Mofa-Clubs geben Gas für den goldenen Tank

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Sonntag brachten die Mofaighters aus Lünen den goldenen Tank quer durch den Pott... (Foto: Magalski)
 
...eine Tour für neunzehn ganze Kerle und eine Frau. (Foto: Magalski)
Mofa-Abgase sind ihr Parfum, das Kettenfett ihre Handcreme und der goldene Tank ist ihre Mission! Von Flensburg nach München fahren Mofa-Clubs seit Anfang August für den guten Zweck quer durch die Republik. Sonntag machte die neunte Etappe der Tour im Revier Station. Die Mofaighters aus Lünen brachten den Spenden-Tank nach Dinslaken.

Im Schatten der Glashütte an der Schulstraße schmieren sich die Mofa-Helden am Morgen ihre Brötchen. Eier, Wurst, Käse und Nutella sind ein angemessenes Mofa-Frühstück. Knopprad Koppel, die Böhsen Schnöselz und die Mofasas brachten den goldenen Tank am Samstag aus dem Münsterland über Selm nach Lünen und stärken sich nach einer Nacht im Zelt nun für die Heimfahrt. Die Mofaighters und einige Gastfahrer tanken Kraft für die schwere Etappe nach Dinslaken. Lokalmatador Björnsen und seine Jungs von den Kobras warten hier auf den goldenen Tank. Die Kobras nennen sich mit der allen Mofa-Fahrern eigenen ganz bescheidenen Art den "wohl geilsten Mofa-Club der Welt" und hatten auch die Idee für die verrückte Tour durch Deutschland. Das Geld geht nach Ende der Tour in München an die Arche Deutschland, einen Verein für Lebensgemeinschaften von Menschen mit und ohne geistige Behinderung.

Mofa-Tour ist eine kleine Weltreise

Ihre Reiseroute führt die Mofaighters von Lünen quer durch's Revier nach Dinslaken am Niederrhein. Waltrop, Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herne, Gelsenkirchen, Gladbeck und Bottrop liegen auf dem Weg. Im Auto über die Autobahnen ohne Stau eine Sache von einer Stunde, auf Mofas über kleine Nebenstraßen und enge Wege aber eine halbe Weltreise. Lünen ist für Mofa-Begriffe schnell erledigt, die Sonne brennt auf den Helm. Durch Waltrop geht es nach Recklinghausen und immer tiefer in den Ruhrpott. Was dem Cowboy der Wilde Westen, ist dem Mofa-Fahrer das Revier. Links der Kanal, rechts die Emscher. Relikte aus der Bergbauzeit grüßen am Wegrand. Natur wechselt mit Industrie. Das Knattern der Mofas hallt in den Straßenschluchten von den Fassaden der alten Zechenhäuser wieder, die Mofa-Gang sorgt für Aufsehen. Menschen am Straßenrand zücken ihre Handys, machen Fotos und Videos. Autofahrer recken den Daumen aus dem Fenster und Motorradfahrer heben die Hand zum Gruß, es sei denn sie schleichen hinter den Mofaighters im beißenden, blauen Dunst der Zweitakt-Motoren. Schnelligkeit ist nicht die große Stärke der kleinen Maschinen, langsamer sind in der Regel nur Radfahrer und Fußgänger. Den Mangel an Schnelligkeit kompensieren die Mofaighters aber durch ein extrem cooles Äußeres. Jogginghose, Feinripp-Unterhemd, Fuchsschwanz und Lederkutte. Ruhrpott-Klischees auf zwei Rädern.

Frikadellen mit Senf und zwei Pannen

Gladbeck ist am Nachmittag erreicht und bisher verlief die Tour ohne Probleme, dann macht die Maschine von Jeti mitten auf der Hauptstraße Zicken. Motor aus, der Fußweg ist die letzte Rettung. Mofa-Fahrer wissen um das Innenleben ihrer Maschinen bis zum letzten Tropfen Öl, ohne Technik-Kenne endet die große Freiheit im Zweifel beim ersten kleinen Schluckauf des Zweitakters. Jeti hat Glück und findet den Fehler, einen winzigen Span an der Zündkerze. In Höchstgeschwindigkeit, also mit maximal fünfundzwanzig Stundenkilometern, geht's zurück auf die Straße - bis zur nächsten Panne nach wenigen Minuten. Das Gladbeck-Karma schlägt wieder zu und dieses Mal hat Moped-Pascal ein Problem! Sein Mofa versagt den Dienst. Der Mechaniker der Mofaighters packt das Werkzeug aus, löst die Schrauben an seiner alten Tiko Tiko und wühlt in den "Tiefen" des sehr überschaubaren Motors. Der Großteil der übrigen Mofaighters glänzt in der Zwischenzeit eher mit Abwesenheit, kauft Frikadellen und Bockwurst pur mit Senf an der Bude an der Straßenecke. Brötchen hat der Kiosk-Besitzer eh nicht mehr, wahrscheinlich stand aber auch noch nie eine Horde hungriger Mofa-Rocker vor seiner Theke. Sprüche klopfen über Pascals schweres Schicksal klappt ohnehin viel besser gestärkt mit Bulette und der Bockwurst im Mundwinkel. Wer den Schaden hat, der braucht für den Spott nicht zu sorgen, dieser Satz gilt auch für Moped-Pascal.

Dinslaken - der Gral ist am Ziel

Seine Mofa gibt den Grund ihres temporären Stillstands trotz eingehender Untersuchung nicht preis und so kommt der Mechaniker samt Maschine ans Abschleppseil. Gladbeck, die Stadt der Pannen, lassen die Mofaighters nun hinter sich und düsen durch Bottrop weiter zu den Kobras. Zehn Kilometer vor Dinslaken läuft das Mofa von Moped-Pascal aus unerfindlichen Gründen plötzlich wieder und der Mechaniker schräbbelt aus eigener Kraft ins Ziel. Der Hintern schmerzt nach acht Stunden und achtzig Kilometer auf dem Hobel bei allen Mofaighters, doch am Ende zählt trotz aller Entbehrungen nur die Mission: Der Gral der Mofa-Fahrer, der goldene Tank, ist in Dinslaken! Die Mofaighters haben ihren Teil der Reise erfüllt, nun sind andere an der Reihe. Die Kobras bringen den Tank am nächsten Tag ein paar Kilometer weiter nach Süden.

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