John Jacobs, der Holländer beim Lüner SV

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Auch der LSV gratulierte John Jacobs, hier mit seiner Renate, zum 65. Geburtstag. Es gab auch einen Wimpel des Vereins, eine LSV-Mütze und die aktuellem LSV-Magazine. Foto Janning
 
Fühlten sich im wohl attraktivsten Stadion der Fußball-Welt sehr wohl: John Jacobs und Lebenspartnerin Renate, die sich das letzte Saisonspiel des Bundesligisten Borussia Dortmund, das 4:3 über Werder Bremen, anschauten.
 
1978 – John Jacobs für den Lüner SV gegen Borussia Dortmund in Aktion. Links der BVBer Horst Venzhöfer, der später auch für den LSV und den VfB 08 Lünen spielte. Jacobs lief mit Detlef Behrens, Uwe Kraatz, Hans „Henner“ Bradatsch, Karl-Heinz Scharlibbe, Rudi Berries, Reinhard Vetter, Willi Solga, Klaus „Nattu“ Hagedorn, Dietmar Seelig, Elmar Hannig und Dieter Stannek auf. Dieses Bild zierte damals die erste Seite der Stadionzeitung „LSV-aktuell“. Repro Janning
LÜNEN. In den über sieben Jahrzehnten erfolgreichen Fußball-Geschichte zeichnete sich der Lüner SV 45 immer als weltoffener, multikultureller Verein aus. Dass dieses Miteinander ein ganzes Leben lang Bestand haben kann, dafür ist der Holländer John Jacobs ein herausragendes Beispiel.
Herausragend wie der fast zwei Meter, genau 1,93 Meter, große Mann, der immer den klassischen, mit allen Wassern gewaschenen Vorstopper spielte. Fünf Jahre lang lief er für den Lüner SV im Stadion Kampfbahn Schwansbell auf. Die älteren Fans loben noch heute die vorbildliche Leistung des harten, aber fairen Holländers.
Geboren am 20. Mai 1952 in Velp bei Arnheim, kehrte er an seinem 65. Geburtstag für einen Kurzbesuch nach Lünen zurück. Von dort ging es weiter nach Dortmund.
BVB-Karten zum Geburtstag
Seine Lebensgefährtin Renate hatte als Geschenk zwei Karten für das letzte Bundesliga-Spiel der Saison der Borussen gegen Bremen ergattert.
„Es war phantastisch! Es war ein Tag, den man nicht vergisst!“ war das Duo, das sich seit 23 Jahren kennt, nicht nur vom knappen, aber verdienten 4:3-Sieg des BVB angetan, sondern insbesondere auch für der tollen Atmosphäre im Stadion.
Jacobs begann mit dem Fußball mit 15 Jahren bei Gelria in Arnheim. Mit 16 Jahren folgten Jugendplan Holland, eine Ausbildungsform für den Kicker-Nachwuchs, zwei Jahre in Arnheim in der Jugendauswahl Gelderland und mit 21 ein weiterer großer Karrieresprung.
Er lief für De Graafschap in der Eredivision, der niederländischen 1. Bundesliga, unter Trainer Piet Visser auf. Jacobs: „Piet ist dort immer noch internationaler Scout, so für Chelsea. Ich bin dann nach Deutschland für ein Jahr zum TuS Eving gegangen.“
Der TuS Eving, heute nur noch in der Kreisliga B aktiv und dort aktuell Sechster hinter Meister und Aufsteiger Lüner SV II, war einer der westfälischen Traditionsvereine, der, wie der Lüner SV, in der Verbandsliga, der damals höchsten deutschen Amateurklasse, auflief.
Beide Klubs tauschten immer wieder Spieler untereinander aus: Peter Demhartner, Wilfried Fischer, Dietmar Höh, Günter Riepert, als Aktiver und Coach Dieter Zorc, als Trainer Werner Nagerski und Karl-Heinz Wepner, als Masseur Willi Wagener….
Schöne Jahre in Schwansbell
Gern erinnert Jacobs sich an die folgenden fünf Jahre bei den rot-weißen Löwen des Lüner SV, obwohl die SG Wattenscheid das erste Ziel war.
Aber über die Rot-Weißen, die er mit 29 Jahren verließ, schwärmt der Mann, der als Vorstopper in einer Saison sagenhafte 14 Tore erzielte, heute noch: „Immer gute Mannschaften, gute Kameradschaft, nette Leute, gute Spieler wie zum Beispiel Dieter Zorc, Edwin Eddy Bakine, Klaus Hagedorn, Claus Janson, Hans „Henner“ Bradatsch …!“
Nächste Stationen waren die Oberligisten VfB Waltrop und Spielvereinigung Erkenschwick mit dem DFB-Pokalspiel gegen Bayer Leverkusen – 0:3 vor 5000 im Erkenschwicker Stadion am Stimberg.
Leverkusen stieg 1979 in die 1. Liga auf, gehörte 1963 zusammen mit dem Lüner SV zu den Gründungsmitgliedern der Regionalliga West.
Als Lünen 1967 den Wiederaufstieg schaffte, wurde das Werksteam vom Rhein Meister. Lünen stieg 1973 aus der Regionalliga ab, pendelte seitdem zwischen der alten und neuen Oberliga, den Verbands, Landes- und Tiefen der Bezirksliga.

Dieter Zorc war Spielertrainer
Von der Bezirksliga wollte der LSV 1976 absolut nichts wissen. Er peilte die Rückkehr in die Oberliga, die von 1974 bis 1994 dritthöchste, danach vierte und seit 2009 fünfte Klasse, an. Entsprechend war das Team um Jacobs bestückt. Der Bochumer Ex-Profi, Ex-Evinger und Amateur-Nationalspieler Dieter Zorc war Spielertrainer mit guten Leuten wie Edwin Bakine, Rudi Berries, Henner Bradatsch, Siegfried Eitzert, Oswald Fingado, Lothar Geschwendt, Amir Hadifar, Klaus Hagedorn, Peter Illner, Hans Keller, Stefan Klos, Detlef Pötzinger, Otmar Richter, Wolfgang Rosenkranz, Dieter Stannek, Stefan Urban und Peter Wirsching kickten damals beim LSV.
Doch aus dem Aufstieg wurde nichts. An "Nattu" Hagedorn, den torhungrigen Stürmer, erinnert sich Jacobs immer noch. Und auch an Claus Janson, dem Ex-LSVer und Ex-BV Brambauer mit Wiener Fußball-Blut in den Adern. „Ich habe gehört, der Claus hat jetzt einen Reibekuchenstand auf dem Lüner Wochenmarkt. Wenn ich einmal wieder nach Lünen komme, werde ich ihn besuchen.“ Herumgekommen ist Jacobs in der Welt viel, lebte auch eine Zeit lang in Kanada.
Zum Ausklang war er in Unna-Massen als Spieler und Trainer aktiv. „Dort habe ich mit 40 Jahren noch in der ersten Mannschaft gespielt. Ich kam auf Platz drei als Torjäger des Jahres, unsere Elf wurde 1985 als Mannschaft des Jahres im Kreis Unna geehrt.“
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, heißt es in einem alten Sprichwort. Jacobs ältester Sohn Mario spielte in Unna Fußball, war auch ein guter Handballer. Dessen Sohn Sam machte ein Probetraining bei Borussia Dortmund. Jacobs Sohn Patrick spielte nie Fußball, dafür umso lieber Golf.
Jacobs zieht Bilanz: „Mein Vater, beide Elternteile sind mit nur 47 Jahren innerhalb von zwei Wochen gestorben, ist immer Fahrrad gefahren. Ich steige heute viel und gerne auf mein Mountainbike. Aber, seit ich graue Haare habe, bin ich nicht mehr so wild! Ich habe 20 Jahre in Deutschland gelebt und habe ein schone Zeit gehabt, besuche immer noch gerne einen alten Freund in Unna, um mit diesem über vergangene Zeiten zu plaudern.“
Jetzt betreut John Demente
Und zum eigenen Erstaunen stellt er fest, dass es auch ein anderes Leben als das des Fußballers und Geschäftsmannes gibt. „Bis vor drei Jahren habe ich eine eigene Firma für Fensterbau gehabt. Jetzt bin ich ehrenamtlich tätig. Ich habe ich zwei Zertifikate vom Caritas-Verband Kreis Kleve bekommen, Demenzbegleiter und als Seniorengesellschafter. Jede Woche helfe ich verschiedenen Menschen mit Demenz und Parkinson und mache ich verschiedene Aktivitäten mit älteren Leuten. Dass macht mir sehr viel Spaß und hatte nie gedacht, dass ich dafür geboren bin.“ Die Zertifikate wurden ihm am Tag seines Geburtstages, wenige Stunden vor dem BVB-Spiel überreicht. Bernd Janning
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