Holger ist ein Freund der Obdachlosen

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Mütze auf dem Kopf, Rucksack auf dem Rücken - so geht Holger Brandenburg auf Tour. (Foto: Magalski)
Holger Brandenburg schultert sein Gepäck. Der Rucksack mit dem Tarnfleck-Muster ist ständiger Begleiter auf den Touren durch das Ruhrgebiet. Der Mann aus Gevelsberg besucht Obdachlose, an diesem Abend zum ersten Mal im Kreis Unna.

Bahnhöfe oder Fußgängerzonen sind beliebte Treffpunkte - in großen Städten wie Essen oder Dortmund folgt die Obdachlosen-Szene dieser einfachen Regel. Im Kreis Unna? Holger Brandenburg hat keine Ahnung, denn der Kreis ist Neuland. Das Industriegebiet am Rande von Unna war der Tipp einer Anlaufstelle für Obdachlose. Der Wind pfeift, der Regen prasselt wie aus einer Dusche - hoffentlich haben die Obdachlosen wenigstens in dieser Nacht ein Dach über dem Kopf. Holger Brandenburg dreht eine erste Runde durch das Gewerbegebiet, doch von Menschen ohne Wohnung gibt es keine Spur. Die Idee zum Projekt für Obdachlose kam dem Frührentner bei einem Spaziergang Anfang November mit Hund Ben. „Das Wetter war mies, es war kalt und wir wollten nach Hause. Was machen Menschen, die auf der Straße leben müssen, bei dieser Witterung, fragte ich mich“, erzählt Brandenburg. Die Frage wurde zum Ausgang seines Handelns.

Obdachlosen helfen - schau nicht weg

Holger Brandenburg gründete eine Facebook-Gruppe mit dem Titel „Obdachlosen helfen - schau nicht weg“, mittlerweile sind es rund dreihundert Mitglieder, einige Gruppenmitglieder unterstützen die Aktion mit Spenden, andere gehen mit auf Tour. Der Rucksack auf Brandenburgs Rücken ist fünfzehn Kilo schwer und bis zum Rand voller Spenden. Decken, warme Fleece-Pullover, Hosen und andere nützliche Dinge für das Leben auf der Straße, manchmal Schokolade. Die Thermoskannen mit Kaffee und Tee gehören ebenfalls ins Gepäck. Holger Brandenburg sucht die Obdachlosen, setzt sich zu ihnen auf den Boden, redet mit ihnen oder trinkt einfach nur einen Kaffee. „Die Menschen lernen uns kennen und wir erfahren, was die Menschen wirklich brauchen“, sagt Brandenburg. Die Gruppe sammelt so wichtige Informationen für den nächsten Besuch, denn dann packen der Gevelsberger und die anderen Helfer gezieltere Hilfe in ihre Taschen, zum Beispiel warme Schuhe.

Menschen mit eigener Geschichte

Menschen – dieses Wort fällt oft im Gespräch. „Ich möchte, dass Obdachlose als Menschen gesehen werden. Wenn Passanten in der Fußgängerzone in Zukunft nicht einfach an Obdachlosen vorbeigehen, dann hat unsere Aktion schon viel gewonnen. Die Gesellschaft sollte Respekt vor Obdachlosen haben“, so Holger Brandenburg. Jeder Obdachlose habe seine eigene Geschichte und jeder Mensch könne eines Tages das Dach über dem Kopf verlieren, ob nun Banker, Bürokauffrau oder Bauarbeiter. Die Runde im Gewerbegebiet ist beendet, ohne einen einzigen Obdachlosen zu treffen und Holger Brandenburg steuert in Richtung Bahnhof. Kein Bahnhof ohne Obdachlosenszene, könnte man meinen, doch an diesem nassen Abend zeigt sich kein Mensch in der Unterführung oder hinter dem Bahnhofsgebäude. „Die Chance war da, dass wir Obdachlose treffen, wir haben heute etwas getan und das zählt“, zeigt Brandenburg keine Enttäuschung. Der Ausflug in den Kreis Unna war für den Mann aus Gevelsberg auch ohne ein Treffen mit einem Obdachlosen ein Erfolg.

Thema "Obdachlosigkeit" im Lokalkompass:
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1 Kommentar
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Peter Eisold aus Lünen | 14.01.2015 | 18:41  
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