Etwas über: BIAS - Und etwas über: DIE AUTOMATISCHE ERKENNUNG VON COMPACT CASSETTEN - Uwe H. Sültz - Lünen - Germany

Anzeige
  In diesem Jahr wurde die Compact-Cassette 50 Jahre alt... der welterste Cassetten-Recorder wird in ein paar Tagen 50 Jahre, er wurde der Welt auf der Funkausstellung 1963 vorgestellt!

Wir erinnern uns noch an das Herausbrechen der Löschzungen, damit die Hitparade nicht unabsichtlich gelöscht werden konnte... sollte die Cassette dann doch gelöscht werden, wurde "das Loch" mit Tesa (es gibt auch andere Klebehersteller, fällt mir gerade aber keiner ein) überklebt. Aber auf der oberen Stirnseite finden wir noch andere Einkerbungen. NUR DIE WELTERSTE COMPACT-CASSETTE VON PHILIPS HATTE 1963 NOCH KEINE LÖSCHZUNGEN (daran erkennt man die Echtheit)!

In meiner Serie über die Compact-Cassette berichte ich heute über die automatische Erkennung des Casstten-Typs, wenn diese in den Recorder eingelegt wird (ist eine trockene Materie... muss aber sein):

Über die Lottozahlen berichtet Tana Schanzara, damit das trockene Thema aufgelockert wird:


Für die magnetische Speicherung auf dem Band wurde zunächst Ferrit (Fe2O3) verwendet (Kassetten-Typ I). Später wurden auch Beschichtungen mit Chromdioxid (CrO2, Typ II), Eisenoxid und Chromdioxid (Doppelschichtband, „Ferrochromband“, FeCr, Typ III) und elementar-metallischen Partikeln („Reineisenband“, „Metal“, Typ IV) angeboten. Durch symmetrische Einkerbungen auf der oberen Stirnseite der Compact Cassette sind die Bandsorten für die Aufnahme- und Abspielgeräte automatisch unterscheidbar (Ferrit (I): keine Einkerbung; CrO2 (II): zwei außen; FeCr (III): zwei innen; Metal (IV): vier Einkerbungen). Kassetten des Typs FeCr (III) mit Einkerbungen für die automatische Erkennung sind sehr selten, ebenso Geräte, die die Einkerbungen von Typ III-Kassetten richtig auswerten können (z. B. Dual C 814 und Dual C 824). Bei der Wiedergabe ist die Entzerrungseinstellung von Typ III identisch mit der von Typ II und IV. In Geräten mit automatischer Bandsortenwahl werden Typ-III-Bänder als Typ I erkannt, was eine Höhenanhebung von etwa 4 dB verursacht. Kassetten des Typs III verschwanden sehr schnell wieder vom Markt und sind heute praktisch nicht mehr erhältlich. Auch Typ IV-Kassetten sind seit Jahren (ca. 1998) vom westeuropäischen Markt verschwunden, sollen aber noch vereinzelt produziert werden.

Die Unterschiede der Bandsorten liegen in deren Magnetisierbarkeit begründet: Während Ferrit-Beschichtungen bereits bei relativ geringer magnetischer Feldstärke (Amplitude bzw. Lautstärke) voll magnetisiert sind, können Metall-Beschichtungen auch stärkere magnetische Feldstärken noch unterscheiden, wodurch es möglich ist, Aufnahmen höher (lauter) auszusteuern, was den Dynamikumfang und den Rauschabstand erhöht: Beim Abspielen höher ausgesteuerter Aufnahmen kann man den Lautstärkeregler bei unveränderter Abspiellautstärke im Vergleich zu niedrig ausgesteuerten Aufnahmen leiser stellen; während also die Lautstärke des Nutzsignals (z. B. Musik) gleich geblieben ist, werden Band- und Geräterauschen heruntergeregelt und somit reduziert.

Die Stärken der Eisenoxidschicht liegen in einer besseren Tiefenaussteuerbarkeit, während das Chromdioxidband eine bessere Höhenaussteuerbarkeit hat. Deshalb wird für Eisenoxidband gewöhnlich eine Aufnahmevorverzerrung bzw. Wiedergabeentzerrung mit einer Zeitkonstanten von 120 µs benutzt, während für die anderen Bandsorten 70 µs benutzt wird. Die Entzerrung mit 70 µs hilft, das Rauschen, bei dem die hohen Frequenzbereiche dominieren, zu verringern. Bei falscher Bandsorteneinstellung stimmt der Frequenzgang der Aufnahme bei der Wiedergabe nicht, wodurch das Audiomaterial entweder zu dumpf (Fe2O3-Band mit 70 µs-(Chrom-)Einstellung) bzw. zu spitz (z. B. CrO2 mit 120 µs-(Ferro-)Einstellung) klingt. Um die Vorteile von Eisenoxid und Chromdioxid zu kombinieren, wurde das Zweischichtband (Ferrochrom-Band) entwickelt, bei dem sich auf einer Eisenoxid- eine Chromdioxid-Schicht befindet.

Vorbespielte Kassetten mit Chromdioxidband werden häufig mit einer Aufnahmevorverzerrung von 120 µs bespielt, d. h. der Kassettenrekorder sollte beim Abspielen auf Ferro-Band eingestellt sein. (Beschriftung der Kassette beachten.) Bei diesem Vorgehen wird die gegenüber Eisenoxid-Band verbesserte Höhenaussteuerbarkeit des Chromdioxid-Bandes nicht genutzt, um das Rauschen mittels 70 µs-Entzerrung zu verringern, sondern um höhenbetontes Klangmaterial besser wiedergeben zu können. Diese Technik kommt den veränderten Hör- bzw. eher Produktionsgewohnheiten entgegen, wonach Musik heute höhenbetonter ist als früher und gleichzeitig moderne Produktionen weniger Dynamik haben, wodurch das Rauschen weniger ein Problem darstellt (siehe Loudness war).

Bisweilen wird behauptet, dass die Musik auf Ferritbändern „wärmer“ klinge. Der Ursprung dieser Behauptung begründet sich in der Sättigungsmagnetisierung, bei der geradzahlige Obertöne verstärkt bzw. hinzugefügt werden. Typ-IV-Kassetten lassen sich höher aussteuern als Typ II, haben allerdings einen etwas raueren Klang, während Typ-II-Kassetten feiner klingen (sollen).

Wegen der ferromagnetischen Eigenschaften der Tonbänder ist bei der Aufnahme die sogenannte Vormagnetisierung (engl. Bias) vonnöten. Die Stärke der Vormagnetisierung hängt vom benutzten Bandmaterial ab. Reineisenbänder benötigen eine stärkere Vormagnetisierung als Chromdioxidbänder, diese wiederum eine stärkere als Eisenoxidbänder.

Demnächst stelle ich alle PHILIPS Cassetten-Recorder der ersten Generation vor, bedanke mich jetzt schon bei den vielen LK-Lesern, die mich durch Zusendungen unterstützt haben, damit die Compact-Cassette nie vergessen wird!

Meinen Dank an YouTube und Wikipedia!

http://de.wikipedia.org/wiki/Compact_Cassette

...
0
5 Kommentare
13.588
Volker H. Glücks aus Neukirchen-Vluyn | 02.09.2013 | 21:36  
28.614
Armin von Preetzmann aus Castrop-Rauxel | 02.09.2013 | 21:49  
12.326
Uwe H. Sültz aus Lünen | 02.09.2013 | 22:44  
3.389
Hiltrud Richter aus Lünen | 07.09.2013 | 16:56  
12.326
Uwe H. Sültz aus Lünen | 07.09.2013 | 22:50  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.