Wenn durch einen Unfall Lebensträume zerplatzen

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Polizeihauptkommissar Harald Stimmberg moderierte den Crash-Kurs und demonstrierte symbolisch mit einer Nadel, wie schnell Lebensträume platzen können.
Und plötzlich war es mucksmäuschenstill im Hansesaal. Rund 400 Lüner Schüler im Alter von 16, 17 Jahren waren merklich beeindruckt von dem, was Polizisten, ein Rettungssanitäter und ein Feuerwehrmann auf der Bühne berichteten.

Geschildert wurde in Worten und Bildern die Geschichte eines schweren Verkehrsunfalls und deren Folgen für die fünf jungen Insassen. Für den Zuschauer eine emotionale Achterbahnfahrt.

„Crash Kurs NRW“ heißt das Projekt der Polizei NRW, das gerade die jungen Fahrer vor den Gefahren warnen soll. Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen stellt zwar nur 8 Prozent der Bevölkerung, verursacht aber ganze 19 Prozent der schweren Verkehrsunfälle. Die Polizei nennt dabei die „Killer Nummer 1“: Alkohol und Drogen, keinen Sicherheitsgurt, Geschwindigkeit sowie Ablenkung durch Handy und Beifahrer.

Beim „Crashkurs NRW“ wird schonungslos gezeigt und beschrieben, wie schnell etwas Verheerendes passieren kann und was mit allen Beteiligten, auch den Helfern geschieht. Im Oktober 2010 geschah der geschilderte Unfall. Nicht irgendwo, sondern fast um die Ecke, in Dortmund-Scharnhorst. Ein Auto mit fünf jungen Insassen im Alter von 15 bis 19 war nachts auf der Flughafenstraße unterwegs, der Fahrer war alkoholisiert. Als er einen Freund überholte, verlor er die Kontrolle über das Fahrzeug, das dann Leitplanke und Geländer der Bahnbrücke durchbrach und sieben Meter tiefer kopfüber auf den Schienen landete.

Jens Dörr, Polizeikommissar aus Lünen, beschrieb das Schreckensszenario. Er blickte die Brücke hinunter, sah ein völlig zerstörtes Wrack und vier schwer verletzte Menschen, die ein Zeuge bereits aus dem Auto gezogen hatte. Dörr versuchte dann auf den Gleisen zu helfen. Die wiederholenden Hilferufe des eingeklemmten Mädchens („Ich spüre meine Beine nicht mehr“) hallen heute noch im Kopf des Polizisten.

Es ist die Nähe der Geschichte, die den Schülern zeigt, wie schnell ein Unfall, vor allem unter Drogen- oder Alkoholeinfluss, geschehen und alles verändern kann. Feuerwehr, Bundespolizei und Rettungssanitäter – alle beschrieben den selbst für sie als „Profi“ schrecklichen Unfall. Dazu gab es zwei Videobotschaften, von dem Freund, der überholt wurde und als erster am Unfallort war und von Kristina, die mit im Auto war.

Im Laufe der Erzählungen erkennt man, was für ein Glück die Insassen hatten, überhaupt noch zu leben. Doch glimpflich ging der Unfall keineswegs aus. Die damals 15-jährige Anastasia sitzt seitdem im Rollstuhl. All ihre Lebensträume sind innerhalb von Sekunden nicht mehr realisierbar. Auch die anderen trugen seelische Wunden davon. „Es ist nichts mehr so, wie es war“, sagt Kristina, die zum Zeitpunkt des Unfalls 16 war.

Abzuwarten bleibt es, ob die 400 Lüner Schüler an die Warnungen denken, wenn sie einmal in eine ähnliche Situation kommen. Die Vernunft, den Wagen stehen zu lassen oder langsamer zu fahren, muss jeder selbst mitbringen. Doch ist den Schülern nun bekannt, wohin eine falsche Entscheidung führen kann.
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