Herr Minister, wie ist Ihr Job in Düsseldorf?

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Rainer Schmeltzer aus Lünen ist Minister für Arbeit, Integration und Soziales. (Foto: Magalski)
 
Gespräch zwischen Tür und Schreibtisch - der neue Minister ist ein lockerer Typ. (Foto: Magalski)
 
Blick vom Rheinturm auf den Block mit dem Ministerium auf der linken Seite. (Foto: Magalski)
Niederaden liegt noch in Dunkelheit. Rainer Schmeltzer, der Privatmann, kommt aus dem Haus. Minuten später ist Rainer Schmeltzer, der Minister, auf dem Weg nach Düsseldorf. Der Lüner ist seit sechs Wochen der „Neue“ an der Spitze des Ministeriums für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Zeit für einen Antrittsbesuch. Guten Tag, Herr Minister!

Werner Faßbender manövriert den Wagen des Ministers am Donnerstagmorgen sicher durch den dichten Berufsverkehr, über die Autobahn vorbei an Gelsenkirchen, Bottrop und Richtung Düsseldorf. Faßbender kommt aus dem Fahrer-Pool der Staatskanzlei und ist eine Vertretung. Zwei Fahrer hat der Arbeitsminister, doch einer der Männer ist im Moment krank, der andere ist aufgrund der gesetzlichen Ruhezeiten erst ab dem Mittag im Dienst. Autobahnen sind Werner Faßbenders zweites Zuhause. Der Neusser ist gelernter Fahrzeug-Mechaniker, fuhr viele Jahre Reisebusse und die Geschäftsführer verschiedener Unternehmen. Rainer Schmeltzer nutzt die Fahrt. Für Telefonate und die Vorbereitung auf den Tag. Sein Büro gibt dem Minister jeden Tag „Hausaufgaben“ mit auf den Heimweg, eine rote Mappe mit Themen für den nächsten Tag. Schmeltzer hat am Vorabend in Lünen bereits einen Blick auf die Unterlagen geworfen, nun studiert er wieder verschiedene Akten.

Familie, Garten und Gesang

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ernannte den Sozialdemokraten aus Lünen vor sechs Wochen zum Minister für Arbeit, Integration und Soziales. Düsseldorf ist für Schmeltzer aber schon sehr viel länger politische Heimat, immerhin sitzt der Lüner seit fünfzehn Jahren als Abgeordneter für die Sozialdemokraten im Landtag. Viele Menschen sind mit dem Minister auf Du und Du. „Im Ministerium sagt man Herr Schmeltzer, nicht Herr Minister.“ Mitarbeiter gewöhnen sich langsam an den lockeren neuen Vorgesetzten. Schwerer haben es manche alte Bekannte. „Im Umgang mit mir spüre ich da in einigen Fällen schon Veränderungen, manche sind unsicher, ob ich nun der Herr Minister bin oder immer noch der Rainer Schmeltzer.“ Das Handy meldet sich mit einer E-Mail, der Presseschau aus der Staatskanzlei. Artikel aus verschiedenen Zeitungen mit Relevanz für die einzelnen Ministerien in der Zusammenfassung. „Medienberichte können eine Menge Einfluss auf den Tagesablauf haben“, erklärt Schmeltzer während des Lesens. Zeitungen wollen dann Stellungnahmen zu aktuellen Themen, Fernsehsender bitten um ein Interview. Donnerstag ist die Themenlage ruhig, aber auch ohne Überraschungen gibt es – das weiß Schmeltzer schon nach sechs Wochen - immer genug Arbeit. Ausgleich findet der Politiker, der seine Bodenhaftung nicht verloren hat, bei seiner Familie, der gemeinsamen Gartenarbeit, im Männergesangsverein Niederaden oder bei Spaziergängen mit den Hunden.

Machete aus dem Sauerland

Fünf Minuten vor neun Uhr erreicht der Wagen sein Ziel. Das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen liegt am Fürstenwall in Düsseldorf, ein helles Gebäude mit langen Fluren in Sichtweite zum großen Fernsehturm am Rhein. Vom Büro des Ministers im fünften Stock schaut man allerdings nicht auf den Rhein, sondern in Hinterhöfe umliegender Häuser, auf eine Autowerkstatt, Wäsche auf den Balkonen und den eigenen Betriebskindergarten des Ministeriums. Die Einrichtung des Ministerbüros ist zweckmäßig, besteht aus einem kleinen Schrank, einem großen Schrank, einem Tisch mit einer Sitzgruppe für Besprechungen und einem Schreibtisch. Schon Guntram Schneider, der Vorgänger Schmeltzers im Ministeramt, saß an diesem Schreibtisch. Die Machete mit der stumpfen Klinge, kurioserweise kein Geschenk aus dem Dschungel, sondern aus dem sauerländischen Plettenberg, stammt noch aus dem „Nachlass“ Schneiders, daneben finden sich erste Akzente des Nachfolgers. Grubenhelm und Bergmanns-Lampe. Eine Plakette vom Bürgermeister aus Lünens Partnerstadt Bartin auf der Fensterbank und ein Schild mit einem launigen Spruch an der Wand. Aufschrift: „Herr der Lage“. Schmeltzer ist mehr als das, als Minister ist er auch Chef über fünf Abteilungen mit insgesamt rund 370 Mitarbeitern.

Wunschzettel an die Landesregierung

Statistiken gibt es darüber zwar nicht, aber die meiste Zeit des Tages verbringt der Minister wohl nicht im Büro. Eine Betriebsrätekonferenz des Verdi-Landesbezirkes Nordrhein-Westfalen ist der erste Termin am Vormittag. Rainer Schmeltzer ist einer der Redner. „Größtes Kapital einer Firma ist nicht das Geld der Aktionäre, sondern es sind die Mitarbeiter“, sagt der Arbeitsminister und spricht mehrere Minuten nicht nur über Minijobs und das aktuelle Verdi-Thema gute Arbeit. Am Ende geben ihm die Betriebsräte – obwohl es bis Weihnachten noch einige Tage dauert – einen „Wunschzettel“ an die Landesregierung mit auf den Weg. Termine wie bei Verdi sind ein Heimspiel für den früheren Gewerkschaftssekretär Schmeltzer, er könnte wohl Stunden reden, doch der nächste Termin steht im Kalender. Ein Erinnerungsfoto mit dem Minister in der Mitte ist schnell im Kasten, dann steigt der Politiker wieder in seinen Dienstwagen. Michael Schmidt sitzt nun am Steuer, einer der regulären Fahrer des Ministers.

Schnitzel mit Spiegelei und Möhren

Mittags sind ein paar Minuten Luft. Rainer Schmeltzer hat Hunger. Mittagessen ist einer dieser seltenen Momente im Alltag des Politikers. Der Minister isst nicht in feinen Restaurants, sondern Tisch an Tisch mit seinen Mitarbeitern in der Kantine des Ministeriums. Schnitzel mit Spiegelei und Möhren, dazu Pommes, Bratensoße und eine Cola bestellt sich Rainer Schmeltzer heute, der Kantinen-Mitarbeiter schiebt das Essen auf dem blauen Plastiktablett über die Theke. Schmeltzer zahlt an der Kasse. Guten Appetit - ohne Sonderbehandlung. Keine Zeit für längere Pausen, denn Martina Amel hat Fragen an den Minister. Im Vorzimmer des Ministers haben die Regierungsbeschäftigte und ihre Kollegin Adile Korkmaz das Sagen, links daneben ist das Büro von Jadranka Thiel, der Leiterin des Ministerbüros. Schmeltzer beantwortet Bögen für das Anti-Korruptionsgesetz und die Minister-Ehrenkonferenz. Zwanzig Minuten bleiben danach noch bis zum nächsten Termin, dieses Mal tagt im großen Sitzungssaal im Erdgeschoss des Ministeriums der Landesausschuss für Berufsbildung Nordrhein-Westfalen. Schmeltzer nutzt den Moment und kümmert sich um die Aktenberge auf seinem Schreibtisch. Lesen und abzeichnen, bei Rückfragen hilft Frau Amel. Im Anschluss an die Konferenz des Landesausschusses folgen wieder Gespräche und Konferenzen im Ministerbüro – so vergeht der Nachmittag an diesem Donnerstag.

Wieder Autobahn, wieder viel Verkehr

Der Ministerwagen ist am frühen Abend auf dem Weg nach Lünen. Wieder Autobahn, wieder viel Verkehr. Rheinland wird zu Ruhrgebiet, die Abfahrt kommt in Sicht. Feierabend hat Rainer Schmeltzer an diesem Tag aber noch nicht, denn Donnerstagabend ist Kinofest-Eröffnung in der Cineworld. Ein Termin als Mitglied des Landtages. Natürlich, das liegt wohl in der Natur der Sache, ist Rainer Schmeltzer aber auch hier nicht nur der Landtagsabgeordnete, sondern vor allem der „Herr Minister“. Im Kinosaal verlöscht das Licht, der Film beginnt und dann haben der Minister, der Landtagsabgeordnete und auch der Mensch Rainer Schmeltzer nach einem langen Tag ein kleines bisschen Feierabend.

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