Menschen für Rehe die größte Gefahr

Anzeige
Bernd Diehl ist Jagdaufseher. Nicht nur die Jagd, sondern besonders auch die Hege gehören zu seinen Aufgaben. (Foto: Magalski)
Das Gras steht hoch am Waldrand. Nebenan auf den Feldern wachsen Raps und Getreide. Wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, haben die Rehe ihre Kinderstube.

Bernd Diehl steigt aus dem Auto, hängt das Gewehr über die Schulter. Er kennt sich hier aus, kümmert sich als Jagdaufseher um rund dreihundert Hektar Feld, Wald und Wasser in der Gahmener Jagd. Rehe, Hasen, Füchse und viele andere Tiere fühlen sich hier in der Natur wohl. Der Nachwuchs der Rehe steht in den nächsten Wochen wieder im Fokus des Jagdaufsehers. Noch hat Diehl keine Rehkitze gesehen, doch sie werden kommen. Im Schutz hoher Felder oder Wiesen bringt die Ricke ihre Kinder zur Welt, legt sie ab, wie die Jäger sagen. Eine aufregende Zeit für die Tiere.

Rehe springen in Panik in den Kanal

Natürliche Feinde wie etwa Wölfe oder Luchse haben die ausgewachsene Rehe in Deutschland zwar nicht. Es sind die Begegungen mit dem Menschen, die für die scheuen Tiere oft tödlich enden. Wildunfälle auf Schnellstraßen, Mäharbeiten mit schweren Maschinen auf Feldern. Landwirte wissen darum und setzen teilweise Kitz-Retter ein, um die Tiere im dichten Gras zu finden, bevor das Mähwerk sie tötet. Freilaufende Hunde sind ein weiteres Problem. Stöbert ein Hund ein Reh auf, springt es vor allem in Diehls Revier nicht selten voller Panik in den Datteln-Hamm-Kanal, ertrinkt dann zwischen den hohen Spundwänden. Einsicht fehle bei den Hundehaltern häufig, dabei ist das Gesetz eindeutig: Jäger dürften wildernde Hunde abschießen. Spaziergänger, die den Weg verlassen, können ebenfalls zur Gefahr für das Wild werden. „Wer ein Kitz findet, darf das Tier auf keinen Fall anfassen“, sagt Bernd Diehl. Mama Reh ist ganz in der Nähe, würde den Nachwuchs nicht mehr akzeptieren, wenn er nach Mensch riecht – und verwaiste Rehkitze haben kaum eine Chance.

Wilderei - kein Problem vergangener Tage

Jäger-Romantik, das gibt es zwar noch immer. Wenn die Sonne über dem Kanal versinkt oder im Sonnenschein ein Bussard über den Feldern kreist. Die andere Seite sind Vandalen, die heimlich die hölzernen Hochsitze ansägen. Merkt der Jäger es rechtzeitig, ist der Schaden ärgerlich. Merkt er es zu spät, stürzt er im schlimmsten Fall in die Tiefe. Und auch Wilderer sind keine Erscheinung längst vergangener Tage. Die Jagd geht weiter. Illegal, mit abgerichteten Hunden und vollautomatischen Gewehren.

Mehr zum Thema:
> Sauerei im Wald: Waren es Wilderer?
> Wildunfall: Lüner überschlägt sich mit Auto
0
1 Kommentar
252
Ralf Darpe aus Lünen | 25.05.2013 | 17:50  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.