Smart als echtes Raumwunder. Zwei Einkaufkörbe stapeln wir ohne Probleme im Kofferraum, dazu kommt ein Kasten Wasser und nebenan liegt sogar noch das Ladekabel. 82 Pferdestärken bringen den E-Smart bei unserer Testfahrt schnell auf Touren.

Peugeot iOn: Von Peugeot kommt der iOn, eines der älteren E-Fahrzeuge. Vom Design des Innenraums ist der elektrische Peugeot deutlich zurückhaltender als die oft futuristisch anmutenden Kollegen, das bedeutet aber keinen Verzicht auf Komfort wie Sitzheizung oder Klimananlage. Extras dieser Art sind bei Elektromobilität aber grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind Energiefresser. Der Viersitzer schafft laut Hersteller eine maximale Reichweite von 150 Kilometern, wer dann Strom tanken will, für den gibt es  beim Peugeot iOn sogar die Möglichkeit zum Schnelladen. Akku voll in knapp über einer halben Stunde. Die Rückbank hat zwei Isofix-Punkte. Der Reboarder passt und wenn der Beifahrer nicht gerade die Maße eines Profi-Basketballers hat, sitzt auch er ohne größere Abstriche. Der Kofferraum bietet Platz für zwei gestapelte Einkaufskörbe und eine Kiste Wasser. Im Test zeigt sich der der Peugeot iOn als bodenständiger Begleiter für kurze Wege, gerne im Stadtverkehr.

Audi A3 Sportback E-tron: Vierter im Bunde ist der Audi A3 Sportback E-tron, als einziger Wagen im Sechser-Reigen kein reiner "Elektriker". Der Audi ist ein sogenannter Plug-In-Hybrid, er kombiniert - so beschreibt es der Autohersteller auf seiner Homepage - "die Stärken eines Elektroantriebs mit den Vorzügen eines Verbrennungsmotors". Der Elektromotor schafft nach Herstellerangaben rund fünfzig Kilometer, dank der Kombination mit dem Benzinmotor ist der E-Tron aber auch tauglich für Langstrecken von bis zu achthundert Kilometern. Wenn der Akku schlapp macht, springt der Benziner ein; ist die Batterie aber voll geladen, hat sie den Vorzug. Drei Mal Isofix machen den Audi auch für Familien interessant und auch der Kofferraum hat neben unseren zwei Einkaufskisten und einem Kasten Wasser noch Platz für mehr Gepäck.

Opel Ampera E: Wiedersehen mit einem alten Bekannten - auch wenn der nun ein anderes Gesicht hat als vor vier Jahren. Die Redaktion des Lüner Anzeigers testete damals den Opel Ampera, ein auffälliges Vehikel. Heute hat der neue Ampera noch ein "E" im Namen, ist etwas bodenständiger im Design und fährt nur mit Elektro-Power bei einer Höchstreichweite von fünfhundert Kilometern laut Hersteller. Platz satt bietet der Innenraum mit zwei Mal Isofix und einem Kofferaum-Volumen von fast vierhundert Litern. Unsere Einkaufskisten und der obligatorische Wasserkasten wirken etwas verloren, da passt definitiv noch eine Menge mehr Gepäck. Aber! Wer Ampera E fahren will, braucht Geduld. Der Großteil der Produktion geht im Moment nach Skandinavien, hier ist Elektro-Mobilität schon viel akzeptierter als in Deutschland. Für Kunden in Deutschland bedeutet das eine Wartezeit von etwa zwei Jahren  - nach Reservierung eines Ampera E über Opel.

BMW i3: Der BMW i3 beendet unsere Testreihe. Ein Auto mit auffälligem Design, vier Sitzen und ordentlich Beschleunigung. Die Reichweite benennt der Hersteller mit bis zu dreihundert Kilometern. Lob verdienen die Münchner für die Ausführung der beiden Isofix-Punkte. Plastikkanäle erleichtern den Einbau von Kindersitzen auf der Rückbank -  jedenfalls für kleine Menschen. Denn Reboarder und der BMW i3 sind auf alle Fälle keine Liebesbeziehung. Die Ausführung der Türen, die als Portal zu beiden Seiten öffnen, ist zwar eine schicke Idee. Tür und C-Säule machen den Einbau eines Reboarders aber gerade für größere Menschen schwierig und das Kinde dann durch das verbleibende Loch in den Sitz zu zirkeln, grenzt gar an pure Akrobatik. Zwei Kisten und ein Kasten Wasser passen in unserem Test nebeneinander in den Kofferraum, allerdings erfüllt der BMW i3 auch hier nicht die Platzerwartungen und die Kanten der Kisten sitzen auf Spannung. Der Fahrspaß kommt aber nicht zu kurz, der BMW ist zackig auf hundert Stundenkilometern und wer nicht unbedingt Kinder im Reboarder oder große Dinge im Kofferraum transportieren möchte, hat am I3 sicher Freude.

Thema "Elektro-Mobiliät" im Lokalkompass:
E-Mobilität: Auto tanken an der Steckdose
> Elektro-Tankstellem sind "made in Lünen"
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