Pläne um Pestalozzischule machen Sorgen

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Die Pestalozzischule in Selm steht im Moment in der politischen Diskussion. (Foto: Magalski)
 
Antje Schmiemann mit ihrem Sohn Söhnke, Schüler der Pestalozzischule. (Foto: Magalski)
Politiker in Selm stehen im November vor einer Entscheidung über die Zukunft der Pestalozzischule – bleibt sie am aktuellen Standort und bleibt die Förderschule in Trägerschaft der Stadt oder wird sie ein Teil des Förderschulzentrums Nord des Kreises Unna? Söhnke Schmiemann aus Lünen ist Schüler der Pestalozzischule und das Thema macht seiner Familie große Sorgen.

Die Neuordnung der Förderschulen basiert auf einer Entscheidung des Kreises Unna, in Selm geht es nun sowohl um die mögliche Übergabe der Trägerschaft an den Kreis Unna als auch um den räumlichen Umzug der Schule an die Erich-Kästner-Schule in Bork. Vier Jahre lang könnte laut Sitzungsvorlage im Gebäude dann ein Paralellbetrieb von Hauptschule und Förderschule stattfinden, dann laufen die letzten Hauptschulklassen aus und es ist ohnehin Schluss mit der Erich-Kästner-Schule als Hauptschule. Im Gebäude der alten Schule an der Waltroper Straße werden bis zu diesem Zeitpunkt viele Räume frei und diese Räume könnte man nutzen, meint die Stadt Selm - zum Beispiel für die Unterbringung der Pestalozzischule. Eltern und Schüler wehren sich gegen die Pläne, zum Beispiel Familie Schmiemann aus Lünen.

Söhnke hat Probleme in der Schule

Söhnke Schmiemann, vierzehn Jahre alt, hatte es in seinem Leben nicht leicht in der Schule, denn auf der sozialen und emotionalen Ebene ist der junge Lüner – so sagt seine Mutter Antje – eben ein besonderes Kind und wo andere Kinder in seinem Alter sich mit breiter Brust unangenehmen Situationen stellen, mache Söhnke einen Rückzieher. „Die Regelschule war für unseren Sohn eine Katastrophe, dort hat er zum Schluss unter dem Tisch gesessen“, erzählt Antje Schmiemann. Die Mutter hat dabei, wie oft in diesem Gespräch, Tränen in den Augen. Söhnke wechselte in der Folge an eine Förderschule, doch auch hier habe er sich nicht wohlgefühlt. Der Wechsel an die Pestalozzischule in Selm änderte die für die Familie so schwierige Situation auf einen Schlag. Söhnke komme heute mit einem Lächeln aus der Schule. „Die Schüler akzeptieren mich seit dem ersten Tag, es gibt weniger Streit und Schreierei“, erzählt der Schüler. Ein Satz ihres Sohnes vor dem ersten Schultag an der Pestalozzischule sei ihr besonders im Gedächtnis geblieben, erzählt Antje Schmiemann. „Söhnke sagte zu mir ‚Mama, die anderen Kinder wollen mich bestimmt gar nicht‘ – dieser Satz kommt aus Erfahrungen aus den anderen Schulen.“ Söhnke war auch Mobbingopfer.

Lerngruppen nach Leistung der Schüler

Antje Schmiemann lobt das Konzept der Pestalozzischule unter Trägerschaft der Stadt Selm. „Die Lerngruppen sind individuell nach der Leistung der Schüler unterteilt, die Lehrer kümmern sich toll um die Kinder.“ Schmiemanns Befürchtung: Wird die Pestalozzischule zur Förderschule des Kreises, bleibt die Individualförderung auf der Strecke. Die Pestalozzischule würde bei einem Wechsel in die Trägerschaft des Kreises Unna ein Teil des Förderschulzentrums Nord in Lünen, doch daneben steht eben auch der Umzug zur Debatte. „Die Kinder haben am jetzigen Standort mehr Platz und den brauchen sie auch aufgrund ihrer Schwierigkeiten“, sagt Antje Schmiemann. Bauchschmerzen mache ihr mit Blick auf den möglichen neuen Standort auch das Zusammentreffen mit den Schülern der Hauptschule, denn die Kinder an der Pestalozzischule seien eben anders als andere Schüler. Die Kombination sei nicht ohne Konfliktpotenzial.

Mutter appelliert an Politiker

Antje Schmiemann schickt vor der Entscheidung im November einen dringenden Appell an den Rat der Stadt Selm: „Bitte sehen Sie nicht nur die nackten Zahlen und das Geld, sondern auch die Schicksale der einzelnen Kinder.“ Geschichten wie die von Söhnke gebe es unter den Schülern an der Pestalozzischule mehrere, aber nicht jeder gehe damit an die Öffentlichkeit. „Seine Gefühle und Sorgen vor aller Welt auszubreiten, ist kein schönes Gefühl, aber ich mache diesen Schritt für meinen Sohn.“ Söhnke hat wie er sagt nur einen Wunsch – dass alles so bleibt, wie es jetzt ist – denn Freude in der Schule und ein Schultag ohne Angst seien für ihn ganz neue Erfahrungen.

Thema "Schule" im Lokalkompass:
> Unterrichtsausfall ein Problem an Schulen?
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1 Kommentar
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Benni Ben aus Selm | 02.10.2015 | 15:52  
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