Pfadfinder suchten in Selm den Ironscout

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Die Stimmung war gut beim Ironscout am Wochenende in Selm. (Foto: Magalski)
 
Die Karte führte die Pfadfinder von Station zu Station. (Foto: Magalski)
Regen fällt am Nachmittag zur gleichen Zeit mit dem Startschuss für den Ironscout in Selm, doch die Pfadfinder suchen zum Glück ja nicht die größten Memmen, sondern das härteste Team in ihren Reihen. Von Freitag bis Samstag marschieren die Pfadfinder bis zu achtzig Kilometer.

Regen ist kein Problem und beim Blick auf die Ausrüstung mancher Gruppen kommt eh der Verdacht auf, selbst ein Sandsturm oder ein Hurrikan wären für diese Pfadfinder kaum ein Thema. Im Stadion am Gymnasium Selm ist das Lager, hier stehen die Zelte auf dem alten Fußballplatz. Zum Groß-Event kommen über neunhundert Pfadfinder aus vielen Ecken der Bundesrepublik, die Pfadfinder aus Selm kümmerten sich als Gastgeber seit siebzehn Monaten um die Organisation. Das Motto des Ironscouts in Selm ist "Humpel mit dem Kiepenkumpel" und hat seinen Ursprung in der Lage der Stadt zwischen Münsterland und Ruhrgebiet. Kiepenkerl und Bergmannskumpel sind hier alte Bekannte und die Kombination ergibt den Kiepenkumpel.

Messer, Kompass und die Karte

Die Spessart-Räuber sind schon alte Hasen beim Ironscout und besuchen seit vierzehn Jahren regelmäßig die Wettbewerbe. Die Pfadfinder mit den Seppl-Hüten bleiben aber bescheiden, sehen ihr Team nicht als Favorit um den Ironscout-Titel. "Spaß haben und Teamgeist stehen bei uns im Vordergrund", erklärt Patrick. Die Gruppe will sechzig bis siebzig Kilometer schaffen und in Sachen Ausrüstung setzen die Spessart-Räuber eher auf die Basis eines jeden Pfadfinders: Messer, Kompass, Stift, eine Taschenlampe für die Karte. Einen Rucksack teilen sich jeweils zwei Pfadfinder. Verpflegung gibt es ohnehin an den siebzehn Stationen - unter anderem in Lünen, Lüdinghausen, Werne, Waltrop und Olfen, allerdings auch mehr oder weniger gemeine Aufgaben. Die Stationen dürfen nur zur Fuß angelaufen werden, denn Verkehrsmittel jeder Art sind tabu und führen sofort zur Disqualifikation. Schlaf gibt es in dieser Nacht nicht, denn das Ziel sind möglichst viele Stationen.

Flachland als Nachteil für die Heubacher?

In Heubach, einer kleinen Stadt in der Nähe von Stuttgart, liefen in den letzten Monaten die Vorbereitungen für den Ironscout in Selm. Der Stamm St. Bernhard trainierte unter realistischen Bedingungen für das Event. Die Teilnehmer des Ironscout wurden am Abend mit dem Auto irgendwo "ausgesetzt" und suchten dann in der Nacht per Karte zurück den Weg nach Hause. Perfekte Vorbereitung, könnte man meinen, doch die Landschaft rund um Selm hat für die Baden-Württemberger aber auch ihre Tücken. Die Berge fehlen - ist das vielleicht ein Vorteil für die anderen Teams?

Wadenkrämpfe und Schrumpelfüße

Der Nachmittag vergeht mit vielen Kilometern und den ersten Stationen. Am Abend sorgt heftiger Regen für erschwerte Bedingungen: Matsche auf allen Wegen. Die Nässe dringt durch die Wanderschuhe, verwandelt die von Blasen geplagten Füße bei manchem Pfadfinder in schrumpelige Eisklötze. Die Lagerfeuer in den Jurten, den Stationszelten, haben Hochkonjunktur. Shirts und Jacken trocknen über den Flammen, die Gruppen riechen danach wie Räucherfisch. In Lüdinghausen entführen die Pfadfinder an der Burg ins Mittelalter inklusive Essen mit dem Burgherren und anschließender Flucht aus der Festung. Im Freibad am Cappenberger See in Lünen und an der Zeche in Waltrop werden die Pfadfinder zu Rettern im Zechenstollen und auf einer Weide in Südkirchen geht’s auf Zeitreise inklusive verrücktem Professor und Lichteffekten. Teamgeist und Technikverstand brauchen die Gruppen beim Bauen einer Kiepe aus Holz am äußersten Rand von Nordkirchen und in Olfen geht es in der Westernstadt zur Sache. Spaß ist garantiert, allerdings liegen zwischen den Stationen ja immer noch die verflixten Kilometer. Humpel mit dem Kiepenkumpel bekommt mit Wadenkrämpfen plötzlich eine sehr reale Bedeutung. Die Nacht überstehen nicht alle Teams, manche schmeißen das Handtuch und lassen sich vom Pfadfinder-Taxi zurück zur Basis in Selm bringen - nicht jeder hat das Zeug zum Ironscout.

Team aus Hiltrup holt sich den Titel

Im Laufe der nächsten Stunden trudeln nach und nach die Gruppen wieder im Stadion ein, das Rote Kreuz behandelt Blasen an den Füßen im Akkord. Pfadfinder liegen in der Sonne vor den Zelten oder kuscheln sich ihre Schlafsäcke, innerhalb von Sekunden übermannt viele der Schlaf nach der Extrem-Wanderung. Am Abend, zur großen Abschlussparty mit der Band "Five Minutes Left" sind die meisten Teilnehmer dann wieder fit und vor der Feier steht die Siegerehrung. Das Team "Roter Milan" macht den dritten Platz, gefolgt von den "Schachtaffen". Der Titel Ironscout geht an alte Bekannte in der Pfadfinder-Szene. Die Gruppe "Hiltrup I" schafft es zum vierten Mal in Folge ganz oben auf's Siegertreppchen. Dominik Naab, Bundesvorsitzender der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg und selbst Teilnehmer beim Ironscout, lobte am Samstagabend bei der Abschlussparty das Engagement der Selmer. "Die Veranstaltung ist von den Aktiven vor Ort komplett selbst organisiert worden, das zeigt was Pfadfinderei kann", so Naab. Langeweile kommt bei den Pfadfindern aus Selm auch nach dem Ironscout mit Sicherheit nicht auf, denn schon während der Großveranstaltung starteten die "Pfadis" eine Spendensammlung zugunsten von jungen geflüchteten Menschen. Sonntag endete der Ironscout in Selm mit einem Gottesdienst.

Thema "Wettbewerb" im Lokalkompass:
> Team kämpfte für die "Mission Weltmeister"
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