Mutter hat nach Unfall Wut im Bauch

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Meryem Toprak mit ihrem Sohn Kerem an der Unfallstelle an der Kreuzung der Steinstraße mit der Wehrenboldstraße. (Foto: Magalski)
Kerem ist am Freitag mit dem Fahrrad auf dem Weg zur Schule und fährt gerade über den Zebrastreifen an der Steinstraße, da erfasst ihn ein Auto. Der Junge stürzt, im Schock spürt er keine Schmerzen. Seine Mama Meryem Toprak ärgert sich über die Autofahrerin.

Radfahrer müssen am Zebrastreifen eigentlich absteigen, das weiß Kerems Mutter Meryem Toprak, doch diese Frage steht für sie gar nicht im Vordergrund. "Kerem ist ja nicht erst auf die Straße gefahren, sondern war schon auf der Hälfte der Fahrbahn, da hätte die Frau ihn sehen müssen", sagt die Lünerin. Was Meryem Toprak wütend macht, so sagt sie, sei das Verhalten der Autofahrerin nach dem Unfall. Die Frau sei zwar sofort ausgestiegen und zu Kerem gerannt, doch als der geschockte Schüler ihr und einer weiteren Zeugin sagt, dass er keine Schmerzen habe und weder Namen noch Adresse nennt, verlassen die Frauen nach Schilderung der Mutter nach einiger Zeit den Unfallort. Die Polizei ruft niemand an diesem Morgen. Kerem macht sich unter Schock auf den Weg zum Unterricht an der Realschule Altlünen. Die Schmerzen im Oberkörper bemerkt der Junge in diesem Moment kaum, drei Stunden sitzt er, ohne ein Wort über den Unfall zu sagen, im Unterricht.

Vom Unfall erzählt Kerem erst nach Stunden

Im Laden seiner Mutter rollen nach Schulschluss dann die Tränen. Mama Meryem denkt erst an eine schlechte Note, schließlich gab es Halbjahres-Zeugnisse, doch dann erzählt ihr Sohn von dem Unfall am Morgen und von seinen Schmerzen. Ärzte stellen später die Diagnose: Der Zehnjährige hat eine gebrochene Schulter, trägt nun eine Art Rucksack aus Gips. Zur Verletzung kommt, so berichtet Meryem Toprak, noch der Schaden am Fahrrad. Das Vorderrad hat eine Acht. "Kerem ist doch ein Kind, und ein Kind kann man nicht einfach alleine lassen, das verstehe ich einfach nicht", schüttelt Meryem Toprak beim Ortstermin an der Steinstraße den Kopf. Die Familie erstattete Anzeige. Die Polizei Dortmund fahndete nach dem Unfall mit einem Aufruf in der Presse nach der unbekannten Autofahrerin. Sonntagnachmittag meldete sich die Gesuchte bei der Wache, nun laufen die Ermittlungen. Der Unfall ihres Sohnes weckt Erinnerungen bei Meryem Toprak: Ihre Tochter wurde vor einiger Zeit ebenfalls Opfer eines Unfalls, damals kam es an der Cappenberger Straße zur Kollision mit einem Auto. Die Autofahrerin damals machte sich gar nicht die Mühe, ihren Wagen zu verlassen, sprach nur kurz aus dem Seitenfenster mit dem Kind - und machte sich dann aus dem Staub.


Kindern fehlt Verständnis für die Tragweite

EIN KOMMENTAR VON DANIEL MAGALSKI

>> Unfälle sind schon für Erwachsene eine schlimme Sache. Der Schreck sitzt tief und die Bilder bleiben im Kopf, für immer oder zumindest eine ganze Weile. Wenn Kinder im Spiel sind, dann bekommt das Geschehen noch eine andere Tragweite und die verlangt von den Erwachsenen, die ja Vorbild sein sollen, eine besondere Sensibilität. Ein Kind lässt man nach einem Unfall nicht alleine, und wenn es tausend Mal beteuert, es sei alles in Ordnung. Kinder sind Kinder und als solche gar nicht in der Lage, die ganze Tragweite der Situation zu überblicken - da gibt es keine Diskussion. Autofahrer, die das anders sehen, steigen besser um auf Bus und Bahn. < <

Thema "Unfall" im Lokalkompass:
> Aktion: Fahrerflucht-Fälle steigen in Lünen
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