Ilse Dietzel steht für ihr Leben gern in Lünen hinter‘m Tresen

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Ilse Dietzel und ein gut gezapftes Pils.
Lünen: Im Eckchen | „Den Fiffi gibt‘s seit 40 Jahren“, sagt die 79-jährige Ilse Dietzel. „Fiffi“, das ist Weinbrand mit Cola und dieses Getränk ist nur eine der vielen Geschichten aus dem Leben der Wirtin der Eckkneipe „Im Eckchen“.


Seit 55 Jahren steht Ilse, wie sie von den Gästen liebevoll genannt wird, nun schon hinter dem Tresen. Zum Jubiläum schaute sogar das Fernsehen vorbei. Die 79-Jährige nimmt den Rummel um ihre Person aber ganz gelassen hin. Ilse feierte in ihrer kleinen Kneipe mit ihren Gästen und ging ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Hinter dem Tresen wirbeln und sich um die Gäste kümmern. „Man kennt sich, wir sind wie eine Familie“, so die Wirtin.

„Im Eckchen“ ist die Kulisse fast filmreif. Eine Zeitreise in die 60er Jahre. Der geschwungene Tresen im Stile eines Nierentisches ist das Zentrum der kleinen Kneipe. Auch das restliche Interieur in den knapp 40 Quadratmetern ist „wie damals“, erzählt Ilse. Zusammen mit ihrem Mann Harald, er verstarb 1994, eröffnete sie die Kneipe am 16. Mai 1958. Ohne Heirat hätten sie die Kneipe gar nicht übernehmen dürfen. „Manche haben wegen eines Kindes geheiratet, wir wegen der Kneipe“, blickt die Wirtin lachend zurück.

Das Flair der Eckkneipe: eine filmreife Kulisse

Mit ihren 79 Jahren ist sie wohl eine der ältesten Wirtinnen in NRW. „55 Jahre hinter dem gleichen Tresen erfolgreich zu stehen. Das ist fast einmalig in NRW oder sogar ganz Deutschland“, staunte auch Thorsten Lachmann von Getränke Gefromm. Ob Ilse selbst diesen Schritt ins Gaststättengewerbe noch mal machen würde? „Och, warum eigentlich nicht“, sagt sie und zapft dabei ein Pils.
Das Stammpublikum ist natürlich auch zum Jubiläum da. Auch Ilses Geburtstage werden stets in der Kneipe gefeiert. „Hier ist es gemütlich. Es gibt Häppchen und Ilse ist nett und freundlich. Hier gab es noch nie Theater“, berichten die Gäste. „Wacholder? Haben wir jede Menge“, antwortet Ilse derweil auf die Frage der Mitarbeiterin Ingrid, die damals schon zu den Gästen zählte, als sie noch in der Lehre war. Ingrid lernte ihren Mann Klaus „Im Eckchen“ kennen und auch die standesamtliche Heirat wurde in der kultigen Eckkneipe gefeiert.

Auch junges Publikum geht zu Ilse

Diese Geschichte scheint symbolisch für den Erfolg der netten Wirtin zu sein. „Die Gäste sind viele alte Freunde“, sagt Ilse. Aber auch die Jugend schätzt das familiäre Flair in der Kneipe. „Es kommen junge Leute und Studenten, das ist toll“, so die Wirtin, die weitermachen will, solange es gesundheitlich geht. Seit 55 Jahren steht sie an sechs Tagen in der Woche um 5.30 Uhr auf und kehrt nach der Arbeit gegen 24 oder 2 Uhr heim. Ilse liebt ihren Job, nur so kann man es verstehen, dass sie auch nach über fünf Jahrzehnten noch für ihr Leben gerne zapft.
Eine der Spezialitäten des Ladens, neben perfekt gezapftem Pils mit malerischer Schaumkrone, ist der „Fiffi“. Aber den kennen Sie als aufmerksame Leser ja bereits.

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> Vom Morgenland in die Kneipe
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1 Kommentar
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Eberhard Kamm aus Kamen | 18.05.2013 | 13:47  
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