Muna: Bomben brachten in Bork den Tod

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Blick auf den Eingangsbereich der Muna und die Zufahrt an der Hermann-Göring-Straße. Am Mast weht die Hakenkreuz-Fahne. (Foto: Heinz Tarrach / Foto Heta)
 
Luftaufnahme der Alliierten nach dem Fliegerangriff auf den Eingangsbereich der Muna mit Bombentrichtern. (Foto: NARA / Luftbilddatenbank Dr. Carls GmbH)
Flieger der Alliierten brachten an einem Nachmittag im März den Tod. Bomben fielen ohne jede Vorwarnung auf die Luftwaffen-Hauptmunitionsanstalt. Der Angriff dauerte nur Minuten und kostete viele Menschen das Leben - ein Heft erinnert siebzig Jahre später an den schlimmsten Luftschlag des Krieges auf Bork.

Herausgeber des Heftes ist der Heimatverein Bork. Fredy Niklowitz im Hauptberuf Stadtarchivar in Lünen und im Ehrenamt Archivar des Heimatvereins berichtet auf vierzig Seiten über die bewegte Geschichte der Munitions-Fabrik. Hans-Jürgen Korn aus Lünen unterstützte mit Bildern. Die Volksbank Selm-Bork half dem Projekt mit einer Spende in Höhe von tausend Euro. Im Mittelpunkt steht in diesen Tagen besonders der Luftschlag vom 9. März 1945. Bombentrichter im Wald und Kreuze aus grauem Stein am Friedhof in Bork sind die Spuren der Tragödie vor siebzig Jahren. Die Luftwaffen-Hauptmunitionsanstalt, im Volksmund kurz Muna genannt, sicherte den Nachschub für die verhassten Deutschen und war aus diesem Grund ein lohnendes Ziel für die Alliierten. Hitlers Strategen tarnten die Produktionsstätten mit großem Aufwand. Die Gebäude lagen versteckt im Mischwald. Um Bomber in die Irre zu führen, errichteten die Nationalsozialisten in den Rieselfeldern zwischen Bork und Waltrop eine Muna-Attrappe, in der Nacht sogar samt Beleuchtung. Flugabwehr-Kanonen, meistens besetzt von Schülern des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, nahmen zum Schutz der Muna am Schloss Cappenberg und an der Alstedder Straße feindliche Flieger unter Beschuss.

Zivilisten warnten am Telefon vor Fliegern

"Mitten in einem Feld, drei Kilometer von der Muna entfernt, befand sich eine Flugwache", berichtet Fredy Niklowitz. Zivilisten aus Bork hielten hier in einem Erdbunker rund um die Uhr Ausschau nach feindlichen Fliegern und meldeten Aktivitäten direkt per Telefon an die Flak-Geschütze. Die "Spinnen" sind die Produktionshäuser auf dem Muna-Gelände. Die Gebäude tragen den Namen aufgrund ihrer seltsamen Form. Flakmunition, Minen, Leuchtmunition und chemische Kampfstoffe werden hier hergestellt, das Material dafür befindet sich in angrenzenden Hallen. Im Wald lagerte die fertige Munition in fast hundert Betonbunkern mit einem maximalen Fassungsvermögen von zehntausend Tonnen. Der Transport zur Front erfolgt über die nahe Bahnstrecke.

Luftschlag tötet viele Menschen

"Muna im Loch, wir finden dich doch!" Flugblätter mit dieser Aufschrift warfen die Allierten ab und am 9. März kam dieser Tag. Arbeiter warteten am Nachmittag nach Schichtwechsel im Eingangsbereich der Anlage an der Hermann-Göring-Straße auf die Heimfahrt. Der Fliegeralarm, der den ganzen Tag angedauert hatte, war Minuten zuvor aufgehoben worden - doch plötzlich und ohne Vorwarnung waren die Alliierten am Himmel über Bork. Muna-Attrappe, Flak und Flugwache - alle Sicherheits-Mechanismen versagten an diesem Tag. Die Bomben töteten fast achtzig Menschen, darunter zwölf Fremdarbeiter, auf der Stelle; hundert Menschen erlitten Verletzungen. Die Explosionen zerstörten die Schreinerei. Das Dach der Nähstube stürzte ein und begrub bis zu zwölf Arbeiterinnen. Die Gräber der Opfer finden sich auf den Friedhöfen in Bork und Selm.

Munition fordert Todesopfer

Die Toten des Luftangriffes waren nicht die letzten Opfer der Luftwaffen-Hauptmunitionsanstalt. Das Militär gab gegen Ende des Krieges die Muna auf und sprengte zum Schutz vor den Feinden die mit Munition gefüllten Bunker-Anlagen. Tage später suchten ein Vater aus Bork und seine beiden Töchter nach Brennholz im Muna-Wald. Die Mädchen stießen auf einen Bunker, überall lag Munition. "Als sie Artilleriebeschuss und Flugzeuggeräusche hörten - drei Kilometer entfernt gab es noch immer Kampfhandlungen - wollte die eine Schwester Deckung suchen, die andere schnellstmöglich nach Hause", wissen Niklowitz und Husemann. Eine Schwester trat auf Munition, ein Splitter traf sie ins Herz. Der Mai forderte die nächsten Todesopfer in der Muna. Ein Vater aus Altlünen und seine Tochter, gerade sechzehn Jahre alt, starben beim Hantieren mit gefundener Leuchtmunition. Heinrich Rotte, Mitarbeiter eines fünfzig Mann starken Räum-Kommandos, verlor acht Jahre nach Kriegsende sein Leben bei einer schweren Detonation.

Blausäure im Südfeldbach vergiftete Vieh

Probleme machten die Überreste der Munitions-Fabrik auch in anderer Hinsicht. Cyanid aus der Produktion, besser bekannt als Blausäure, floss zwei Mal von der Muna in den nahen Südfeldbach. Bäume verdorrten und Vieh verendete auf den Feldern am Bach - aufwändige Arbeiten zur Beseitigung der hochgiftigen Chemikalie waren die Folge. Die Natur hat sich siebzig Jahre nach der Bomben-Attacke den Wald der Muna zurück erobert - die Bombentrichter sind kleine Biotope, Moos wächst auf den zerstörten Betonwänden der Bunker. Die Munition, die so vielen Menschen den Tod brachte, verrottet aber auch nach Jahrzehnten noch im Boden der Muna.

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