Brücke Kurt-Schumacher-Str. — Situation alternativlos?

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Fußgängerbrücke Kurt-Schumacher-Straße
 
Fußgängerbrücke KSS
 
Fußgängerweg von Geschwister-Scholl zu Neuberinstr.
Lünen: Rundturnhalle | .

Die Fußgängerbrücke an der Neuberinstraße über die Kurt-Schumacher-Straße (KSS) ist marode und einsturzgefährdet.
Dies ist durch ein von der Stadtverwaltung in Auftrag gegebenes Gutachten belegt.

Ebenso ist erkannt, dass eine Sanierung aufgrund der spezifischen Bausubstanz nicht möglich ist!
Im Brückenbaujahr 1967 hat man noch auf die als günstig und zu dieser Zeit konkurrenzlose Stahlbetonweise für Brücken gesetzt.
Inzwischen haben die zeitlichen Einflüsse, sichtbar durch eklatante Brückenschäden (siehe Autobahnbrücken), dies als Fehlschluss belegt.
Insbesondere die sogenannten Spannbetonbrücken gelten als kritisch. Der als "Tragweg" genutzte Beton wird in seinem Innern durch vorgespannte Stahlbauteile stabilisiert.
Durch Korrosion dieser Stahlteile verliert die Konstruktion die Tragfähigkeit, letztlich bis zum plötzlichen Einsturz.
Näheres hier und hier nachzulesen:

Dieser Bau(not)zustand ist bei der Fußgängerbrücke über die KSS nun erreicht.

Das Ganze entwickelt sich wegen des über kurz oder lang anstehenden Abrisses der Brücke zum Politikum, da sie vornehmlich von den Schulkindern der Geschwister-Scholl-Gesamtschule für ihren Weg zum Sportunterricht zur Rundturnhalle genutzt wird.

Die Schulleitung kämpft für eine neue Brücke, die Stadtverwaltung möchte stattdessen eine zusätzliche Ampelüberquerung einrichten.

Welche Alternativen bestehen grundsätzlich und wie sind sie zu bewerten:

Fall 1:

Schulkinder nutzen die Ampelanlage an der Mercedes-Niederlassung zur Überquerung der KSS.

Das ist schlichtweg nicht darstellbar. Lt. Schulleitung queren täglich ca. 350 Schüler die Straße, in der Regel in Pulks zu 90 Kindern.
Die Überquerung an dieser Ampelanlage ist nur in Etappen möglich. Mangels fehlender Zwischen-Aufstellflächen kann der begleitende Lehrer hier keine vollumfängliche gefahrlose Querung beaufsichtigen.

Fall 2:

Der Anmarsch zur Rundturnhalle führt durch die Unterführung an der Stadttorstr.
Die Kinder können in diesem Fall durchgehend den Fußweg bis zur Stadtorstr. benutzen , wechseln dann über den ZEBRASTREIFEN auf den weiterführenden Fußweg entlang der Rückseite der KSS (Skateranlage) bis zum Übergang am Hilpert-Theater. Dort allerdings müsste noch für eine Fußgängerquerung ein Zebrastreifen angelegt werden (siehe Bilder).
Entgegen allen veröffentlichten Google-Erhebungen und Meinung der Schulleitung ergibt sich anhand Ablaufens des erweiterten Anmarsches in bequemer Schrittfolge eine verlängerte Wegezeit von ca. 7 Minuten für einen Weg. Hin und zurück resultiert daraus eine Wegezeitverlängerung von ca. 15 Minuten.

Aus dem Kreis der Betroffenen ist dazu zu hören, dass es bereits schwierig sei eine Gruppe von Schülern bei der Brückennutzung zusammen zuhalten.
Teilweise kommen Schüler an der Rundturnhalle an, andere sind dann noch auf der Brücke. Ist in diesem Fall noch die Aufsicht gewährleistet?

Die Schulleitung führt in die Überlegungen ein, dass die zusätzliche Wegezeit nicht zumutbar ist und dass Kinder mit Wahrnehmungsstörungen beaufsichtigt werden müssen.
Sind 15 Gehminuten wirklich nicht zumutbar?
Wie erfolgt die Beaufsichtigung der hilfsbedürftigen Schüler bei der Brückenbenutzung?

Also zumindest sollte diese Alternative nicht völlig aus den Überlegungen außen vorgelassen werden, wie es der Vorschlag der Stadtverwaltung vorsieht.

Zur Klärung ob und wie machbar diese Möglichkeit ist, wäre doch eine realitätsbezogene Bewertung angebracht.
Die Schüler benutzen 1 Woche lang diesen Weg und die Stadtverwaltung registriert die Abläufe.

Fall 3:

Ein Brückenneubau.
Die Stadtverwaltung hat diese Alternative vollkommen Außen vor gelassen. Eine Erhebung einer Kostenplanung existiert für diesen Fall nicht.

Sicherlich ist eine Brücke, wie sie von der Verwaltung überdacht wurde, —inklusionsgerecht, schöne Ausgestaltung als Anbindung der "Kulturinsel" an die Innenstadt, etc.— seitens der Kosten auch nicht darstellbar.

Eine Alternative könnte doch aber eine abgespeckte Brückenversion sein.

Die jetzige Brücke ist weder inklusionsgerecht noch fahrradtauglich.
Die Zahl anderer Benutzer hält sich in Grenzen. Besucher des Hilpert-Theaters reisen in der Regel mit dem KFZ an, ebenso wie Gäste des Ringhotels.

Also, warum nicht eine Fußgängerbrücke in einfacher Stahlkonstruktion analog der Lippebrücke an der Westfalia oder der Brückenkonstruktion am Bahnhof Horstmar überdenken und entsprechend Kosten rechnen?

Fall 4:

Statt Brücke favorisiert die Stadtverwaltung eine zusätzliche Ampelanlage zur Überquerung der KSS für 250.000 EUR.

Anhand einer Modellrechnung wird aufgezeigt, dass keine Staugefahr bei dem herrschenden Verkehrsaufkommen absehbar sein soll,
Dabei ist die vollkommene Sperrung beider Straßenseiten der KSS zugrunde gelegt, also aller 4 Fahrspuren gleichzeitig!
Die Ampelphase gestattet den Schülern dann, die Straße in einem Zug queren zu können!

Die als Bedarfsampel ausgelegte Anlage soll dabei so getaktet sein, dass durch die Ampelschaltungen an der Polizeiwache wie auch von der Mercedes-Kreuzung entstehenden Pausen im Verkehrsfluss genutzt werden können.

Wie diese Modellrechnung die unterschiedlichen Geschwindigkeitsvorgaben in diesem Bereich der KSS berücksichtigt (70 km/h, 50 Km/h, 30 km/h) sollte stringent hinterfragt werden.
Zumindest eine Grüne Welle ist bislang trotz Verkehrsrechner in Echtzeit nicht darstellbar.

Zudem der Hinweis auf das offensichtlich nicht abzuschätzende "Tross"-Verhalten der Schüler, dass offen lässt, ob die Querung in einem Zug gelingt!

Auch hier könnte die Realitätserprobung weiterhelfen.
Warum nicht eine portable Ampelanlage für 1 Woche installieren und durch eine Programmsteuerung die anstehenden Querungen simulieren?

Zumindest zeigt sich, dass Alternativen zu der von der Stadtverwaltung ausschließlich ins Rennen geschickte Signalanlage für den Ersatz der alsbald wegfallenden Brücke möglich erscheinen.
Warum also in aller Hektik entscheiden und gegebenenfalls eine Situation schaffen, die immerhin auch 250.000 EUR kostet und deren Umsetzungsergebnis zu einem weiteren Ärgernis der ohnehin schon gebeutelten Lüner Verkehrsteilnehmer führen könnte?
Vielleicht ist nur gesunder Menschenverstand nötig um eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu finden.

Die öffentliche Beratung und Entscheidung in der heutigen Ratssitzung (02.03.2017 / 16 Uhr) dürfte interessant werden.

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