Tagebuchauszug vom NS-Opfer emotionalisiert

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Frieden Seite 1 - Tagebuchauszug Elsa Terhoch
Lünen: Gahmener Str. 229 Bürgersteig | Bei der Verlegung der Stolpersteine am 13.07.2016 für die Familie Terhoch wurde folgender Tagebuchauszug von Marie-Luise Bolte vom Frühstücksbasar der evangelischen Kirche Lünen-Horstmar vorgetragen:

Dieser Text entstammt dem Tagebuch von Elsa Terhoch. Die etwa 20 jährige Elsa beschreibt hier die Stimmung in der holländischen Bevölkerung und ihre eigenen Gefühle zu Kriegsende im Frühjahr 1945.

Frieden
Ich sitze alleine im Zimmer. Vor mir liegt ein Buch aber ich kann mich nicht darauf konzentrieren. Draußen ist großer Betrieb; alles läuft und rennt auf der Straße.
Kein Wunder. Es ist noch nicht lange her, das wir befreit sind und jeder Tag kann den endgültigen Frieden bringen. Glocken läuten, Gewehre werden abgeschossen. Ich glaube das ich träume aber plötzlich werde ich wach.
Draußen höre ich rufen: Der Krieg ist aus, Deutschland hat kapituliert. Es ist Frieden.
Ich springe nach draußen. Alles Volk strömt auf der Straße zusammen. Ein Jubel, unbeschreiblich ist unter den Menschen. Eltern und Kinder fallen sich um den Hals. Keiner weiß vor Freude was er zuerst sagen und tun muss, dies bricht aus in einem spontanen Tanz und Alt und Jung xx und singt mit. Ich stehe dabei ein unsagbar dankbares Gefühl wallt bei mir auf. „Friede, es ist Friede!“ Wie oft haben meine Lippen diese Worte gesagt. In verzweiflungsvollen Stunden, wenn ich des Nachts auf dem Lager lag, bis mich der Schlaf übermannte.
Mein zweiter Gedanke gilt meine lieben Allen. Werden sie wieder zurück kommen oder werde ich nie einen wiedersehen? Meine Hoffnung ist klein. Zu viele Berichte habe ich schon gehört von schrecklichen Konzentrationslagern und Gaskammern. Und ich stehe da und sehe die Menschen. Jeder hat Eltern. Und Kinder haben Geschwister. Und ich stehe da und fühle mich so einsam! Fünf lange Jahre, die eine Ewigkeit schienen, liegen hinter uns. Fünf grausame Jahre wo ich verlernt habe ein Kind zu sein. Meine Eltern und Geschwister liegen vielleicht irgendwo in Polen ermordet! Ich schleiche zurück ins einsame Haus und weine.
Und draußen tanzt das Volk, es ist Frieden.
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