Und dann tobte der Orkan über die Insel

Was kommt denn da auf unsere Insel zu?
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Morgens beim Brötchenholen war noch alles normal. Sonne, Wolken, Wind – wie man das so liebt im Urlaub am Meer. Amrum ist eine entzückende kleine Insel in Nordfriesland. Und gerade hier tobte er besonders, der Orkan Christian.

Vorwarnungen gab es genug. Tut sich schon was? Ja. Der Blick aus dem Fenster an diesem Montag zeigt, wie sehr sich Bäume und Sträucher biegen. Der Wind pfeift ab Mittag immer lauter. Da, eine mächtige Böe wirft den Strandkorb auf dem Rasen direkt vor der Wohnung um. Schnell raus. Gartentische und Stühle sturmsicher verstauen.

Milch fehlt. Schaffen wir einen kleinen Gang zum Laden? Wetterfeste Kapuzenjacken an. Vor der Haustür liegt die schwere, schwarzmetallene Abdeckung der Türlampe. Wenn die uns auf den Kopf geknallt wäre! Aufpassen. Da segelt so einiges durch die Luft. Der Wind peitscht. Treibt Sand in die Augen. Immer wieder abgebrochene dicke Äste, entwurzelte Bäume. Blumentöpfe fliegen durch die Gegend. Eine Scheibe ist auf das Sträßchen geknallt. Tausend kleine Splitter. Der Sturm weht uns fast weg. Schnell umdrehen. Nachhause. Trinken wir den Kaffee halt schwarz.

Im Radio wird gewarnt, die Häuser zu verlassen. Windstärke 173 km/h auf Amrum. Tatütata, Tatütata. Die Feuerwehr im Dauereinsatz. Der Orkan tobt ums Haus. Gruselig. Ob das Reetdach hält? Anrufen geht nicht mehr. Das Netz ist zusammengebrochen. Nachts weckt ein gewaltiges Gewitter.

Am nächsten Morgen wieder Ruhe. Der Gang durchs Dorf und später ein Spaziergang zum Meer zeigen, wie schlimm der Orkan gewütet hat. „Christian“ hat selbst große Bäume abgebrochen oder mit Wurzelteller aus dem Boden gerissen. Alte Ahorne, Kiefern, alles. Egal ob freistehend oder „geschützt“ im Wald.

Die Feuerwehr hat tolle Arbeit geleistet: Gefahrenstellen gesichert, Stämme abgesägt, rot-weißes Band gespannt. Zufahrten und Straßen frei gemacht im Dauereinsatz. Auf „AmrumNews“ im Netz wird ein Feuerwehrmann zitiert: „Wie viele Autofahrer wir heute gesprochen haben, die auf keinen Fall zu Hause bleiben konnten und unbedingt die Straße passieren mussten, auf die gerade im Minutentakt die Bäume gestürzt waren, war schon gruselig.“

Rückfahrt wird ein Abenteuer

Fährt die Fähre? Ja. Fahren die Züge? Weiß man nicht genau. Doch wir müssen am Mittwoch zurück. Um 9.08 Uhr mit dem Bus zur Fähre. Die stampft um 9.35 Uhr planmäßig los. Auch das Bummelzüglein um 12 Uhr ab Dagebüll Mole fährt normal. Aber dann. Ab Niebüll ist die Strecke gesperrt. „Schienenersatzverkehr“ statt ICE. Immer wieder umsteigen, warten, zu wenig Busse, Überfüllung. Wir fahren mit Reisebus, Regionalbahnen, Linienbus, S-Bahn.

Um 19 Uhr endlich in Hamburg Hbf. Und nun Glück: Der verspätete IC nach Koblenz fährt ohne Probleme. Kurz vor 22 Uhr Ankunft in Dortmund. Nun keinen Bock mehr, auf die Regionalbahn zu warten. Mit dem Taxi nach Lünen.

Insgesamt neunmal umgestiegen, fast 15 Stunden gereist. Das reicht. Die Nerven liegen blank. Dass die Bahn die Hälfte der Fahrtkosten zurückzahlt, ist da auch kein großer Trost.

Und dennoch. Amrum ist eine entzückende kleine Insel in Nordfriesland.

Autor:

Doro Backmann-Kaub aus Lünen

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