Isabell Schneider bringt Hilfe für die Seele

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Isabell Schneider ist neue Notfallseelsorgerin im Kreis Unna. (Foto: Magalski)
 
Zigaretten, Taschentücher, Kerze und Stofftier - das hat Isabell Schneider für Notfälle immer im Rucksack. (Foto: Magalski)
Tod und Trauer verbannen Menschen aus ihrem Leben, doch wenn die Seele brennt, sind Isabell Schneider und ihre Kollegen zur Stelle. Die Lünerin machte die Ausbildung zur Notfallseelsorgerin.

Im Berufsleben ist sie Pastoralreferentin in Sankt Marien, einer ihrer Schwerpunkte ist der Beerdigungsdienst. Tod und Trauer sind jeden Tag präsent, dazu kommt nun das Ehrenamt. Die Ausbildung zur Notfallseelsorgerin mit viel Theorie dauerte ein halbes Jahr, gefolgt von einem Kurzpraktikum auf einem Rettungswagen. Seit Mitte Februar ist Isabell Schneider bereit für den Ernstfall. Unfälle mit tödlichem Ausgang sind eher die Ausnahme bei Einsätzen, meist bringen "alltägliche" Dinge die Welt aus den Fugen. Der Herzinfarkt etwa, der einen Menschen aus dem Leben reißt oder plötzlicher Kindstod. Notfallseelsorger wie Isabell Schneider werden dann zum Beispiel vom Rettungsdienst gerufen oder begleiten die Polizei bei der Überbringung der schlimmen Nachricht. Der Tod eines Menschen ist nicht immer der Grund für einen Einsatz der Notfallseelsorger. Ende Januar standen Notfallseelsorger nach dem Austritt von Reizgas an einer Schule in Selm Schülern für Gespräche zur Verfügung. Im Kreis Unna gibt es fünfundzwanzig dieser Menschen, alle im Ehrenamt. Von Januar bis Dezember letzten Jahres wurden sie zu knapp über hundert Einsätzen gerufen, davon jeder vierte in Lünen.

Stofftier, Traubenzucker und Zigaretten

Notfallseelsorge ist in erster Linie keine Sache des Glaubens oder der Konfession, sondern im besten Wortsinn die Sorge um die Seele in einem Notfall. Ob Christ oder Muslim spielt da keine Rolle. Wer Hilfe möchte, bekommt Hilfe. "Schlimmes kann ich nicht ungeschehen machen, ich kann die Situation nicht ändern, aber ich kann für die Menschen da sein und sie mit ihrem Schmerz nicht alleine lassen", sagt Isabell Schneider. Notfallseelsorge hat dabei so viele Facetten wie die Reaktion der Betroffenen. Menschen reagieren mit Trauer, mit Wut, mit Aggressivität oder abweisenden Verhalten auf die Nachricht vom Tod eines geliebten Menschen und haben ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Schweigen, reden, ein Gebet für den Verstorbenen sprechen, "vieles kann, nichts muss", sagt Isabell Schneider. Ihr Begleiter ist ein schwarzer Rucksack, bepackt mit erster Hilfe für den Notfall. Kein Verbandszeug, keine Medikamente, sondern eben Dinge für Menschen in Ausnahmesituationen. Isabell Schneider packt aus, legt Taschentücher, eine Flasche Wasser, Traubenzucker, eine Kerze, einen Stoff-Affen für Gespräche mit Kindern und Zigaretten auf den kleinen Tisch. "Rauchen ist für manche Menschen in so einem Moment ganz wichtig und wenn ihnen die Zigarette hilft, ist ja auch das irgendwie eine Form von Seelsorge", meint die Lünerin.

Weihwasser statt Pfefferminz-Bonbons

Eine Dose aus Metall fällt ins Auge, doch im Inneren sind keine Pfefferminz-Bonbons, sondern ein Rosenkranz, ein Kreuz und Weihwasser in einem kleinen Gefäß aus Glas. Bibelstellen und Gebete kann Isabell Schneider, das bringt der Beruf mit sich, eh aus dem Kopf. Isabell Schneider lacht viel, sie ist ein fröhlicher Mensch - wie erträgt sie die Traurigkeit im täglichen Berufsleben und nun noch im Ehrenamt? Zu Einsätzen gibt es Nachbesprechungen, dann ist da der Austausch mit Kollegen und nicht zuletzt bleibt Isabell Schneider das Gespräch mit Gott. "Im Gebet kann ich alles ablegen, das ist mein Ventil." Weitere Informationen zur Notfallseelsorge im Kreis Unna gibt es online unter www.notfallseelsorge-unna.de.

Thema "Notfallseelsorge" im Lokalkompass:
> Tempo-Tod - das Ende einer Frühlingsnacht
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